Medienerziehung à la Mama on the rocks

Die geniale Anna Luz von Berlinmittemom hat zu einer Blogparade aufgerufen, die mich sofort angesprochen hat: die Medienerziehung unserer Kinder (#familiedigital). Sie vergleicht in ihrem Blogpost den Medienkonsum mit unserem Verhältnis zu meiner heissgeliebten Schokolade: Es ist süchtig machendes Teufelszeug, böse böse böse. Aber eben doch so gut, dass wir alle sie essen. Auch oder gerade wir Eltern. Ihr Statement: Es gibt nun mal Schokolade auf dieser Welt, get over it! Und genauso gibt es (digitale) Medien. Sie sind da und wir können uns ihnen nicht immer entziehen. Aber inwiefern können und sollen wir unsere Kinder in Bezug auf die Mediennutzung erziehen? Diese Frage stellt sich Berlinmittemom zusammen mit der Lernplattform scoyo aufgrund der am ersten digitalen Elternabend (wie geil ist das denn?!) geführten Diskussion. Im Folgenden meine Überlegungen dazu.

Mein Mann ist Informatiker und auch zuhause viel am PC anzutreffen, Ich selbst habe als Chefredaktorin und Verlegerin ebenfalls einen Beruf, bei dem ich viel am PC sitze. LadyGaga ist damit aufgewachsen, dass der PC in einen Haushalt gehört. Da wir auch am PC mit meiner Mutter skypen (sie wohnt im Ausland), wollte unsere Tochter schon bald auf der Tastatur herumhämmern. So erhielt sie ca. eineinhalbjährig eine alte PC-Tastatur zum Spielen von uns. Sie hat sie heute noch in ihrem Zimmer und spielt damit begeistert «Büro».

 

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Mein Mann zeigt ihr am (echten) PC alte Pippi-Langstrumpf-Folgen oder bastelt mit ihr digital Kleider für Dora-Figuren. Wir leben ihr vor, dass der PC ein vielfältiges, wichtiges Nutzungsinstrument in jeder Lebenssituation ist: Gerade jetzt, wo ich im Homeoffice arbeite, kriegt sie mit, wie sehr ich auf den PC angewiesen bin. Wen wundert es da, dass sie sich auf ihren 5. Geburtstag diesen November einen Laptop wünscht?!

Den kriegt sie aber natürlich nicht. Natürlich, weil sie meiner Meinung nach viel zu klein ist, um schon ein eigenes Gerät zu haben. Sie kann ja noch nicht einmal schreiben und lesen. Aber auch, wenn sie das kann, wird sie vorerst kein eigenes Gerät erhalten. Dann kommen die Zeiten des Familien-PCs, aber soweit sind wir noch lange nicht. Tatsächlich aber kriegt sie von den Grosseltern einen Lern-Laptop für Kinder (4- bis 7-jährig, mit Filly-Pferdchen…) auf den Geburtstag geschenkt. Sie hat ihn sich selbst aus
gesucht und ist schon ganz aufgeregt deswegen. Er hat echte Tasten! Mit dem Lern-PC werden spielerisch Buchstaben gelernt – eine gute Sache, wie ich finde. Der Fortschritt lässt sich bekanntlich nicht aufhalten, warum also nicht geregelt an die Medien heranführen?

Ich bin ein schlechtes Beispiel

Ich denke, ich bin Smartphone-süchtig. Weil ich meine Mails nicht nur stündlich, sondern auch viertelstündlich abrufe. Es könnte ja ein Auftrag darunter sein! Weil ich twittere, wenn ich etwas Lustiges oder Ärgerliches erlebt habe. Der Kunde will eine dringende Offerte, ich habe die Kinder zuhause. Die Offerte wird am PC gemacht, unter dem Protest von LadyGaga: «Immer bist Du am PC!» Der PC wird also auch ambivalent betrachtet, ist Konkurrenz. Er nimmt die Mama in Beschlag.

Ich habe Copperfield im Arm und telefoniere. Links habe ich das Baby, rechts twittere ich, interessiert und neugierig beobachtet vom linken Arm aus. Und auch Copperfield hat bereits ein Chicco-Handy, das ihn musikalisch betüdelt. Er mag es sehr.

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Ich dosiere wo möglich

Auf dem Smartphone habe ich einige Apps für LadyGaga heruntergeladen, in den Ferien durfte sie jeweils ab 6.30 Uhr, wenn sie aufwachte, mit den Apps spielen, während ich noch weiter schlafen konnte. Die ersten Tage fand sie es toll und aufregend, dann wurde es eher langweilig. Im Alltag fragt sie mich heute nur sehr sehr selten nach den Apps. Viel schlimmer ist bei ihr der Wunsch nach TV-Konsum. Dieser ist bei uns reglementiert und limitiert. Wir Eltern schauen nur abends TV, wenn die Kinder schlafen. Ich persönlich finde es ganz furchtbar, wenn der TV als Dauerbeschallung im Hintergrund läuft. Ich gestehe aber: Jetzt, mit dem Baby, hatte ich regelmässig beim Fläschchen geben den Fernseher eingestellt (ich sage nur «Shopping Queen»…). Bis ich festgestellt habe, dass Copperfield in die Röhre glotzt. Der TV ist nun wieder aus. Und dennoch fragt LadyGaga immer und immer wieder, ob sie TV schauen darf. Sie darf nicht. Sie darf ausgewählte Sendungen sehen (Mia and me, Bibi Blocksberg etc.) und am Wochenende auch mal einen ganzen Trickfilm zusammen mit uns Eltern. Auch als Belohnung wird der TV manchmal eingesetzt – niemals aber wird gezappt.
Wenn unsere Tochter bei den Schwiegereltern übernachtet, konsumiert sie von morgens bis abends Cartoons, so dass sie danach zuhause sprichwörtlich quadratische Augen hat und oft vor Reizüberflutung heult. Ich lasse ihr das aber, weil es eben die Ausnahme ist und somit auch etwas Besonderes. Manchmal müssen wir uns eben – frei nach Berlinmittemom – den Bauch mit Schokolade vollstopfen, auch wenn wir wissen, dass es uns nicht guttut. Ein Verbot bringt meiner Meinung nach nichts. Vielmehr kann unsere Tochter so bewusst wahrnehmen, dass es eben Ausnahmeregelungen sind. Zuhause darf sie das nicht, weil ich nicht möchte, dass es zur Gewohnheit wird.

Wir machen nicht jeden Hype mit

Wir besitzen immer noch kein Tablet und sind bisher ganz gut ohne zurechtgekommen. Wir haben nicht die neueste Konsole im Haus. Der Konsum von Medien jeglicher Art ist bei uns zuhause für die Kinder begrenzt und hat nach Möglichkeit (noch) Lerncharakter. Beim TV leben wir unseren Kindern vor, dass es geregelte Zeiten dafür gibt. Bei PC und Smartphone gestehe ich aber ganz klar, dass wir schlechte Vorbilder sind. Wie könnte ich meinen Kindern also den Konsum verweigern? Lieber führe ich sie gezielt daran heran und zeige ihnen die vielen Möglichkeiten auf, die wir mit den neuen digitalen Medien haben. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass ich heute simple as that im Homeoffice eine Zeitschrift erstellen kann? Andererseits haben wir z.B. auch kein iPod, sondern setzen noch auf CDs und sogar Hörspielkassetten und alte Schallplatten mit Märchen, die früher uns Eltern gehört haben. Gemäss dem sog. Rieplschen Gesetz von 1913 ist es ein Grundgesetz des Nachrichtenwesens, dass neue Kommunikationswege die alten nicht ersetzen, sondern immer nur ergänzen. LadyGaga kennt den Plattenspieler nicht nur vom Hörensagen und wird ihn bald auch selbst bedienen können. Gleichzeitig weiss sie aber auch, wie ein Touchscreen funktioniert und sieht mir zu, wie ich auf dem Kindle elektronische Bücher lese.

 

Mein Fazit deshalb: Medien, ob alt oder neu, sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Früher wurden die Schallplatten als Teufelszeug verschrien, heute eben das Internet. Wir sollten aber unsere Kinder nicht einfach unreflektiert konsumieren lassen, sondern ihnen die Freude, den Nutzen, den Sinn der Medien vermitteln. (Digitale) Medien sind nichts Böses! Sonst könnte ich ja auch nicht bloggen.

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One thought on “Medienerziehung à la Mama on the rocks

  1. Ich schreibe gerade eine Hausarbeit zu dem Theme Kinder und neue Medien, da ist dein Beitrag doppelt interessant für mich. Anhand meiner Recherchen macht ihr alles richtig! 😉 Kinder kommen schon von Tag eins mit Medien in Kontakt (erste Fotos im Krankenhaus z.Bsp.) und das ist auch nicht wirklich zu vermeiden. Es sei denn man wohnt in einer Waldhütte. Ich denke aber, dass es die Aufgabe der Eltern ist diesen Kontakt zu kontrollieren und vorallem ihren Kindern beizustehen zu verstehen, was sie da gucken/anklicken/anhören.

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