Wer tief bohrt

Vor kurzem hat meine Tochter angefangen, in der Nase zu bohren. Und das tut sie nicht, weil es in der Nase juckt. Nein, ich glaube, sie macht es aus Prinzip. Sie grinst mich dabei jeweils an, und je entsetzter ich schaue, umso tiefer bohrt sich ihr rechter Zeigefinger in das Nasenloch. Dabei grinst sie sozusagen von einem Nasenflügel zum anderen. Je mehr ich betone, dass man das nicht tut und das „gruusig“ sei, umso mehr bohrt sie. Also fange ich an, sie dabei zu ignorieren. Aber sie bohrt trotzdem, mit einem durchdringenden Blick, der meine Reaktionen verfolgt. Es nützt alles nichts, sie bohrt in der Nase.

Heute beim Abendessen dann die Premiere. Wir essen selbstgemachte Thunfischbrötchen (Thunfisch, Ei, Mayo, Salatsauce, Peterli, für die Erwachsenen inkl. Zwiebeln), LadyGaga isst mit Hingabe und Begeisterung. Als ich sie frage, wie sie es findet, klatscht sie in die Hände, und ich verbeuge mich dankend vor ihr. Und dann: Ihre Patschhändchen wandern Richtung Haare. „Nein!“, rufe ich entgeistert. „Nicht mit den Thunfischhänden durch die Haare fahren. Das stinkt!“

Als sie meine unvermittelte Reaktion bemerkt, geht ihre Hand mit allen fünf Fingern ganz langsam zum Haaransatz, wobei sie mich genau beobachtet. „Neeeeeeein, LadyGaga, auch da haben Deine Hände nichts verloren.“ Ihr Händchen wandert und wandert. Bis sie mit dem Finger beim – Ohr landet. Und plötzlich steckt sie ihren Zeigefinger in die Ohrmuschel. Und ich kann mich nicht mehr halten und pruste los. Alle drei lachen wir und gigelen, LadyGaga, M. und ich. „Nein“, rufe ich nochmals und versuche, dabei streng auszusehen. Aber ich gluckse, denn LadyGaga zieht eine Riesenshow ab. Bei jedem „Nein“ gigelt sie und steckt theatralisch den Zeigefinger ins Ohr. Geschafft. Endlich nicht mehr in die Nase.

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