Kindliche Magie auf Abwegen

LadyGaga ist jetzt vier Jahre und vier Monate alt. Ein schönes, aber auch anstrengendes Alter. Ein erstaunliches Alter. Weil sie plötzlich Dinge weiss, bei denen ich mir nicht sicher bin, woher sie die Information hat. Sie saugt alles auf wie ein Schwamm, und das ist schön so. Sie lernt jeden Tag so viel Neues und ich mit ihr.

Letzte Woche haben wir zusammen alte Fotos angeschaut, und ich habe mich gefragt, wo bloss die Zeit geblieben ist. Wann ist aus meinem Baby ein junges, interessiertes Mädchen geworden?

Als wir die Fotos vom Santiklaus (Sankt-Nikolaus-Tag, 6.12.13) anschauten und auf dem einen Foto der Nikolaus zu sehen war, der die Krippe besuchte, sagte sie trocken: «Das isch im Fall nid dr ächti Santiklaus.» Ich schaute sie erstaunt (erschüttert?) an. «Wie kommst Du darauf? Wer hat Dir das gesagt?», wollte ich wissen.

«Niemmerts», entgegnete sie nüchtern, aber fröhlich. Ich fragte nochmals nach, wie sie denn darauf komme und sie meinte: «Eifach so. Do isch e Mensch drunter. Dä het sich glaub verkleidet, will är drunter ganz hässlich usgseht.»

Ich war verdattert. Was kann man da noch argumentieren?

Aber sie legte noch einen drauf. Als wir Fotos vom Amerika-Urlaub 2013 anschauten und wir zum Foto kamen, auf dem sie mit Schneewittchen im Disney Land abgebildet war, sagte sie ebenfalls: «Das isch au nume e Mensch und nid s‘Schneewittli.» Ganz trocken, ganz sachlich. Ganz natürlich und real. Bodenständig.

Ich wollte nicht, dass sie den Glauben einfach so verliert: «LadyGaga, wer sagt denn aber, dass Schneewittchen kein Mensch sein kann?» Da stutzte sie und musste überlegen. Sie hatte keine Lösung parat und wir liessen es dabei bewenden.

Ich bin dabei ins Grübeln gekommen. Den Osterhasen akzeptiert sie, da sie ihn nie gesehen hat, und auch das Christkind an Weihnachten wird noch als echt wahrgenommen und existiert irgendwie und irgendwo in LadyGagas Vorstellung. Aber in Figuren, deren Abbild sie real vor sich stehen sieht, sieht sie keine Märchengestalten mehr. Die kindliche Magie wird bei LadyGaga langsam und ohne unseren (zumindest gewollten) Einfluss durch die allgemeingültigen Regeln von Ursache und Wirkung ersetzt. Sie be-greift die Welt.


Ein bisschen wehmütig ist mir schon ums Herz. Andererseits bin ich stolz auf LadyGaga, dass sie von alleine zu verstehen beginnt, was real ist und was nicht. Aber solange ich sie noch ein bisschen in der kindlichen Magiewelt lassen kann, werde ich alles dafür tun, dass sie noch an Prinzessinnen, (an den einen Prinzen…), Magie und Zauberei glaubt. 




Wie war/ist das bei Euren Kindern? Wann hat ihre magische Welt Risse bekommen und wie seid ihr damit umgegangen? Ich bin gespannt auf Eure Stories!

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

2 thoughts on “Kindliche Magie auf Abwegen

  1. Mensch, Séverine! Das clickt man deinen Artikel ohne große Hintergedanken und jetzt sitze ich hier mit einem Tränchen im Augenwinkel. Das hast du wundervoll geschrieben! Und ich erfahre es hier gerade ganz genau so!! Und bin ganz schön erschüttert, betroffen und ungläubig, weil ich immer dachte, die Märchenmagiewelt hält mindestens bis zum Schuleintritt! Fiona sagte letztens ganz vorwurfsvoll, sie wisse jetzt, wie ich es mache, dass ihr Kuscheltiere sprechen und sich bewegen: mit meiner Hand!!! Ich fühlte mich ertappt…andererseits – genau wie du schreibst: toll, dass unsere großen Mädchen die Welt jeden Tag ein Stückchen mehr begreifen! Hach, sie werden so schnell groß…. *jammer* liebste Grüße!

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