Mein Kind ist verliebt

Gestern habe ich vom ersten Teil des Interviews mit LadyGaga (LG) berichtet. Während des Gesprächs fragte ich sie nach Tommy, dem Zwillingsbruder ihrer besten Freundin Annika. Und öffnete damit unbeabsichtigt die Büchse der Pandora. Im Folgenden das Transkript des Gesprächs. Im Anschluss daran dann meine Gedanken zum Thema «Mein Kind hat Gefühle».

M: Wie findest Du Tommy?
LG (verlegen): Ganz schnüsig (süss) und toll.
(ab hier verändert sich LGs Stimme, sie wird ganz quietschig, schrill und glucksig. Mein Mann hört still und fasziniert zu, während ich mit LG plaudere.)M: Und wieso?
LG: Das möchte ich nicht sagen. Im Fall, Fabio meint, ich sei in ihn verknallt.
M: In Fabio?
LG: Neeeeein! In den Tommy!
M: Und was hat Fabio gesagt?
LG: Du bist verknallt!
M: Und was hast Du gesagt?
LG: Nein. Aber das stimmt nicht.
M: Stimmt das nicht? (gluckst auch) Bist Du schon ein bisschen verknallt?
LG (gluckst): Ja, aber ich sage es nicht.
M: Nein, musst Du auch nicht.
LG: Nein, ich darf es nicht sagen, sonst wird er gemein.
M: Der Tommy?
LG: Ja, der Tommy.
M: Ach soo ja. Ja, Jungs sind halt so. Nein, das muss man nicht so rausposaunen, das ist nicht so gut. Das kann man ja immer noch sagen, man muss sich ja etwas aufheben für später. 
LG: Und jetzt… 
M: Jetzt möchtest Du etwas fragen?
LG: Mami, Du kannst mich schon noch etwas zu Annika oder Tommy fragen. Irgendetwas zu Annika.
M: OK. Wieso ist Annika Deine Freundin? 

LG: Weil sie auch Mia and Me so mag. Ich glaube, sie mag es so gern wie ich. Und sie hat angefangen, mich so zu lieben und so zu strahlen. Da habe ich auch gestrahlt und dann sind wir Freundinnen geworden.
M: Das finde ich aber sehr schön.
LG strahlt: Sie rennt mir immer nach.
M: Echt jetzt?
LG nickt, steht auf und gestikuliert: Wenn da das Haus wäre und ich reingehe, Annika sieht mich nicht, renne ich raus, sieht sie mich.
M: Ah, dann sucht sie Dich?
LG nickt.
M: Ja, dann ist sie wirklich eine gute Freundin.
LG nickt: Tommy nicht so.
M: Tommy nicht so? Ach so. Ja weisst Du, Jungs sind anders. Die findet man anders toll. Mit Mädchen spielst Du eher die gleichen Sachen, oder?
LG: Aber wenn ich Sachen mit Tommy anschaue… anfasse (redet undeutlich)
M: Anfassen? Was meinst Du?
LG verärgert, bricht ab: Nein, nichts.
M: Nein warte, ich habe es nicht verstanden. Was meinst Du?
LG: Er darf alles in meinem Zimmer anfassen!
M (erleichtert?!?): Oh, das ist aber ein grosses Kompliment.
LG wechselt das Thema. M bringt den Faden zurück zum Interview allgemein: Jetzt darfst Du den Papi etwas fragen.
LG: Ähm. Ja. Papi, in wen bist DU verknallt?
P: In das Mami.
Mami lacht.
LG: Neeein!! (klang wie «sicher nicht!»)M: Wie nein?! Glaubst Du ihm das nicht?
LG: Aber Du musst…. OK… In wen könnte ICH wohl verknallt sein? (versteckt sich kichernd unter der Bettdecke)
M: … Hmm… In Fabio?
LG kichert: Neeeein!
P: Hmmm… Bist Du in Lukas verliebt?
LG (Dauerkichern): Nein.
M: Könnte es der… Tommy sein?
LG giggelegt: Jaaaa! Ich bin in ihn verliebt!
M: Hat er denn schon einmal gesagt, dass er in Dich verliebt ist?
LG: Nein. Aber ich weiss, dass ICH in ihn verliebt bin.
M: Und wieso bist Du verknallt, was macht er so toll?
LG: Nichts, er sieht einfach so schön aus. (kichert, flüstert mir ins Ohr:) Mami, ich möchte ihn heiraten!
M: Echt? Uu…
LG kichert: Ich weiss nicht, ob ich ihn heiraten kann.
M: Wenn er das will, kannst Du das schon, wenn ihr grösser seid.
LG: Ich weiss aber nicht, ob wir uns treffen können.
M: Du hast ja noch etwas Zeit, Du musst ihn ja nicht gerade heute heiraten.
LG (unterbricht): Doch!
M: Das kann doch noch etwas warten! Mami war über 30, als sie geheiratet hat, der Papi auch. Das muss man nicht schon mit 5 machen. Du hast noch etwas Zeit.
LG ist traurig, dann: Mami, nicht verlieren.
M gibt LG einen Kuss auf die Haare: Du bleibst doch noch etwas bei uns, oder? So, noch eine letzte Frage!
LG: Nicht schon die letzte Frage!
M: Doch, das geht nämlich lange, das aufzuschreiben.
LG: Mami…?
M: Ja, mein Schatz?
LG: Ich bin im Fall echt verknallt in Tommy!
M: Das glaube ich Dir!
LG: Ich möchte ihn einfach hunderttausend – ach, ich möchte es nicht sagen.
M lacht.
LG flüstert M ins Ohr.
M gespielt entrüstet: Und das mit 5! LadyGaga, Du hast noch Zeit!
LG: Nein ich meine nicht mit 5!
M: Aber Du wirst Doch jetzt 5!
LG: Ich möchte nicht mit 5 heiraten!
M: Nein nicht heiraten. Aber hast Du nicht gerade gesagt – was hast Du gerade gesagt, was Du mit ihm machen willst?
LG: KÜSSEN habe ich gesagt!
M: Eben, eben!
LG: Ich habe gemeint mit 7. Nein 6. Nein 100. Nein.
M: 100 ist aber sehr alt.
LG, lenkt ab: Wer möchte noch eine Frage haben?
M: Mir ist aber noch wichtig, dass Du weisst: Zum Küssen braucht es immer zwei. Beide müssen es wollen. Verstehst Du das?
LG: Und Heiraten?
M: Müssen auch beide wollen. Schau, der Papi wollte mich heiraten, und ich wollte den Papi heiraten, weil wir uns beide gerne haben. Sonst hätten wir nicht heiraten können. Aber wenn Tommy Dich auch heiraten will, dann könnt ihr das.
LG (schmollt): Gemein.
M: Aber Jungs brauchen oft länger, das ist leider das Problem. Das ist so.
LG beginnt, auf dem Bett rumzutollen.
M: Gibt es noch eine Frage, oder hören wir auf?
LG: Ich habe noch eine Frage. In wen bist Du verknallt?
M: In den PAPI!
LG kichert und kann es offenbar nicht glauben.
M: Ganz fest. Er ist der tollste Mann. Für mich! Für Dich ist Tommy der tollste. Aber für mich der Papi. Ich habe ihn so fest lieb, dass ich sogar zwei Kinder mit ihm habe. Das ist doch schön, oder?
LG: Ich finde es schön, dass wir eine Familie sind.

Wir knuddeln, das Interview ist beendet.




Gedanken zum Gespräch

Ich hoffe sehr, dass das Transkript des Interviews nicht zu persönlich ist und LadyGaga mir das nicht eines Tages vorhalten wird. Ich hoffe, ich gehe nicht zu weit damit, aber ich finde das Interesse für das andere Geschlecht in der Kindheit ein wichtiges Thema, das man nicht totschweigen sollte.

Tommy spukt LadyGaga schon ein paar Wochen im Kopf herum. Sie fand auch schon früher einen Jungen toll. Aber zum ersten Mal spricht sie von heiraten, von küssen, von Körperlichkeit. Das hat mich ehrlich gesagt schon irritiert. Sie ist fünf! Das Thema lag ihr am Herzen, denn sie kam von alleine immer wieder auf Tommy zurück, obwohl ich eigentlich versuchte, das Thema zu wechseln. Aber wenn nicht ich ihr helfe, mit ihren Gefühlen klarzukommen, wer dann?!

Ich denke, es ist wichtig, dass wir die Sexualität unserer Kinder ernst nehmen. Ich weiss nicht genau, was LadyGaga jetzt gemeint hat mit «Tommy darf alles anfassen». Wirklich nur ihre Spielsachen? Sie hat an dieser Stelle des Interviews sehr undeutlich gesprochen, was ja auch einiges aussagt. Ganz wohl war mir nicht bei dem Thema. Ich werde aber sicher nicht weiter nachhorchen, denn es ist der Keim ihrer Privatsphäre, der wachsen und gedeihen soll. Es war und ist mir aber wichtig, dass sie begreift, dass es für jede Körperlichkeit zwei Gleichberechtigte braucht. Ich denke, ich schütze sie so am besten vor Übergriffen jeglicher Art. Ich hoffe es! Doktorspiele im gegenseitigen Einvernehmen und zwischen Gleichaltrigen gehören zur Adoleszenz nun mal dazu. Wer es nicht selbst erlebt hat, der werfe den ersten Stein. Meinen ersten Kuss hatte ich übrigens mit 8.

Ich hoffe, dass ich LadyGaga die richtigen Leitplanken gebe, dass sie weiss, dass sie immer zu mir kommen kann, wenn sie Fragen hat. Und dass ihr nichts peinlich sein muss, denn ihre Mami ist mit offenen Augen, Ohren und Armen immer für sie da.

Habt ihr schon ähnliches erlebt? Wie geht ihr mit den ersten Liebesgefühlen und der Experimentierfreudigkeit eurer Kinder um? Ich bin gespannt auf Eure Feedbacks!





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3 thoughts on “Mein Kind ist verliebt

  1. Kurzer liebt seine L., möchte mit ihr schmüselen und mit 18 dann heiraten (18 ist das Alter, wo man dann ALLES darf, was Mama heute verbietet). Weshalb? Weil ihr Papa einen richtig geilen John Deere 6210 mit Frontlader hat!
    (über Prioritäten und Entscheidunsgrundlagen müssen wir dann mal noch diskutieren – aber nicht heute)

  2. Ach wie wunderbar! Sehr süß, dass sie so schwärmt. Aber ich kann auch Deine Gedanken sehr gut verstehen und sehe es eigentlich genau so. Unsere Motte redet gerade auch sehr viel von ihrem Kindergartenfreund Tom. Aber sie ist erst fast drei – da läuft das noch auf ganz anderer Ebene ab. Trotzdem ist es erstaunlich, wie früh die Mäuse sich offensichtlich für das andere Geschlecht zu interessieren beginnen. Mich würde es freuen zu erfahren wie die Geschichte mit Thommy weitergeht. Auch um ein wenig vorbereitet zu sein, was mich erwarten könnte 🙂
    Liebe Grüße, Anna

  3. Ach wie süß 🙂
    Bin ja gespannt wie lange das bei Lady Gaga anhält! Unser Kleiner (6) hat sich im Mallorca Urlaub unsterblich in ein 10 Jähriges Mädchen verliebt. Noch heute schwärmt er von ihr 🙂

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