Kind krank – arbeitslos

Was ich bisher verschwiegen habe: Als LadyGaga hospitalisiert wurde, tat sich zum ersten Mal der Graben zwischen Business Mama und Mama on the rocks vor mir auf. Ich konnte mit zwei kleinen Unterbrüchen fast drei Wochen nicht arbeiten gehen, weil ich mit meiner Kleinen im Spital war, ihr die Hand hielt, sie tröstete, über sie wachte. Innerlich zerriss es mich, nicht nur aus Angst und Sorge, sondern auch, weil ich meinen Job liebte. Ich konnte die Geschehnisse im Büro nur noch aus der Ferne leiten und war völlig aus der Bahn geworfen.

Wenn LadyGaga schlief, schrieb ich nachts erschöpft bis um 1 Uhr E-Mails auf meinem Labtop. Tagsüber telefonierte ich vom Balkon aus, um meine Mitarbeiter zu instruieren und mit Kunden zu verhandeln. Stritt mich mit meinem Chef, weil er es unverantwortlich fand, in der «heissen Phase» nicht im Büro zu sein. Mein schlechtes Gewissen zermürbte mich. Mein doppelt schlechtes Gewissen. War ich eine so schlechte Mutter, dass ich selbst im Spital noch über das Geschehen im Büro nachdachte? War ich eine so schlechte Chefin, dass ich im Spital war, anstatt schnell für ein paar Stunden ins Büro zu fahren?

Ich fühlte mich aber vor allem als Rabenmutter, weil ich überhaupt einen Gedanken ans Geschäft verschwendete. LadyGaga hatte Vorrang, ohne Zweifel. Aber zum ersten Mal zermürbte mich die Doppelbelastung Mutter – Chefin.

Wir kamen an einem Donnerstag aus dem Spital. Der Freitag war jeweils mein freier Arbeitstag. Ich ging trotzdem hin, um das Versäumte aufzuholen. So loyal war ich. Am Montag darauf gab es eine grosse interne Informationsveranstaltung. Mir wurde gekündigt.

Nicht wegen meines Fehlens der vergangenen drei Wochen, nein nein, das wäre illegal. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen.

Vor kurzem hatte ich eine Diskussion mit anderen Führungspersonen aus meiner Branche. Die Debatte: Frauen zwischen 30 und 40 mit Kind haben es verdammt schwer, einen Job zu finden, weil sich kein Arbeitgeber den Ausfall leisten kann, wenn das Kind krank ist oder die Mutter gar wieder schwanger wird. Es muss doch auch in der Schweiz möglich sein, in Teilzeit eine Führungsposition inne zu haben und vom Arbeitgeber darin unterstützt zu werden, Karriere zu machen, nicht TROTZ Kind, sondern gerade WEIL wir Mütter sind und etwas auf dem Kasten haben. Wir haben viel zu bieten, sind Topmanagerinnen unseres Haushalts und unserer Familie. Ohne unsere Loyalität, unsere Hingabe, unser Einfühlungsvermögen und unseren Durchbeisswillen würde kein Kind überleben. Und genau das braucht doch die Wirtschaft. Daran glaube ich und dafür setze ich mich ein. Ach, und mit Quengeln kennen wir uns auch bestens aus. Für manche Chefs eben zu gut. 
 
Was ist Eure Meinung? Kann und darf eine Mutter eine gute Chefin sein? 

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

One thought on “Kind krank – arbeitslos

  1. Unglaublich!

    Es macht mich immer wieder fassungslos wie ignorant und vor allem steinzeitlich/vorsintflutlich Industrie und Wirtschaft sind!

    Unverständlich das ich den Arbeitnehmer in einen Spagat zw.Arbeit und Familie zwinge.
    Loyalität wird dadurch nur erzwungen.Grausig!

    Ich glaube eh aus ganzem Herzen,dass Mütter die besten Chefs sind!

    Wärmste Grüße

    Lilli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.