Weihnachtsbaum schmücken aus der Hölle

Letztes Jahr durfte LadyGaga beim Baumschmücken helfen, es war toll und sehr familiär und besinnlich. Seit Anfang Dezember lag sie uns nun in den Ohren, wann wir denn nun endlich diesen Baum wieder schmücken würden. Heute war es soweit, denn mein Mann ist nach einwöchiger Grippe wieder fit und geht morgen (!) den ganzen Tag arbeiten. Also haben wir heute Nachmittag den Baum geschmückt. Und ich war kurz vor dem Ausflippen. Aber alles der Reihe nach.

Den Baum stellten mein Mann und ich noch alleine auf. Den ganzen Baumschmuck sortierten wir auf unserem grossen Esszimmertisch, so dass sich jeder bedienen konnte. Wir hatten eine Leiter bereitgestellt. LadyGaga wollte natürlich unbedingt auf die Leiter. Zuerst aber setzte mein Mann von der Leiter aus dem Baum die Spitze auf. LadyGaga schmollte. Sie durfte danach auf die Leiter, sie wollte die oberen Glaskugeln platzieren. Da die Leiter aber an EINEM Ort stand, war nachher auch EINE Stelle am Baum überladen mit Baumschmuck. Also alles wieder abmontiert und die Leiter verschoben, das Kind walten lassen. Es sollte Harmonie herrschen. Der Geist von Weihnachten!

Eine Weile ging es gut. Dann fragte LadyGaga nach einer Ballerina, die sie vorhin auf dem Tisch gesehen hatte. Mein Mann hatte sie schon aufgehängt. «Warte, ich gebe sie Dir, Du darfst sie umplatzieren, wenn Du das möchtest.» LadyGagas Augen begannen verdächtig zu glitzern und auf einen Schlag heulte sie und warf sich in meine Arme. «Ich will nicht, dass Papi die Ballerina abnimmt.» Ich tröstete sie und erklärte, dass er nur hatte nett sein wollen.

Weiter im Text. Fünf Minuten ging wieder alles gut. Dann hatte es ihr ein Glöckchen aus Glas angetan, das sie aufhängen wollte. Mein Mann: «Warte, das machen wir oben hin, sonst wird Mami traurig, wenn das kaputt geht.» Ich hänge nämlich sehr an diesem Glöckchen. Wie aufmerksam von meinem Mann! LadyGaga schmollte. Ich erklärte, dass Copperfield ja vielleicht einmal eine Kugel runterreisst, und dann sollten wir die wertvollen lieber weiter oben aufhängen. Nützte nix. Sie war todtraurig. Ich nahm das Glöckchen wieder ab und gab es ihr. «Weisst Du was, häng es dorthin, wo Du möchtest. Ich möchte, dass wir alle glücklich und zufrieden sind und wir es schön zusammen haben beim Baum schmücken. Es ist nicht so wichtig.» Wir einigten uns dann auf einen Platz etwas weiter unten im Baum.

Weiter im Text. Zwei Minuten ging alles gut. Dann kam LadyGaga mit zwei Kugeln in der Hand zum Baum. Ich ermahnte sie zum wiederholten Mal, nur eine Kugel aufs Mal zu halten. Sie legte eine Kugel auf den Tisch. Und liess die andere auf den Boden fallen. Nachdem ich festgestellt hatte, dass sie sich nicht verletzt hatte, begann ich, die Reste wegzuwischen und tröstete sie. «Alles OK, ist nicht schlimm.» Sie weinte. «Ich schäme mich, dass ich die kaputt gemacht habe.» Ich: «Brauchst Du nicht, das hätte gerade so gut mir oder dem Papi passieren können. Deshalb meinte ich, Du sollst nur eine Kugel aufs Mal nehmen. Alles OK, wir sind nicht böse.» Sie sniefte.

Weiter im Text. Eine Minute ging alles gut. «Mami, darf ich mit den Perlenketten spielen?» «Nein, die sind nicht zum Spielen.» Gemeint war eine lange goldige Perlenkette, ähnlich einer Girlande. Ich beschäftigte mich weiter mit den Kugeln. Plötzlich merkte ich, dass LadyGaga fehlte. Sie sass im Dunkeln auf der Treppe und schmollte. Ich biss die Zähne zusammen. «Warum schmollst Du jetzt wieder?» Tochterkind: «Weil ich die Perlen nicht haben darf.» Ich beherrschte mich und sagte so neutral wie möglich: «Ja, weil das ein Durcheinander gibt. Das ist eine riesige Perlenkette und die gehört auf den Baum und ist nicht zum Spielen gedacht!» Ich nahm die Perlen in die Hand – ein riesiger Knoten. Ich fluchte leise. «Nie darf ich helfen!», motzte es aus dem Dunkel. Ich: «????» Sie: «Ja, ich wollte Dir helfen mit den Perlen.» Mein Ton wurde langsam schärfer. «Du hast gesagt, Du willst damit spielen. Von Helfen war nicht die Rede! Du kannst mir aber gerne helfen beim Perlen befreien.» Sie trollte sich zu mir. «So habe ich das aber nicht gemeint», murmelte sie. Langsam spürte ich ein Lämpchen in meinem Gehirn aufleuchten. Mein Mann: «Komm LadyGaga, Du kannst mir helfen.» Sie ging zu ihm und begann, die Perlen auf dem Baum zu drapieren. Mit Schmackes. «Nicht so heftig!», schnappte mein Mann nach Luft.

Ihr wollt noch mehr? Ich nicht. Jetzt war die Lichterkette dran (wie bereits gesagt: Keine Kerzen im Hause On The Rocks). LadyGaga wolle unbedingt die Lichterkette montieren. «Das geht nicht! Das muss ich machen!», sagte mein Mann. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits aufgegeben und versuchte mit aller Kraft, meine Nerven im Zaun zu halten. Ich setzte mich also an den Tisch und schaute einfach nur zu, während Rauch aus meinen Ohren kam. LadyGaga sah das alles nicht und kam schmollend zu mir. «Nie darf ich helfen!» «Als ich ein Kind war, durfte ich überhaupt nichts am Baum machen. Jetzt hör endlich auf, Dich zu beschweren!», schnappte ich.

Fertig? Wo denkt ihr hin. Die Schokolade fehlte noch. In der Zwischenzeit war aber Copperfield aufgewacht und verlangte nach seinem Abendessen. Ich sagte also: «Die Schokolade hängen wir nach dem Abendessen an den Baum.» LadyGaga: «Ihr seid so gemein! Nachher ist es wieder zu spät und ich muss ins Bett und dann kann ich keine Schokolade mehr an den Baum machen. Mir doch egal, gibt es halt keine Schokolade am Baum. Schon OK. Dann macht halt!»

BUMM

«Wenn Du jetzt nicht augenblicklich ruhig bist, gehst Du rauf in Dein Zimmer und bleibst dort! Ich habe die Schnauze so was von voll!!!»

Stille.

Problem gelöst, aber es ging trotzdem den ganzen Abend so ähnlich weiter.

Nun suche ich verzweifelt nach meinem Weihnachts-Mojo. Baumschmücken war mal so etwas Tolles. Ich glaube, nächstes Jahr machen wir das wieder ohne Kinder. Ich habe übrigens letzte Nacht geträumt, ich würde mit Wolfgang Petry auf der Bühne zusammen «Hölle, Hölle, Hölle» singen. Als hätte ich es geahnt…

Hier trotzdem einige Impressionen unseres Baumes:

Die Lichterkette sieht man nicht, die wird erst morgen «angezündet». Dafür ist die Perlenkette erkennbar. Und hier noch einige Details:


Wer erkennt anhand der Bilder, wovon ich Fan bin bzw. wem oder was meine Liebe gilt? Ich meine etwas ganz Konkretes. Unter allen richten Antworten verlose ich einen Gedichtband von mir. Aber Achtung: Es ist nicht einfach!

Feliz Navidad, gute Nerven und liebe Kinder euch allen!

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8 thoughts on “Weihnachtsbaum schmücken aus der Hölle

  1. Ach Gott, dass klingt wirklich sehr nach stress. 🙁
    Vielleicht klärt ihr nächstes Jahr vor dem schmücken bei was die Kinder helfen dürfen & welchen Schmuck nur die Eltern aufhängen.
    Das machen wir so & da jeder seine Baum Aufgabe hat, gibt es keine Tränen. 😉
    Überings, als Kind durften wir auch nie den Baum schmücken, daher ist das gemeinsam schmücken unglaublich wichtig!

    LG nicky

  2. Wir haben noch einen Platz am Fahnenmast frei, falls Bedarf herrscht – zum Kinderhochziehen. 🙂

    Übrigens: Massiver Baum. Vielleicht ergibt ein kleinerer weniger Platz für Deko-Grabenkämpfe?

    Gruß, Nico aka Papamithut.de

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