Freier Tag

Gestern hat man mir im Büro mehrmals einen schönen freien Tag gewünscht. Freier Tag? Ich stehe um sechs auf zum Duschen, um halb sieben bereite ich den Schoppen meiner Kleinen vor, die schon munter kräht, quietscht und plappert. Während sie dann gierig die Milch runterkippt, drücke ich in aller Eile ein trockenes Brötchen runter. Danach wäre eigentlich Zeit zum „frei haben“. Aber ich putze das Bad, die Küche, den Boden, wasche, bügle, koche, bade die Kleine, putze den Hintern, ziehe sie an, um und wieder ab – mehrmals am Tag. Babys haben zudem einen eigenen Tagesablauf: Nach dem Essen ist vor dem Essen. Es wird also Brei eingekocht, Tee aufgebrüht, püriert, abgewaschen, geputzt, Essen aufgewärmt, gefüttert was das Zeug hält. Dazwischen krabbelt die Kleine unaufhaltbar durch die Wohnung und greift sich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Also immer ein Auge auf dem Kind. Und sie weiss genau, was sie nicht darf. Und probiert es natürlich doch. Also sage ich 100-mal am Tag dezidiert „Nein, LadyGaga, das darfst Du nicht.“ Innerlich nickt sie bestimmt, äusserlich grinst sie mich aber nur an. Wenn ihr etwas nicht passt, schreit sie ganze Protestmärsche, die mein Trommelfell langsam aber sicher zum Platzen bringen. Also packe ich sie unter den Arm und setze sie in den Buggy. Sie quietscht vergnügt und ist ganz happy mit ihrem Mami, das sie durch die Stadt bugsiert. Wenn sie abends endlich müde und zufrieden im Bett liegt, denke ich mir, wie schön es jezt wäre, eine Zigarette zu rauchen. Dumm nur, habe ich vor fünf Jahren aufgehört. Also haue ich mich wie ein Kartoffelsack vor die Flimmerkiste und glotze erledigt TV. Freier Tag? Ehrlich gesagt, ein Tag im Büro ist weniger anstrengend!

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