Zalando für Kleinkinder

Mein Kind lebt antizyklisch: Wenn ich schlafen will, hüpft LadyGaga wie ein Gummiball in der Gegend herum. Das ist meistens um 3.17 Uhr oder 4.22 Uhr oder 5.49 Uhr (sehr beliebt) der Fall. Sie ist so fit, dass man neidisch werden könnte ob ihrer Unverbrauchtheit und Frische. Aber wenn mein Mann und ich gutgelaunt und voller Tatendrang mit ihr raus wollen an die frische Luft, Spazieren im Wald, Herumtollen im Garten, kriegen wir sie nicht wach von ihrem Schönheitsschlaf. Dann grummelt sie und faucht uns an wie ein Tiger, heult empörte Tränen der Entrüstung und schreit nach Gerechtigkeit. Je fitter wir sind, umso müder ist sie. Je aufgeriebener sie aber ist, desto erledigter fühlen wir uns. Was für ein biologisches Gesetz ist das bitte?!
 
Es ist das Exorzismus-Prinzip.
Zwei Beispiele:

ICH-BIN-FIT-UND-WILL-JETZT-UNBEDINGT-ETWAS-ERLEBEN-SONST-WERDE-ICH-UNAUSSTEHLICH-Modus: Heute waren wir im Kinderzoo Rapperswil. Ein tolles Erlebnis für LadyGaga, sie konnte auf einem Pony reiten, Tiere füttern, Ziegen und Schafe streicheln. Sie war so aufgedreht, dass sie auf dem Nachhauseweg das ganze Zugabteil mit ihren Showeinlagen unterhielt (schon mal in der Rush Hour vom Sitz nebenan «Alouette, gentille alouette…» oder «Oh du goldigs Sünneli, due doch wieder schiiene» gehört???). An Schlaf war nicht zu denken. Ich hingegen hielt mich kaum auf den Beinen. Es kam einem Exorzismus gleich, das kleine Nervenbündel ins Bett zu bringen: Geschrei, viel Weinen, stählerne Nerven und der Glaube an das Gute. Um 21 Uhr schlief sie endlich völlig entkräftet und mit verdrehten Augen ein. Das Bild des Exorzismus passt also. Und ich meine nicht die bescheuerte Zalando-Werbung.

LASS-MICH-IN-RUHE-ICH-BIN-MÜDE-UND-UNAUSSTEHLICH-Modus: Am Samstag war zum ersten Mal eine Babysitterin für eine Stunde bei uns. Wir hatten abgemacht, dass sie um 14.30 Uhr zu uns kommt, um LadyGaga kennenzulernen. Ich versuchte, die Kleine aus ihrem Mittagsschlaf zu wecken – ich hätte mit einem Megaphon neben ihr stehen können, sie hätte mich nicht gehört. Ich liess das Reizwort par excellence fallen (ähnlich wie «Spazieren» beim Hund meiner Eltern): «LadyGaga, hier ist jemand, der mit Dir SPIELEN will.» Sie drehte sich im Bett demonstrativ zur Seite, um weiter zu schlafen. Ich musste sie quasi mit der Brechstange von der Matratze lösen. Aber nur zehn Minuten später quietschte sie mit zerzaustem Haar mit der Babysitterin herum und war so Energie-geladen, dass sie wieder in den ICH-BIN-FIT-UND-WILL-JETZT-UNBEDINGT-ETWAS-ERLEBEN-SONST-WERDE-ICH-UNAUSSTEHLICH-Modus fiel, der so ausartete: Nachdem die Babysitterin gegangen war, fragte mich LadyGaga alle fünf Minuten: «Und was machen wir jeeeeeeeetzt?», bis ich vom Tagesprogramm immer müder und müder wurde. Am Ende wieder: Geschrei, viel Weinen, stählerne Nerven und der Glaube an das Gute. Dabei schlief LadyGaga schon längst.

Somit gilt also das Exorzismus-Prinzip: Am Ende des Tages schreit einer.

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