Busunglück

Der Titanic gleich schränzte sie mit ihrem Auto knirschend dem fahrenden Bus entlang. Der Busfahrer schaute sie geschockt an. 50 Augenpaare blickten entgeistert durch die Busfenster auf sie hinab. Das Auto schob sich von vorne links immer weiter in den Bus, der eigentlich nur geradeaus fahren wollte.

Wo kommt der Bus plötzlich her und warum ist er so gross? Wieso kommt er immer näher? Wo ist die Bremse? Wieso halte ich nicht? Es tut überhaupt nicht weh. Bin ich alleine im Auto? So fühlt es sich also an, wenn man mit seinem Auto in ein anderes fährt. Wie merkwürdig. Ich spüre gar nichts, sehe keinen Film meines Lebens vor mir ablaufen. Ich denke nur: seltsam, alles ist in Zeitlupe und ich kann trotzdem nicht schnell genug reagieren.

Ein dumpfer Aufprall, den sie nicht hörte, nur sah. Einem Akkordeon gleich spürte sie den Zusammenstoss zuerst an der Stossstange, dann auf der Kühlerhaube. Erst später gelangte er bis an ihre Knie und in ihre Brust. Ganz am Ende kam er in ihrem Kopf an.

Wie konnte das passieren?! Ruhig atmen, ruhig atmen. Der Aufprall ist vorbei und ich atme noch. Scheisse, wo ist die Handbremse? Wie zieht man sie schon wieder an? Habe ich das Auto schon abgestellt? Was muss ich denn jetzt tun? Ich muss jetzt aussteigen und mich entschuldigen. Reiss Dich zusammen. Jetzt hassen mich bestimmt alle. Scheisse, das wird teuer, mein Mann bringt mich um.

Sie stieg zitternd aus dem Wagen aus und ging auf die Bustür zu. Johlend sprudelten ihr Jugendliche entgegen, die im Bus gesessen hatten. Eifrig wurden Handyfotos vom Unfallort gemacht. Sie würde am liebsten im Erdboden versinken. Der Buschauffeur fragte nach, ob bei ihr alles in Ordnung sei. Erst da realisierte sie, dass sie jemanden hätte verletzen können. Sie zitterte, das Adrenalin pumpte. Der Moment der Unachtsamkeit hätte grosse Konsequenzen haben können. So aber waren es nur ein zerknautschter Bus und ein aufgeschlitzter und eingedrückter BMW („Beat my wife“?).

 

Mein Mann ist froh, dass mir nichts weiter passiert ist und nur das Auto einen Schaden hat. Das Ganze relativiert doch gleich seinen Wutausbruch, als ich vor ein paar Monaten beim Ausparkieren einen Kratzer in den Kotflügel gemacht hatte… Mein Schutzengel hat ganze Arbeit geleistet heute.


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