Knusper knusper knäuschen

Wir waren heute zum Sonntagessen wieder einmal in unserem Lieblings-Sterne-Restaurant bei uns im Dorf. LadyGaga hat sich mustergültig benommen (wirklich!) und fragte nur mehrfach relativ leise nach, weil am Nebentisch ein älterer Mann im Rollstuhl sass, der nur unartikuliert sprechen konnte. «Ich verstoh dä Maa eifach nid», schüttelte die den Kopf. Ich erklärte ihr, dass er krank sei und man nicht mit dem Finger auf Leute zeige und dass halt nicht alle so gesund sind wie wir drei. Es folgten Fragen mit gerunzelter Stirn, ob wir auch in den Himmel kommen. «Warum willst Du das wissen?», lenkte ich ab. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es nicht gut ist, diese Frage zu bejahen oder zu verniedlichen – das Eis ist einfach zu dünn.

Jedenfalls lief alles glatt, wir genossen unser Hirsch-Entrecôte bzw. unser Wildgeschnetzeltes bzw. unsere Hörnli mit Ghacktem und Öpfelmues (nein, das ist nichts Versautes, sondern eine Schweizer Spezialität: Nudeln mit Hackfleisch und Apfelmus). An einem anderen Nebentisch sass ein älterer Herr mit seiner noch älteren Mutter, einer Frau, die wie eine Roma oder aber eine italienische Casalingha mit Putzfrauen-Kopftuch und langen wallenden bunten Kleidern bekleidet war. LadyGaga beachtete sie nicht weiter. Als die Tischnachbarn aber bezahlten und hinausgehen wollten, grüsste ich die Frau, die uns vorher beobachtet hatte. Die Frau blieb vor uns stehen und sagte dann mit brüchiger Stimme: «Sie haben da eine sehr gut erzogene Tochter. Sie hört ja wirklich auf alles, was Sie sagen. So ein braves Kind.» Ich bedankte mich stolz bei der Frau für ihr nettes Kompliment, während LadyGaga keine Miene verzog. Sie blieb still, und ich erklärte ihr, was die Frau gesagt hatte. LadyGaga bedankte sich reserviert und lächelte zaghaft. Die Frau nickte freundlich und drehte sich um. Kaum war sie weg, fragte LadyGaga flüsternd: «Isch das e liebi Fraui gsi?» Ich verstand die Frage sofort und war froh, dass sie mich erst jetzt fragte und nicht vorher damit herausgeplatzt war: Im Nachhinein betrachtet muss ich nämlich sagen, dass die fremde Frau echt wie die Hexe aus Hänsel und Gretel aussah. Offenbar ist LadyGaga wirklich gut erzogen – zumindest für einen Aufenthalt im Edelrestaurant reicht es. Ich selbst habe übrigens mit ca. 8 Jahren mal einen Geschäftspartner meines Vaters gefragt: «Warum stotterisch Du eso?» I hope LadyGaga wird auch in Zukunft nie jemanden fragen: «Bisch Du en ächti Häx?» 

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