Die Tollabox gibt es jetzt auch in der Schweiz

Ich hasse Basteln, zumindest mit Kindern. Ich mag es nicht, wenn plötzlich Chaos herrscht. Wenn Farbe irgendwo kleben bleibt, am besten noch an mir. Ich mag es nicht, wenn das Resultat nicht perfekt wird. Im Endeffekt mag ich es einfach nicht, die Kontrolle zu verlieren. Shame on me. Aber so ist es nun mal. Ich bin keine Bastel-Mami.
Was ich mag: mit LadyGaga Perlenketten kreieren. Oder mit Knete einen Kuchen «backen», den wir dann gemeinsam anschneiden. Playmais ist auch noch OK. Aber alles, wofür ich den teuren Esszimmertisch abdecken muss, ist mir bei aller Liebe zu meinem Kind suspekt. Denn es ist mit Arbeit verbunden. Und Nerven. Beides schwierig. Und doch: Die Bastelberichte von der lieben Vivi lese ich sehr gerne und denk jedes Mal: Au ja, das probiere ich auch einmal. Mache ich dann aber nicht – weil ich mich kenne. Über Vivi bin ich auf Béa von der Tollabox gestossen. Diese ominöse Box (eigentlich ein Karton) hat bereits eine grosse Anhängerschaft in Deutschland. Dabei kann man eine Bastelbox per Internet bestellen oder sogar ein monatliches Abo lösen. Je nach Jahreszeit oder persönlichen Präferenzen kann man sich ein Bastelthema aussuchen. Das fand ich zwar cool, aber es war ja für den Versand innerhalb von Deutschland konzipiert. Seit ein paar Monaten ist das Angebot nun auch in der Schweiz erhältlich, und zwar via Mirco Fehr (Service@tollabox.ch). Das Tolle: In der Tollabox sind sämtliche Bastelmaterialien bereits vorhanden, ich muss also nichts einkaufen gehen und mühsam zusammensuchen. Man kann direkt loslegen.
Die Idee gefiel mir, und so lag es nahe, die Tollabox (auch als Nichtbastlerin!) für Schweizer Familien zu testen. So wurde mir die Box freundlicherweise von Tollabox zur Verfügung gestellt, und schon nach kurzer Zeit erhielten wir Post:
LadyGaga war so neugierig, dass wir das Paket sofort aufmachen mussten. Darin befanden sich verschiedene farbige Umschläge:
Alles ausgepackt, sah der Tisch so aus:
In einer Tollabox sind jeweils drei Basteleien zu einem bestimmten Thema zu finden, farblich klar abgegrenzt. Wir hatten das Thema «PLANETOLLA»:
  • Solar-Ufo (rotes Päckchen)
  • Sonnentuch (gelbes Päckchen)
  • Planetenmobile (blaues Päckchen)
Das Solar-Ufo haben wir noch nicht gebastelt, da es dafür gutes Wetter braucht und wir seit zwei Wochen schlechtes Wetter haben…. Hier nun der Erlebnisbericht zum restlichen Inhalt der Tollabox.
Sonnentuch
Am Abend selbst haben wir nicht mehr gebastelt, da es schon zu spät war. Am nächsten Morgen machen wir uns daran, das Sonnentuch zu basteln. Dabei wird mit einem quadratischen Tuch, einem Stück aus der Kartonverpackung der Schachtel (zum Glück am Vorabend noch nicht weggeworfen!) und zwei Gummis eine Sonnenkappe gebastelt. Moooooooooooment, wo sind diese Gummibänder? Hab ich die etwa am Vorabend weggeworfen? Laut Anleitung müssten sie in der Box drin sein. Ich suche fieberhaft und finde – nichts. Mist, warum haben wir auch schon alle Päckchen aufgemacht?! Chaos auf dem Tisch. Chaos in meinem Nicht-Bastel-Kopf. Notlösung: Ich schnappe mir zwei Gummibänder aus der Küche. Problem gelöst.
LadyGaga probiert sich an der Kappe, es klappt nicht. Ich helfe ihr, und wir kriegen es hin:
Sie interessiert sich aber vielmehr für die Hefte, die in der Tollabox drin sind. Plötzlich sehe ich ein kleines Briefchen: die Gummibänder! Also doch. Die sind durchsichtig und dünn, so dass man sie nicht sieht. Schnell ausgetauscht und Kappe wieder aufgesetzt, aber LadyGaga bleibt gleichgültig. Ich kann es irgendwie nachvollziehen: Sie hat süsse Minnie-Maus- und Kätzchen-Kappen in knalligem Pink in ihrem Schrank. Und ich schaffe es nicht, ihr das weisse Tuch schmackhaft zu machen, weil ich es selber irgendwie bäh finde. Das war’s also noch nicht.

 

Die Tollas
Wir schnappen uns das Entdeckerspiel «Die grosse Tollasuche in kleinen Verstecken». Was ich da lese, lässt mir die Nackenhaare hochstehen: Den mitgelieferten Tolla-Figuren Lum-Lum, Kess, Pi und Nao können Augen aufgeklebt werden und das Kind kann diese dann im Zimmer verstecken und ich muss es dann suchen («heiss… kalt…»). Bitte nicht. Und dann kann das Kind bunte Augen-Aufkleber draussen (oder im Haus…) aufkleben. BITTE. NICHT. Während ich leise lese, nimmt LadyGaga die Tolla-Figuren in die Hand und fragt mich, ob sie die Augen aufkleben darf. Ich bin erleichtert. «Ja klar darfst Du das.» Und LadyGaga fängt voller Enthusiasmus an, Augen aufzukleben. Viele Augen. Sie ist happy.
Mir fällt auf, dass die Klebeaugen wie bei uns Pupillen und Iris haben. Das interessiert mich. «LadyGaga, hast Du gesehen, dass die Augen, die Du da aufklebst, wie bei uns Menschen aus zwei Teilen bestehen?» Sie schaut interessiert, und plötzlich bin ich wieder in meinem Element und erkläre ihr in möglichst einfachen Worten die Bedeutung von Iris und Pupille, welche Farben es gibt und warum. «Schau mir mal in die Augen, LadyGaga. Siehst Du das Schwarze?» Sie nickt. «Das ist die Pupille, damit sehen wir. Und welche Farbe siehst Du bei mir darum herum?» Sie studiert meine (blauen!) Augen und sagt: «Äh… ROT???» Ich pruste fast raus vor Lachen. Sie beschäftigt sich wieder mit dem Augen-Aufkleben und wir lassen es dabei bewenden.
Planeten-Mobile
Die Anleitung für das Planeten-Mobile besteht aus zwei Seiten. Mir wird klar, dass ich das alleine nicht hinkriege(n will), denn es geht um Kleister, Tisch abdecken und Luftballons aufblasen (was ich nie mache, weil ich Angst vor dem Platzen derselbigen habe). Wir verabreden also, dass wir das Mobile zu dritt mit meinem Mann zusammen basteln, am Wochenende (an unserem 6. Hochzeitstag…).
Mein Mann und LadyGaga sind am Samstag für das Frontoffice zuständig, d.h. sie basteln, während ich schaue, dass alles organisiert ist. Das kann ich als Business Mom eh am Besten. Den Tisch decke ich mit unserer Basteltischdecke ab (ja, sowas hab ich…). Wie, das gelbe Verpackungspapier ins Wasser zugeben? Uff, zum Glück habe ich das nicht weggeworfen gestern. Eigentlich eine gute Idee, das mit der Verpackung. Mist, ich hätte echt besser aufpassen müssen. LadyGaga ist begeistert, dass sich das Wasser gelb färbt und ich fühle mich wie Marie Curie. Ich rühre den Kleister an. Kleister! Noch nie gemacht. Bin stolz auf mich. Mein Mann bläst den Luftballon auf, der später die Sonne sein soll. Ich gebe Mann und Kind Handschuhe (die fürs Kind sind in der Box, wirklich praktisch). Und dann kleistern sie mitgelieferte Taschentücher auf den Ballon.
LadyGaga tunkt ihre Hände mit Wonne in den Kleister und verpantscht alles auf dem Tisch. Ich ermahne sie mehrfach und bin etwas genervt, aber es nützt alles nichts. Ich komme mir doof dabei vor, ihr immer wieder zu erklären, dass sie vorsichtig sein muss. Also lasse ich es irgendwann. Ein zweiter Ballon wird aufgeblasen. Nun soll die rote Verpackung ins Wasser beigefügt werden, um einen Lavaeffekt auf der Sonne zu imitieren, Scheisse. Die rote Verpackung habe ich gestern weggeworfen, ich bin doch so ordentlich (naja, selektiv). Die rote Verpackung liegt unter Erdbeeranschnitten und Salatresten im Mülleimer. No chance of rescue. Ich hechte rauf zum Bastelschrank (jaaaa, auch das habe ich witzigerweise…) und finde tatsächlich rotes Crêpepapier von den Frankreich-Fahnen, die wir letztes Jahr zum 14. Juli gebastelt haben. Das sollte doch auch klappen? Rein ins Kleister-Wasser damit. Es wirkt. Fühle mich wie Archimedes, Heureka!

 

Mein Mann bastelt einen Ring für den Saturn. Und wieder wird gekleistert. LadyGaga freut sich, und ich freue mich mit ihr, wische zwischendurch mit Zewa-Papier über das Basteltischtuch, sage aber nichts mehr. Jupiter wird kreiert. Und dann sollen Uranus und Neptun erschaffen werden, indem man zwei Wattebällchen über das angefeuchtete blaue Seidenpapier (blaue Verpackung) rollt, bis die Watte die blaue Farbe annimmt. Mann und Kind tun wie geheissen, doch es tut sich nichts. Wir diskutieren, warum es wohl nicht klappt. Es geht einfach nicht, kein Blau färbt ab. LadyGaga schlägt vor, man könne doch die Watte in das Wasser tunken. Mein Mann sagt «Nein», weil es so nicht in der Anleitung steht. Aber in mir ist etwas passiert. Ich sage: «Lass sie doch.» Was soll schon passieren? Sie tunkt also die Watte in das Wasser und reibt die Wattekugel dann vorsichtig an der blauen Seide. Und wisst ihr was? Es hat geklappt!

 

Leider ist nun vorerst fertig mit Basteln, da die Planeten nun bis zum nächsten Tag trocknen müssen. Dann nämlich bastelt mein Mann mit Strohhalmen (wie immer im Paket drin) das Aufhängesystem für die Planeten. Ich meinerseits suche verzweifelt das mitgelieferte Garn – ich habe es bis heute nicht gefunden. Ob ich es am ominösen ersten Tag weggeworfen habe? Ich weiss es nicht. Zum Glück habe ich aber Garn im Haus, obwohl ich weder nähe noch stricke (DAS kann ich definitiv nicht). Das Zusammenbauen des Sonnensystems interessiert LadyGaga nicht, es gibt nichts zu pantschen. Stattdessen umwickelt sie die Tollas konzentriert mit Schnüren. Basteln ist… das, was man daraus macht!
Ehrlich gesagt liegen die Planeten in der Folge über eine Woche unmotiviert im Flur herum. Heute Abend hat nun mein Mann in Ruhe das Planetensystem bei uns im Flur im 1. Stock aufgehängt, während LadyGaga bereits schläft. Als es hängt, schauen wir uns zweifelnd an. Es sieht schräg aus. Wie können wir das Gleichgewicht wieder herstellen? Einen Strohhalm kürzen? Da fällt mir ein, dass wir in den Jupiter extra zwei Cent-Stücke hatten legen müssen. Das Ungleichgewicht ist beabsichtigt, es hängt schief am Himmel. Ehrfürchtig schauen mein Mann und ich das gemeinsam geschaffene Planetensystem an, und ich fühle mich wie Galileo. Ich habe etwas Neues über die Planeten gelernt:

 

Ich freue mich schon darauf, morgen LadyGaga etwas über die Erde, den Mond, die Planeten zu erzählen!
Das habe ich mit der Tollabox gelernt
  • Ich habe einen Bastelschrank! Irgendwo bin ich also doch eine versteckte Bastel-Mama, die gefunden werden will.
  • Die Tollabox ist toll! Man muss sich nur darauf einlassen. LadyGaga ist mit 4½ Jahren meiner Meinung nach zwar etwas zu jung für den gesamten Inhalt der Box (das Planetensystem war nicht gerade leicht zu bauen), aber ich denke, es hat jeweils für jeden etwas dabei.
  • Basteln bedeutet auch, seinen eigenen Weg zum Ziel zu finden. Oder anders gesagt: Der Weg ist das Ziel!
  • Tollabox = Family-Time!
  • Ich liebe es, meiner Tochter etwas über das Leben erklären zu können.
  • Ich bin vielleicht nicht die beste Bastlerin, aber ich bin definitiv eine Forscherin!
Es war ein tolles Experiment, das auch meinen Mann gepackt hat. Wir werden uns bestimmt bald eine neue Tollabox bestellen!
Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

3 thoughts on “Die Tollabox gibt es jetzt auch in der Schweiz

  1. Ich habe auch noch 4 solcher Boxen, schon ein langes Weilchen her. Nun wollte ich wieder mal eine bestellen, gibts die nicht mehr? Oh mann….hoffe ich werde doch noch fündig. Danke liebe Grüsse Nadja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.