Erfolgreich durch die Trotzphase

Ich lese gerade ein ausgezeichnetes Buch über Trotzphasen bei Kleinkindern: «Das glücklichste Kleinkind der Welt» von Dr. Harvey Karp. Darin beschreibt er unter anderem die so genannte Fastfood-Regel: Wenn man in einem Drive-in-Restaurant bestellt, wird die Bestellung über Lautsprecher wiederholt, um sicher zu gehen, dass alles richtig verstanden wurde. Die Restaurantmitarbeiterin sagt nicht: «Was ist los, zu faul zum Kochen?» oder «Sie sollten zwei Hamburger nehmen, Sie sehen hungrig aus». Sie will sicher gehen, dass sie die Bestellung richtig aufgenommen hat.
Ähnlich sollten wir mit unserem Kind reden. Wenn es wütend ist und trotzt, hilft es nichts, es auszulachen oder nicht ernst zu nehmen oder zu bestrafen. Wer aufgebracht ist, sollte seine Gefühle zum Ausdruck bringen dürfen. Der Gesprächspartner hört aufmerksam zu und wiederholt dann das, was der andere zum Ausdruck gebracht hat, ist also sein Spiegel. Das funktioniert tatsächlich zur Deeskalation, auch bei Erwachsenen.

In der Realität sieht das dann so aus: LadyGaga möchte etwas von mir, das ich ihr nicht geben kann/will. Sie schreit und tobt. Ich lasse sie schreien, bestätige sie und erkläre ihr dann ihre Gefühle. Klingt nach «Gspürsch-mi-Methode» (und ich hasse dieses emotionale Hippie-Getue!), aber es hat dazu geführt, dass LadyGaga ihre Gefühle benennen kann und sich schneller beruhigt, was wiederum meine Nerven schont. Ich: «Ich weiss, Du bist wütend, weil…» oder «Du bist jetzt beleidigt, weil…» oder «Ich verstehe, dass Du jetzt traurig bist».

Der Erfolg zeichnet sich ab: Jüngst hat mich LadyGaga um 4.30 Uhr morgens aus dem Bett geholt. Sie wollte mit mir zusammen im Gästebett weiter schlafen, weil sie alleine Angst hatte in ihrem Zimmer. Hätte ja nicht zugestimmt und sie wieder in ihr Bett geschickt, aber in meinem Schlafzimmer schnarchte es, also war das Gästezimmer durchaus eine attraktive Option.
Da lagen wir also im Gästebett. Aber an Schlaf war nicht zu denken, weil LadyGaga quasselte und quasselte und mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen versuchte. Ich war völlig übermüdet und sagte ihr, sie solle jetzt bitte endlich schlafen.

Stille.

LadyGaga sniefte und sagte schmollend: «Ich bin beleidigt.» Innerlich musste ich lachen, weil das so niedlich klang. Ich grummelte: «Was glaubst Du, wie beleidigt ICH erst bin, du lässt mich nicht schlafen!»

Und von da an war tatsächlich Stille im Hause Gaga. Naja, bis auf das Schnarchen im Ehebett.

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