So läuft das mit den Mädchenfreundschaften

Dass LadyGaga in Annika eine Freundin gefunden hat, darüber habe ich schon berichtet. Dass vor kurzem ein ANDERES Mädchen bei uns war und wie das funktioniert (oder eben nicht funktioniert) hat, habe ich euch auch schon erzählt.

Heute geht es um das Drumherum. Über die Komplexität von Mädchenfreundschaften.


Mädchenfreundschaften basieren oft auf Dreierkonstellationen.© WRANGLER/Fotolia

Ich selbst habe die meiste Zeit meiner Jugend Freundschaften in Dreierkonstellationen gepflegt. Eine furchtbar grausame Erfindung von uns Mädchen. Man tüftelt zu dritt etwas aus, man ist ein Dreiergespann, eine Clique – meistens aber ist am Ende doch die Dritte aussen vor. So war ich mal mit der einen, mal mit der anderen «beste Freundin». Manchmal war ich die Ausgeschlossene und habe bitter geweint. Aber mit einem dieser Mädchen bin ich heute noch befreundet, über all die Jahre hinweg. Ich weiss aber noch ganz genau, wie einsam ich mich manchmal in dieser Konstellation gefühlt habe. Auf ein anderes Mädchen eifersüchtig zu sein, weil sie mit meiner Freundin befreundet ist – das schmerzt. In der Erwachsenenwelt ist das, als würde man sich mit einer Rivalin den Mann teilen.


Wie ich es gut meinte
LadyGaga hat nun also ein zwei unterschiedliche Mädchen zu uns nachhause eingeladen. Da meine Tochter gerne prinzipiell alles rumposaunt, was nur möglich ist, und ich als Mutter ja immer alles richtig machen will, erklärte ich vorsichtshalber: «LadyGaga, bitte sei so lieb und posaune morgen im Kindergarten nicht herum, dass M. zu Dir nachhause kommt. Annika wird sonst fest traurig sein und eifersüchtig werden. Das willst Du doch nicht?»

Meine Tochter schaute mich fragend an. «Weisst Du, wenn Annika DIR erzählen würde, dass eine Freundin zu ihr nachhause kommt, dann fändest Du das doch auch nicht toll, oder?» Sie blickte betreten und nickte. «Eben. Du wärst eifersüchtig. So ein Stich ins Herz. Und Du willst doch nicht absichtlich, dass Annika sich so fühlt. Annika ist doch Deine Freundin.» 

Wie es LadyGaga meinte
Als LadyGaga am nächsten Tag von der Vorschule nachhause kam, fragte ich beim Mittagessen ganz beiläufig: «Und, wie war es so mit Annika?»

LadyGaga ass genüsslich ihr Fleisch. «Ich habe es ihr gesagt… Sie war ganz traurig.»

Ich schüttelte innerlich den Kopf.

«Aber ich habe ihr dann gesagt, dass sie nicht traurig sein muss, weil das andere Mädchen gar nicht meine Freundin ist. Ich habe ihr erklärt, dass nur sie meine Freundin ist. Und dann hat sie gelächelt und hat es verstanden.»

Déjà-vu.


Achtung Klischee: Haben wir Frauen das etwa in unseren Genen?

Gestern fragte ich LadyGaga, ob sie M. wieder einladen wolle, sie sei doch ihre Freundin?

LadyGagas Replik: «Nur weil sie bei uns zuhause war, heisst das noch laaaaange nicht, dass sie meine Freundin ist!»

Nope. Kein Interesse.

Sie spielt jetzt in der Vorschule mit Vorliebe mit Annikas Zwillingsbruder Tommi. Erklärung? Annika will nicht immer das spielen, was meine Tochter will, Tommi schon. LadyGaga meinte kichernd: «Weisst Du, Mami, der Tommi ist eigentlich ganz hübsch.» (!!)

Ich sehe meine eigene Jugend mit allen Irrungen und Wirrungen und Verwicklungen im Geiste an mir vorüberziehen. Und beschliesse, mich nicht mehr mit moralischen Ratschlägen einzumischen. Der Mensch ist dazu gemacht, andere zu verletzen und sich wieder mit ihnen und der Welt zu versöhnen. Nähe und Distanz. Gefühle müssen gelebt, Erfahrungen gemacht werden. Es bringt nichts, wenn ich LadyGaga auf hoher See zubrülle: Da vorne hat es Klippen, pass auf! Sie ist der Kapitän ihres eigenen Schiffes. Wir Eltern sind vielleicht eher vergleichbar mit dem Meer, das das Schiff trägt. Bis sich unsere Kinder irgendwann dazu entschliessen, jetzt doch lieber fliegen zu wollen. Wir aber bleiben das Meer und schauen von unten zu. Im Notfall fangen wir sie auf. Eine schöne Vorstellung.




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2 thoughts on “So läuft das mit den Mädchenfreundschaften

  1. «Annikas Zwillingsbruder Tommi.»
    Das finde ich das schöne an Blogs mit geänderten Namen – man kann so kleine Witzchen einbauen, die manchem Leser erst beim zweiten Mal auffallen…

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