Busfahrt des Grauens, Oder: Es wird immer besser

Aus aktuellem Anlass berichte ich über meine Fortschritte in Multitasking und Ommm-Kultur, da wir auf Twitter darüber diskutiert haben, dass der Alltag mit zwei Kindern von Tag zu Tag besser funktionieren wird. Zwei Kinder managen? Ich habe ganze Redaktionen und wichtige Kunden gemanagt, da werde ich das wohl hinkriegen!

Der Beweis.

Ich bin heute um 14.30 Uhr los, um LadyGaga aus der Krippe abzuholen, da sie heute Nachmittag (bereits zum vierten Mal, doch dazu ein andermal) Kinderballett hatte. Bus verpasst, kein Problem. Um 15.10 Uhr bin ich in der Krippe – die GESCHLOSSEN hat. WTF?! Kein Kind und keine Betreuerin weit und breit. Super, die sind auf einem Ausflug, und um 16.15 Uhr beginnt das Ballett am anderen Ende der Stadt. Copperfield wird nervös, fängt an zu nölen. Perfektes Timing. Shit. Nützt alles nichts. Ich rühre das Fläschchen an (zum Glück muss ich jetzt keine Brust auspacken…) und füttere ihn mit einer halben Portion, draussen vor der Krippe stehend. Passanten beobachten mich. Ach nein, das Baby («Jööööö»). LadyGaga und zehn Kinder und Betreuerinnen stehen um 15.25 Uhr vor mir. Schnell Kind einpacken und ab zum Bus. Das Fläschchen habe ich bei Copperfield so im Kinderwagen platziert, dass er selbständig weiter trinken kann, also ohne es halten zu müssen. An der Busstation lässt LadyGaga natürlich trotz Ermahnung ein Tupper mit Heidelbeeren fallen, die ich ihr mitgebracht habe und die nun überall über den Gehsteig kullern. Alles easy. Sie hebt sie wieder auf und wirft sie weg, als ich sie darum bitte. Im Bus halte ich Copperfield im Arm, der immer noch kein Bäuerchen gemacht hat. Heute hat er mich schon zweimal angekotzt, ich befürchte, dass er sich übergibt, sobald er flach liegt. Es wird eng im Bus, ein Rollator samt Greis kommt dazu. Ich lege das Baby in den Wagen, ohne Bäuerchen. LadyGaga fasst Copperfield an die Händchen (so wie im Übrigen die ganze Zeit, Gott das nervt). Ich bin die Ruhe selbst. Sicher. Ommmm. Copperfield fängt an zu reklamieren, seine Windel ist voll, ich rieche es, und er hat noch Hunger. Ein weiterer Kinderwagen kommt dazu. Wir stehen wie die Sardinen. Copperfield nölt. «Ach was soll‘s», denke ich und fange im vollbesetzten Bus an, das Fläschchen stehend vorzubereiten. Ich gebe ihm das Fläschchen und halte es für ihn. LadyGaga hält seine Händchen und redet Singsang mit ihm. Ich höre ihn nicht trinken. Scheisse, er schläft ein. Entweder hat er keinen Hunger mehr oder das Fläschchen ist wieder mal durch einen Pulverklumpen blockiert, der sich nicht durch Schütteln beseitigen lässt. Mehr Pulver habe ich aber nicht dabei, und kalt sollte er die Milch nicht trinken. Keine Panik, ich kann es eh nicht ändern. LadyGaga fragt mich, was Copperfield denn hat. Ich bin ruhig und erkläre ihr, dass er wohl die Windel voll hat. «Wächslisch Du ihm jetzt do im Bus d’Windle?» Ich grinse. «Nein, das mache ich nicht. Da hätten die Leute sicher keine Freude daran.» Stehend schütte ich die angerührte Milch in eine meiner Thermoskannen, damit sie warm bleibt. Ah der Klumpen. Ich schüttle die Kanne, lege alles in eine meiner zig Taschen, die ich für das Baby dabei habe (ich sag nur Auszug aus Ägypten…). Als wir nach 30 Minuten endlich aus dem Bus steigen, bereite ich das Fläschchen abermals vor, platziere es im Kinderwagen. Copperfield trinkt zufrieden. Mission accomplished. Wir laufen zur Ballettschule über Zebrastreifen im dichtesten Feierabendverkehr (Hallo?!?!? 16 Uhr?!?!?) In der Ballettschule angelangt, stürmt LadyGaga aus meinem Blick. Ich schiebe den Kinderwagen samt Baby zur Umkleidekabine. Keine LadyGaga. Die sitzt auf dem Klo und macht ein grosses Geschäft. Done. Ich ziehe LadyGaga um, die Stunde hat gerade begonnen, wir sind zu spät dran. Hoffentlich kotzt Copperfield nicht. LadyGaga rennt ins Unterrichtszimmer, ich bleibe zurück und warte auf das Bäuerchen, das nicht kommt. Ich wickle den Kleinen (bin nicht angepinkelt worden, das geht schon viel besser) und schleiche mich dann in den Kursraum, wo ich mit dem Kleinen auf dem Arm (Chuck Norris lässt grüssen) zusammen mit den anderen Müttern unseren Töchtern zuschaue. Während ich da sitze, denke ich: «Es wird immer besser. Bestimmt.»

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4 thoughts on “Busfahrt des Grauens, Oder: Es wird immer besser

  1. Du hast eine sehr erfrischende Art zu schreiben….. 🙂

    Aber auch sehr witzig, wie unterschiedlich die Meinungen sind… Ich fand das Stillen gerade beim zweiten Kind immens praktisch…. immer dabei, immer in DER Temperatur… nx schütteln, nix zu wenig…. Ich habe in der Öffentlichkeit diskret gestillt. Loopschal sei dank. Meine Brust musste niemand sehen…. 🙂

    Aber ich finde, dass du die Tagessituation ganz wunderbar geregelt hast…. und ja.. es wird besser…. Übung macht den Meister… Nächste Woche sind die Kitakinder da…. und du hast ohne quatschende Nachbarin den Bus eher (der dir ja heute eh nix genutzt hätte ;))

    Alles Gute für euch!

  2. Oh danke vielmals :-)))
    Ich hätte ja gerne gestillt und kann nicht (siehe frühere Posts), deshalb versuche ich jetzt, dem Fläschchen die positiven Seiten abzugewinnen. In der Öffentlichkeit zu stillen, wäre für mich aber nicht in Frage gekommen. Den Loopschal kenne ich aber nicht, klingt gut :-)).

  3. Ja den Beitrag habe ich nach meinem Post gelesen. Und natürlich hat ein Fläschen positive Seiten. Großkind ist nach vier Wochen Flaschenkind geworden. Daher kenne ich die Seite auch…

  4. Sag mal, wie alt ist Copperfield?
    Hast Du nicht eigentlich noch Wochenbett?
    Gut, ich kann total verstehen dass Du Deiner Tochter den B.-Unterricht nicht vorenthalten möchtest, aber muss das jetzt schon sein?
    Und dann noch mit den Öffis? Puh! Respekt!

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