Stadtleben

Früher habe ich mich immer genervt, wenn ich um 18 Uhr im überfüllten Tram die ganzen Horden von älteren Menschen gesehen habe. Warum müssen die nur ausgerechnet dann unterwegs sein, wenn ich hundemüde von der Arbeit nachhause komme, noch schnell für Kind und Mann einkaufen muss? Warum sind immer am Samstag Betagte im Einkaufscenter anzutreffen? Wenn ich nicht mehr arbeiten müsste, würde ich unter der Woche am Morgen einkaufen gehen, das geht eh viel ringer.

Dann aber habe ich irgendwo in einer Kolumne gelesen, dass die alten Leute genau aus diesem Grund am Samstag im Laden anzutreffen sind: weil wir dann da sind. Sie wollen dort sein, wo wir Jungen sind, weil dort das Leben ist: Hey, und das stimmt, bei mir ist das Leben, ich bin immer mit Kind ausgestattet, und die Kleine quiekt und strahlt, winkt und gurrt ohne Unterlass. Seit ich verstehe, dass die ältere Generation absichtlich dann in der Stadt anzutreffen ist, wenn ich eigentlich genervt und müde bin und nur noch meine Ruhe haben will, kann ich damit umgehen. Heute hatte ich frei und war nicht genervt, sondern mit LadyGaga wieder in der Stadt. Und wie wir so spazieren, einkaufen, lachen und blödeln, sacken wir mehrere Komplimente ein. Wir? Ich meine natürlich sie. „Jö, isch die härzig“, „Sie händ denn es härzigs Chind“ „Das isch aber ganz es Süessi“ höre ich alle 100 Meter. Mein Mutterherz platzt vor Stolz. Zum Glück hat es so viele Leute auf der Strasse.

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