Die beste Freundin

LadyGaga hat eine neue beste Freundin. Schon in der ersten Woche in der Vorschule war ihr ein Mädchen aufgefallen, dass «Mia and Me»-Schuhe und eine «Mia and Me»-Brotbox hatte. Sie erzählte regelmässig von Annika (Pseudonym). Annika hat dies, Annika hat jenes… Ich freute mich für sie und hoffte, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Mir war aber aufgefallen, dass das Mädchen eher still ist. Meine Tochter hingegen liebt es doch zu dominieren. Ob das gut geht?

Letzte Woche, als ich LadyGaga auf halbem Weg von der Vorschule abholte, war sie mit einer Frau unterwegs. Und einem Mädchen. Annika und ihre Mama. Diese erzählte mir, dass sie jetzt unbedingt einmal habe mitkommen wollen, um mit mir zu sprechen. Ich ging in leichte Abwehrhaltung. Hatte meine Tochter ihre zu sehr bedrängt?

Sie sagte: «Annika redet den ganzen Tag nur noch von LadyGaga. Jetzt wollte ich unbedingt einmal die Mama kennenlernen. Vielleicht können die Mädchen ja mal einen Spielenachmittag zusammen verbringen?»
Ich war erleichtert. Wir plauderten, legten aber noch keinen bestimmten Tag fest, da die Mutter zurzeit beruflich gerade stark involviert war.

Diesen Montag dann ein Telefonanruf. Sie MÜSSE JETZT ANRUFEN, weil Annika drängelte und bettelte, dass sie unbedingt zu LadyGaga nachhause gehen wolle. Ich freute mich und fühlte mich für meine Tochter geschmeichelt. Schön. Da Annika aber wie gesagt im Vergleich zu unserem Wildfang eher schüchtern ist, wollte die Mutter zum Spieldate mitkommen. Kein Problem, ich habe ja eh zu wenig Anschluss mit anderen Müttern. Und so kamen also Annika und ihre Mama gestern zu uns nachhause. Die Mädchen gingen zusammen in LadyGagas Zimmer, während wir Mütter im Esszimmer bei Kaffee Wasser und Tee sassen. Wir hörten Gepolter, laute Musik (wie Teenies!). zwischendurch kamen die Mädchen strahlend runter zu uns. LadyGaga sprühte vor Enthusiasmus, Annika strahlte mehrheitlich still. Man spürte, dass sie es gut zusammen hatten. Sie gingen wieder spielen, kamen wieder zu uns. Annika taute auch bei mir auf. Es gab Früchte und Kuchen. LadyGaga fragte, ob Annika nicht Lust hätte, draussen mit ihr zusammen mit Kreide zu malen. Annika wollte nicht. Sie wollte lieber im Zimmer spielen. Ich war erleichtert, sie gab LadyGaga also durchaus auch Kontra. Und da sagte meine Tochter etwas, was ich NOCH NIE AUS IHREM MUND GEHÖRT habe: «Wollen wir zuerst im Zimmer das spielen, was Du willst, und nachher gehen wir Kreide malen?»


Ich bin fast vom Stuhl gefallen, so perplex war ich. Never ever hat LadyGaga bisher bei irgendjemandem vorgeschlagen, etwas zu spielen, was ein anderes Kind spielen wollte. Immer musste man ZUERST das machen, was sie wollte.
Der Alltag in der Vorschule scheint Früchte zu tragen, mein Kind wird sozial kompatibel und nimmt Rücksicht auf andere. Schön, das zu beobachten.

Die Mutter erzählte mir, dass Annika seit Beginn der Vorschule viel aufgeschlossener sei und auch ihrem Bruder gegenüber mehr Kontra gäbe. Sie freuen sich sehr über die Veränderung. Und sie freuen sich, dass sie LadyGaga so sehr mag. Die Lehrerin habe ihr in einem Gespräch gesagt, die zwei (unsere Töchter) hätten sich offenbar gesucht und gefunden. Die Eltern möchten die Freundschaft fördern.

Ich muss also meine Meinung über mein eigenes Kind revidieren: LadyGaga ist nicht mehr die dominierende. Sie ist fröhlich, aufgeschlossen und kreativ im Spiel mit anderen. Das habe ich gestern mit eigenen Augen sehen dürfen. Die zwei haben über drei Stunden zufrieden und ohne Streit zusammen gespielt. Schön, hat LadyGaga eine Freundin gefunden. Und die Mutter ist auch nicht übel.

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5 thoughts on “Die beste Freundin

  1. Das klingt wunderbar…. und ich freue mich, dass da beide Komponenten passen. Sprich dass auch du mit der Mutter gut kannst. Ist in dem Alter nicht mehr so wichtig wie bei den ganz kleinen, aber macht es leichter.

  2. Gute Freundschaften gehören zu einem glücklichen Leben. Schön, dass LadyGaga so schnell eine wunderbare Freundschaft geschlossen hat.
    Was mir besonders an der Geschichte gefällt: "Und die Mutter ist auch nicht übel." Es ist toll für euch alle, dass ihr beide euch auch gut versteht.
    Alles Liebe
    Paula

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