Von Fischen und Röseliköhl

Gewohnheiten ändern sich, das hat wohl jeder in seinem Leben schon erfahren. Ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich Lebensmittel gibt, die man als Kind toll fand – und heute einfach nur noch grauslig. Kutteln gehören dazu. Und Fischstäbchen.

Als pflichtbewusste Mutter will man seinem Kind ja nichts vorenthalten; ich habe sogar schon Röseliköhl für die Kleine gekocht, obwohl ich heute noch keine einzige grüne Kugel runterwürgen geschweige denn kauen kann. Also gab es heute als neues Experiment Fischstäbli. Fisch ist schliesslich gesund, Omega-3-Fettsäuren und so. Ich machte ein riesen Tamtam, kochte frische Bio-Salzhärdopfeli und Bio-Broccoli, dazu die Nicht-Bio-Fischstäbli. Ich stellte LadyGaga den gelb-grünen Teller hin, die Fischstäbli brutzelten noch in der Pfanne. Keine Begeisterung, dezentes Knabbern an einer Kartoffel, Desinteresse. Fragender Blick: „War das alles?“

Es folgen die Fischstäbli. Ich lege ihr eines auf den Teller, zerteile es und gebe kleine Tupfer Mayonnaise dazu. Wieder Premiere! Mayonnaise hatte sie noch nie. Also tunkt sie ihr Fingerchen hinein, lutscht daran und ist zufrieden. Dann wagt sie sich an den Fisch. Zuerst spuckt sie ihn aus, dann probiert sie es nochmals, und nochmals. Und nochmals. Vier Fischstäbchen finden den Weg in ihren Magen. Dazu noch eine halbe Limette, die sie aussaugt (!). Und plötzlich klatscht sie begeistert in die Hände. Fischstäbchentest bestanden.

Ich hingegen sitze vor meinem Teller, begutachte misstrauisch den Inhalt und krieg nicht einmal ein ganzes Fischstäbli runter. Es schüttelt mich regelrecht durch und ich denke an Rosenkohl. Stellt sich die Frage, wer hier das Kind ist.

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