Auf dem Spielplatz

Ich lese Bücher, um mein Berufstätiges-Mami-schlechtes-Gewissen zu beruhigen. So konnte ich jüngst lesen: „Es gibt sie tatsächlich. Die jungen Mütter, die so perfekt sind, als hätte man sie im Otto-Katalog bestellt. Sie sind nicht berufstätig und haben jede Menge Zeit. Neben ihnen kommst Du Dir echt schäbig vor. Zum Beispiel neulich im Park. Ihr sitzt nebeneinander auf der Bank im Park und guckt euren beiden Kindern beim Spielen zu. Sie hat dabei: Sonnenmilch für Kinder, Sonnenmilch für Erwachsene, Sonnenschirm für den Kinderwagen, eine Babymütze mit extrabreiter Krempe, Sandspielzeug, Matschhose, Regencover für den Kinderwagen, Gummistiefel, eine Tupperdose mit Apfelschnitzen, eine mit Dinkelstangen, eine leere Tupperdose, in der sie später den Schnuller verstauen wird, zwei Sätze Wechselklamotten, dazu Windeln, Feuchttücher und Wickelunterlage, eine Flasche Trinkwasser…“ usw. (zitiert aus: Dowideit A: Mein Job, mein Baby, mein Chef, mein Mann und ich. Orell Füssli Verlag 2011). In dem beschriebenen Beispiel will dann das eigene Kind permanent etwas zu essen haben, worauf die Spielplatzkonkurrentinnen-Mutter mit mild-süffisantem Blick das gewünschte Knäckebrot aus ihrer Monster-Wickeltasche hervorzaubert.

Dabei musste ich feststellen: Dieses nervende Über-Mami bin ja ich! Ich gehe immer mit Trinken, Essen, Ersatzkleidern, Feuchttüchern, Sonnencrème, Schirm aus dem Haus, wenn ich mit LadyGaga unterwegs bin. Vor allem das Essen ist elementar. Merke: Nie ein hungriges Kind dabei haben, das geht echt gar nicht!

Heute auf dem Spielplatz eine fröhliche LadyGaga, die auf der Rutsche und auf der Schaukel hin und her wirbelt und über beide Backen strahlt. Nach einer Weile ist sie ausser Atem und ich nehme sie zu mir zum „cooling-down“. Ich biete ihr zu trinken an (Wasser) und eine grosse Reiswaffel. Sie knabbert, was das Zeug hält. Neben ihr steht ein dreijähriger Junge bei uns, dessen Eltern auf der Parkbank sitzen (er raucht, sie schweigt und hat eine Sonnenbrille auf) und sich offensichtlich nicht um ihn scheren. Sie: eine mittelalte Thailänderin, er: ein alter fetter Schweizer Sack. Sorry, aber das lässt sich nicht beschönigen. Der Junge hängt also an uns wie eine Klette, verwickelt uns fortlaufend in Gespräche. Und beim Anblick von LadyGagas Reiswaffel sieht er rot. Er bettelt um Essen bei uns, weil schliesslich LadyGaga auch isst. Ich gebe ihm eher widerwillig einen Zwieback und erwarte eigentlich eine Ermahnung der Eltern. Nada, nix. Als er mit dem Zwieback fertig ist, greift er nach meiner Tasche und will noch mehr Essen rausholen. Ich greife alarmiert ein, gebe ihm noch einen Zwieback und sage bestimmt, dass ich nicht mehr Essen dabei habe. Dann überprüfe ich beiläufig den Inhalt der Tasche (Portemonnaie?!). Die Eltern? Nada. Wie kann man ohne Essen auf den Spielplatz gehen und dann ohne ein Wort des Dankes zur Kenntnis nehmen, das fremde Eltern das eigene Kind durchfüttern? Ich bin wohl doch eine arrogante Über-Mutter, die alles besser zu wissen meint, auch wenn ich unter der Woche die meiste Zeit im Büro bin. Ich kann dieses Schmarotzer-Verhalten einfach nicht nachvollziehen. Ob ich heute auch mild-süffisant geblickt habe?

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