H&M-Orgie

Ich hetze verschwitzt durch die Bahnhofstrasse in Zürich, die Hände voller Taschen, die Taschen voller H&M-Kleider; für LadyGaga. Sie, kennen Sie das? Egal zu welcher Tageszeit man für Kinderkleider in den H&M; geht, der Laden ist immer zum Bersten voll, als wäre morgen Weltuntergang und man müsse noch schnell genau diesen Pulli, diese Hose, dieses Shirt regelrecht aus den Händen einer anderen Mutter zerren.

Ich stampfe also voll beladen durch die Bahnhofstrasse und gehe in Gedanken meine virtuelle Einkaufsliste durch. Bestimmt runzle ich die Stirn. Habe ich auch nichts vergessen? Da drückt mir ein junges Mädchen einen Flyer in die Hand. Reflexartig nehme ich den Wisch entgegen. Beim Gehen schiele ich auf den Zettel und mache fast einen Gump.

Sie, echt jetzt! Auf dem Flyer steht: «Für alle unter 25 Jahren. Profitiere von 10% Young-Rabatt…. Nimm Deinen Ausweis mit, damit wir Dein Alter überprüfen können.» Es geht um eine Kundenkarte bei einer Parfümkette.
Sehe ich echt so jung aus? Hat die junge Dame meine Augenringe nicht gesehen, die vom vielen Aufstehen mitten in der Nacht zeugen? Sieht sie meine weissen (nicht grauen!) Haare nicht, die ich habe, seit ich Mutter bin? Wie steht es mit den ungepflegten Strähnen? Gehen die als Rasta-Locken durch, macht mich das jünger? Wann bin ich eigentlich das letzte Mal geduzt worden? Ewigkeiten her. Ist es mein hetzender Gang, der mich so jung und frisch wirken lässt? Nein, es muss der glasige Blick sein, der mich wieder zum Tweenie macht. Yesss! Aber ich bin weder bekifft noch betrunken. Einfach nur gerädert vom H&M-Exzessiv-Shopping; zusammen mit 99 anderen potenziellen Kampfmüttern. Aber die letzten Meter bis zum Zug tanze ich beschwingt durch den Bahnhof. Ich und 25. Wo gibt’s denn so was.

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