Mami-Jobdescription

Habe gerade ein Klatschheft gelesen, in dem Boris Becker mit seinem jüngsten Spross abgebildet war. Ja, ich bin bekennende Klatschheftlileserin. Und nein, ich bin kein Boris-Fan. Eher das Gegenteil. Die beiden waren also irgendwo am Strand in irgendwelchen Ferien, die sie wieder einmal gemacht haben. Boris’ Shorts waren ganz dunkelnass und ich stutzte. Hatte er seinen Latte Macchiato verschüttet? Zu viel Meerwasser abbekommen? Dann las ich die Bildunterschrift: «Ups, das ging aber gewaltig AUF die Hose.» Im Familienurlaub auf Formentera war es, da hat Amadeus seinem Papi nach einer Schlauchbootfahrt auf die Hose gekotzt. Richtig so. Boris‘ Mundwinkel sind verzerrt, er versteckt seinen Schock und wohl auch seinen Ekel hinter einer dicken Sonnenbrille. Die Lillifee eilt auf dem nächsten Paparazzo-Bild sogleich herbei, eieiei.

Und ich? Nie werde ich vergessen, als LadyGaga mit circa anderthalb Jahren abends nicht schlafen konnte, sie war unruhig, irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Sie wollte nicht im Bett liegen. Ich nahm sie zu mir aufs Sofa, tröstete sie, wiegte sie in meinen Armen, damit sie entspannen konnte. Und plötzlich erbrach sie sich auf mir. Immer mehr Pampe kam aus ihrem Mund geschossen. Ich hielt sie perplex aber ruhig in meinen Armen, tröstete sie, erduldete stoisch meine Mülleimerfunktion, denn dafür sind Mütter ja da. Ich wartete, bis der erste Anfall vorbei war, bevor ich zusammen mit der weinenden LadyGaga aufstand, um mit ihr ins Bad zu gehen. Das Sofa war voll, ich war voll. Aber das war alles ganz egal. Wichtig war nun nur, dass LadyGaga keine Angst hatte und wir bei ihr waren, um ihr zu helfen. Mein Mann übernahm die Kleine und ich untersuchte das Gekotzte auf Konsistenz und Inhalt. Ekel wird in diesem Moment sprichwörtlich einfach heruntergeschluckt. Sorry, aber so ist es, auch wenn das in keiner Mami-Jobdescription zu finden ist.

Das macht mich nachdenklich. Wir Mütter denken immer zuerst an unsere Kinder, nicht an unsere Hose, unsere Gesundheit. Geschweige denn an uns selbst. Wir müssen immer weiter funktionieren. Und was haben wir davon?  Wenn es uns nicht mehr gäbe, vermissten unsere Kinder zuallererst die Putzfrau in uns: «Das wäre ja schon noch dumm, wenn Du nicht mehr da wärst. Wer macht denn dann die Wäsche und kocht und putzt und so?» (jüngst schmunzelnd von einer betroffenen Mutter erzählt bekommen).

Deshalb schwöre ich hiermit feierlich: Wenn ich das nächste Mal einen meiner vielen vielen, wirklich vielen Familienurlaube auf Formentera mit Lillifee und Mozart mache, lasse ich mich nicht mehr von meinem Kind ankotzen. Das soll gefälligst selbst nachschauen, was es da wieder ver-brochen hat. Da geh ich lieber Tennis spielen.

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