Über den Tod II

Leider ist die Grossmutter meines Mannes am Wochenende gestorben. Wir standen vor der schwierigen Aufgabe, das LadyGaga zu sagen, wo sie doch gerade so mit dem Thema Tod und Abschied hadert. Am Sonntag Morgen beim Frühstück sagte ich also: „Du, LadyGaga, wir müssen noch etwas mit Dir besprechen. Der Papi ist zurzeit traurig, weil…“
LadyGagas Gesicht verlor an Farbe. Ihre Unterlippe bebte und sie blickte uns zaghaft an.
Schnell ergänzte ich, um ihrem Martyrium ein Ende zu setzen: „weisst Du, das Urgromi ist leider … gestorben.“
Sie riss die Augen auf. „gestorben?“, flüsterte sie mit rauer Stimme. Dann ging sie mit glasigen Augen ihren traurigen Papi knuddeln.
Seither hat sie nicht mehr nachgefragt. Aber ich fürchte mich ein wenig vor der Beerdigung nächste Woche. LadyGaga scheint mir viel zu empathisch für ihr Alter, ich weiss nicht, wie sie das verkraften wird. Und doch möchte ich nichts verheimlichen, sie soll sich damit auseinandersetzen können und dabei unseren Rückhalt spüren. Ich erinnere mich aber an meine eigene Kindheit, den Tod meiner beiden Grossväter als ich 5 war. Mich ließ das damals unberührt. In meinem kindlichen Pragmatismus waren sie jetzt halt einfach im Himmel und nicht mehr bei uns, So als würde man die Wohnung wechseln.
Wieso weiss LadyGaga, dass das gefühlsmässig für die Zurückbleibenden nicht so einfach ist? Ich staune. Und bin ein wenig hilflos.

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