Grizzlys wie wir

Wieder drei Tage und zwei Nächte mit LadyGaga im Spital verbracht. Diesmal habe ich in dieser Zeit nicht geduscht – ich hatte einfach keine Zeit. Heute nun endlich der Weg aus dem Spitalareal heraus, hinein in die Stadt. Bei jeder Bewegung habe ich das Gefühl, dass eine Fahne von mir ausgeht. Duftnote kann man das nicht mehr nennen. Aber bei einem Mami steht das Kind immer an erster Stelle. Da war keine Zeit. Echt nicht. Jedenfalls laufe ich also so durch die Stadt und entschliesse mich, mich und LadyGaga und auch meinen Mann für die Strapazen zu belohnen. Also darf LadyGaga auf eine Hup-hup-Eisenbahn vor dem Coop, und mir selbst möchte ich etwas kaufen, für das ich sonst nie Geld ausgeben würde. „Ein Abricot-farbener Lipgloss“ schiesst es mir spontan durch den Kopf. Ich gehe mit quietschendem Kinderwagen durch die Beautyreihen der Manor, sehe bei Chanel den gemeinten Lippenstift und probiere ihn aus. Dabei muss ich in den Spiegel sehen und denke nur „Au weia!“ Was ich sehe, gefällt mir gar nicht. Eingefallene Augen, müder faltiger Blick, fettige Haare, blasse Haut. Immerhin, der Lipgloss peppt das Ganze auf. Ich flaniere weiter und sehe dann bei Estée Lauder, meiner Hausmarke, eine Aktion: 6 Lipgloss-Stifte in verschiedenen schimmernden Farben und ein schickes Etui. Ich schlage zu. Die Verkäuferin freut sich und will mir noch ein Müsterli mitgeben. Sie hat bereits eine Make-up-Tube in der Hand, dann stockt sie, greift nochmals in ihre Kiste und übergibt mir dann mit einem strahlenden Lächeln stattdessen ein Parfüm-Muster: „Ich gebe Ihnen hier noch eine besondere Duftnote mit“. Betreten verlasse ich den Laden. Ich muss echt stinken wie ein Grizzly.

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