Aire de Bursin

Mit den Autobahnraststätten ist das so eine Sache, und mit Kleinkind noch viel mehr. Wir sind also diesen Donnerstag unterwegs nach Südfrankreich zu meinen Eltern. Es ist nicht LadyGagas erste lange Fahrt, aber vielleicht die erste im vollen Bewusstsein, dass sie jetzt sitzen muss und dass das ganz schön langweilig sein kann. Also fahren wir um 5 Uhr morgens los, damit sie die erste Etappe schlafen kann. Klappt sehr gut. Um 7 Uhr dann die erste Pause kurz vor Genf – wir frühstücken, LadyGaga spielt noch kurz auf dem Spielplatz. Alles wunderbar. Dann, nach Genf, die Katastrophe. LadyGaga wird immer unruhiger, reklamiert, lamentiert, heult. Wir einigen uns schnell, dass wir nicht die Zwei-Stunden-Marke abwarten, sondern schon nach anderthalb Stunden wieder Pause machen.

Da es nur darum geht, LadyGaga schnell an die frische Luft zu lassen, fahren wir beim nächsten „Aire“ raus. Es ist das „Aire de Bursin“, ein kleiner Rastplatz vor Grenoble, wo wir auch früher schon halt gemacht haben. Ich seufze, denn ich kenne den Ort nur zu gut. Es hat nur Plumpsklos und kein WC-Papier. Beim letzten Mal war mir das frische Päckchen Taschentücher komplett in das Loch gefallen. Ich habe natürlich nicht versucht, es wieder rauszufischen. Ein anderes Mal habe ich mir nasse Füsse geholt, weil die Spülung beim Plumpsklo unerwartet losging. Also wieder Bursin, dem Kind zu liebe. Wir steigen aus, M. kümmert sich um LadyGaga, denn ich merke gleich, dass ich selbst dringend aufs Klo muss. M. gibt mir seine Taschentücher mit.

Mutig mache ich mich auf den Weg zum Plumpsklo, öffne die Tür der stinkigen sanitären Anlage und kremple die Hosenbeine hoch, falls die Spülung wieder loslegt. Dann drehe ich meinen Hintern zur Wand, ziehe die Hosen herunter und fixiere das Loch unter mir. Entspannen entspannen entspannen. Ich versuche, meine Blase zu relaxen. Es gelingt dank jahrelanger Übung. Es läuft. Es läuft nur nicht da, wo es sollte. Ich merke, wie mein Oberschenkel warm wird. Ich fluche. Verdammt, Ziel verpasst. Ich halte ein, konzentriere mich wieder. Entspannen entspannen entspannen. Aber irgendwie ist meine Blase wohl zu entspannt, denn der Urin rinnt wieder das Hosenbein entlang und ich fluche wie ein Rohrspatz. Nach über 30 Jahren auf dieser Erde kann ich immer noch nicht aufs Klo. a

Als ich die Hose wieder hochziehe, sehe ich das Ausmass meines Malheurs. Meine komplette linke Hosenseite ist klitschnass. Ich ekle mich vor Bursin und vor mir selber.

Zum Glück habe ich eine Reservehose im Auto bereit und will also mit vollgepisster Hose zum Parkplatz zurück. Da versperrt mir M. den Weg. „LadyGaga ist komplett nass, die Windel hat nicht dicht gehalten, wir müssen ihr die Kleider komplett wechseln. Hast Du Reservekleider für sie bereit?“ Super, dabei war sie nicht einmal auf dem Plumpsklo. Wie die Mutter, so die Tochter. Kann man volle Hosen vererben?

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