Beim zweiten Kind wird alles besser

Auf Twitter hat sich wieder einmal eine hitzige Diskussion ergeben, ob es denn nun Nachteile oder Vorteile hat, wenn man statt einem Kind plötzlich ein zweites hat. Ausschlaggebend war ein Blogpost von Mutter und Söhnchen, in dem sie beschreibt, wie sich ihr Leben mit Kind Nummer 2 veränderte. Auftragsmama, MaraKolumna, Herzteddy, Mamis Blog, Herzmutter, Mama Schulze, Frühlingsmama und Marsha (ich hoffe, ich habe keinen vergessen) diskutierten: Fängt der Stress mit zwei Kindern erst richtig an? Wird das Chaos perfekt noch chaotischer? Und: Gibt es einen Survival-Guide für Frisch-Zweifachmamas? Fakt ist: Ja, es ist anstrengend. Ja, es ist nervenaufreibend. Aber hey, das war es mit einem Kind auch schon! Nicht alles wird schlimmer mit mehr Kindern im Haus, es gibt auch viele Vorteile. Vieles wird einfacher. Was kann man also Zweifachmüttern in spe raten bzw. womit können wir sie aufmuntern und motivieren? Wobei, ganz ehrlich: Eine wirkliche Vorbereitung gibt es eh nicht, das wissen wir doch alle schon von der ersten Schwangerschaft – die Realität schlägt das Wunschdenken immer um eine Nasenlänge.

Hier also die Vorteile, die ich persönlich mit zwei Kindern erlebe. Eine Anmerkung vorab: Meine Kinder haben einen Altersunterschied von viereinhalb Jahren.

Bo-d-engänge
Schnuller suchen? Etwas vom Boden aufheben, was das Baby hat fallenlassen? LadyGaga macht das, ohne mit der Wimper zu zucken – und freut sich! Was haben wir bei Baby LadyGaga gemault, wenn wir zum 100. Mal etwas vom Boden für sie aufheben mussten («Jaaaa, LadyGaga, wenn es runterfällt, ist es am BODEN!!!»). LadyGaga aber macht es Spass, die Spielsachen von Copperfield vom Boden aufzusammeln. Oder eben seinen Schnuller oder sonst irgendetwas zu suchen. Wir loben sie natürlich immer über den Klee dafür. Jackpot!

Emotionen
Copperfield lacht nie so stark, wie wenn seine grosse Schwester mit ihm Quatsch macht. Dieses Babyquietschen geht mitten ins Herz, wo es sich als reine Liebesenergie festbrennt. Anders kann ich das nicht beschreiben. Mit einem Kind hatten wir Spass. Mit zwei Kindern flutet die Liebe über und wird immer mehr und mehr und mehr. Zu sehen, wie sich die Kinder gegenseitig vergöttern, ist so manchen Ärger wert.


© Fotolia – Symbolbild

Timing
Wir dachten ja alle, ein Kind zu haben, sei stressig. Aber erst mit zwei Kindern (oder 3 oder 4…) darf man sich Queen des Zeitmanagements nennen. Mit einem Kind hat man die Zeit im Griff? No way. Erst mit mehreren Kindern, weiss man, was Zeit wirklich ist. In den ersten Wochen nach der Geburt des zweiten Kindes geht sicher alles etwas langsamer und vieles schief. Irgendwann aber ist tatsächlich die Routine da und man hat soweit alles im Griff, dass man schneller aus dem Haus ist als früher mit nur einem Kind. Es sei denn, das Baby hat Hunger. Oder gerade in die Windel gemacht. Alles vollgespuckt? Ach, irgendwas ist immer. Aber man nimmt alles lockerer!

Been there done that
Ja, man nimmt bei Kind 2 alles leichter. Weil es doch einen gewissen Lerneffekt gibt. Kinder haben ist nämlich wie Fahrrad fahren – man verlernt es offenbar nicht. Was hatte ich Angst vor der Geburt meines Sohnes, ob ich überhaupt noch mit Babys kann, nach über vier Jahren. Und überhaupt, wie kann man nur so blöd sein, ein zweites Kind zu kriegen, wenn man schon mit Kind 1 am Limit lebt?! Panik PANIK P-A-N-I-K. Aber sich um ein kleines Geschöpf zu kümmern, bedingungslos, verlernt man eben nicht. Vielmehr sind die Griffe alle irgendwo im Gehirn abgespeichert. Hat es bei meiner Tochter laaange lange gedauert, bis sie endlich gewickelt war (aus Angst, sie kaputt zu machen), ging ich von Anfang an recht unzimperlich mit Copperfield um. LadyGaga haben wir auch gewuppt, dann wird das doch klappen?! Ich sage nur: Zeitmanagement is the key! Mit Baby 2 geht einfach alles viel viel einfacher, weil man auch viel unnervöser an die Sache rangeht.

Finanzen
Kinder sind teuer. Beim zweiten Kind aber hat man die meisten Sachen schon angeschafft. Kinderwagen, Kinderbett, Spielsachen, Kleider, Wickeltisch…. Das summiert sich alles. Bei Copperfield mussten wir das alles nicht mehr kaufen, nur Kleider und Windeln. Oh, und ein grösseres Auto. Ähm. Nächster Punkt bitte.

Nerven
Ja, zwei Kinder sind nicht weniger anstrengend. Aber man sieht auch alles viel gelassener. Bei LadyGaga habe ich die Breie alle selbst eingekocht – Stunden meines Lebens habe ich in die richtige Komposition investiert. Copperfield hingegen kriegt nur Gläschenkost. Meine Zeit plane ich jetzt lieber effizienter ein. Zeitmanagement! Bei LadyGaga bin ich beim kleinsten Schnupfen vor Sorge ausgeflippt. Bei Copperfield bin ich meistens die Ruhe selbst. Copperfield schreit? Ich gehe in Ruhe alle Optionen durch: Windel, Hunger, müde, kuschelbedürftig, gelangweilt, doch die Windel? Doch der Hunger? Irgendwas muss es doch sein, verdammt nochmal!!! Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht rausfinde!!!!!

Ablenkung = Zeit für mich
In der Küche in Ruhe kochen, aber das Baby quengelt? Einfach die beiden Kinder miteinander in der Wohnstube spielen lassen. Wenn ich einschreiten muss, ruft mich die Grosse: «Mami, er ist schon wieder an den Vorhängen!» Ansonsten kann ich die beiden Kinder getrost alleine spielen lassen und auch mal heimlich das Handy zur Hand nehmen und twittern, während ich koche die verbrannte Pfanne beseitige. 
Einmal in Ruhe während des Tages duschen? Die Tochter spielt mit ihrem Bruder in seinem Zimmer. Das klappt sehr gut, weil LadyGaga nämlich die Kindersicherung am Tor nicht aufkriegt, also nicht aus dem Zimmer rauskann. Oh. Keine Ahnung, wer das Tor jetzt wieder zugemacht hat…?

Mein Fazit
Mit viereinhalb Jahren Altersunterschied kann LadyGaga auch einmal helfen, wenn Not am Mann Kind ist. Sie sucht Schnuller, lenkt den Kleinen ab und spielt mit ihm. Die Kinder vergöttern sich, und keiner von uns kann sich vorstellen, wie wir vorher nur zu dritt sein konnten. 

In den Genuss welcher Vorteile kommt ihr, seit ihr mehrere Kinder habt? Meldet euch doch bei den Kommentaren zu Wort oder schreibt einen eigenen Blogpost zum Thema. Ihr könnt hier verlinken ( bei „Add your link“) sowie auch bei Mama Schulze, die die Blogparade gleichzeitig startet. Hashtag bei Twitter ist #mehralschaos.

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29 thoughts on “Beim zweiten Kind wird alles besser

  1. Wundervoll geschrieben & ich kann es nur unterschreiben!

    Ich persönlich finde es viel leichter mit zwei Kinder. Unsere Kinder sind jetzt 8j & (fast) 4j. Sie spielen unglaublich gern zusammen, lachen viel & ich hab mehr Zeit für Haushalt & co als mit einem Kind.
    Es ist auch wunderschön zu sehen wie âhnlich die Kinder sind & dann doch so unterschiedlich.
    Das leben mit mehrere Kinder muss man einfach erleben, denn was man dort erlebt,kann man kaum in Worte fassen!

    LG Nicky

  2. Hach ist das schön, das ich jetzt offiziell zu dem Thema kommentieren kann.. Ich komm auch gerade ins Grübeln, wie das alles so klappt mit dem zweiten.. Ich habe ja noch ein bisschen Zeit, bis es soweit ist, aber man macht sich halt Gedanken.

    Da ich aber schon bei dem Mini-Göörl recht entspannt war, denke ich wird das mit dem zweiten auch hinhauen.. Muss ja 🙂

    LG Nicola

  3. Liest sich sehr gut und lässt mich weiterhin hoffen. Uns wurde so viel Angst gemacht, dass nur drei Jahre Altersabstand perfekt wären und vier zu viel. Kommt bestimmt auch immer auf die Kinder an.
    Mal sehen, wie das wird, wenn die Kleinen älter sind…
    Liebe Grüße
    Sarah

  4. Toller Artikel – ich schau mal was ich aus meiner Situation heraus erzählen kann – so plötzlich Zweifachmama ist ja nicht zu vergleichen mit einem Baby als zweites Kind 🙂
    Hab noch tolle letzte Tage und Du hast einen kleinen heimlichen neuen FAN – meinen MANN!!!! 😉

  5. Meine Töchter sind nur 1,5 Jahre auseinander. Ich hatte das Glück, dass die Kleine im ersten Jahr sehr viel geschlafen hat, und danach konnten sie ja schon gut miteinander spielen. Ich denke, es ist anders, wenn das zweite Kind Koliken hat, nicht durchschläft, oder der Ehemann nicht unterstützt. Dann ist man vermutlich sehr schnell am Ende seiner Kräfte.

  6. Genau! Meine beiden sind 1 3/4 Jahr auseinander… Nichts hat mein anstrengendes erstes Kind so gefalle, wie das zweite zu betüddeln, abzuknutschen, ihr Spielzeug hinzuschleppen (bis sie 12 Monate war, sass sie mitten im Wohnzimmer, bewegungslos, es war ja unnötig, zu einem Spielzeug HIN zu krabbeln… Sie machte "äh!", streckte des Arm aus – und der Sohn schleppte ihr Spielzeug an…). Noch heute – als Teenager – lieben sie sich heiss und innig, obwohl sie vom Charakter total verschieden sind…
    Arbeitsmäßig war es auch sehr entspannt, es waren beide gute Schläfer, was echt schon "die halbe Miete" ist, da der Tag entspannt beginnt… Man weiss, das erste Kind hat die elterliche Pflege gut überstanden, und kann gelassen mit dem zweiten umgehen…
    Also, keine Angst, das regelt sich alles! Und immer bedenke, wenn man nicht dazu kommt, den Haushalt wie im Katalog aussehen zu lassen: Kinder erinnern sich später an schöne Spiele mit den Eltern, an besondere Rituale – und sie werden NIE sagen "bei uns war es früher so schön aufgeräumt!" ;o)

  7. hahaha, so wahr ;-))) Mit dem zweiten Kind sieht man es zwingend lockerer, anders würde man glaub ins Rotieren kommen. Aber der Schlaf ist echt die halbe Miete. Mütter mit Kindern, die nicht durchschlafen, haben es da echt härter als die anderen. Ich hatte Glück – beide schlafen heute (meistens) durch.

  8. Ich würde sagen, die Mischung macht's.
    Vieles wird einfacher, anderes schwerer, und noch Anderes einfach anders.
    Komischerweise schafft man aber immer mehr!
    Man entdeckt sein eigenes Potential und lernt aber auch seine Grenzen kennen.
    Die 2 Großen haben einen Abstand von zweieinhalb Jahren. Fand und find ich immer noch praktisch.
    Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die Große das Mädl war und schnell sehr selbstständig…
    In einigen Tagen kann ich dann berichten, wie es mit 3en läuft – jetzt liegen weitere 8 Jahre dazwischen…

  9. Mein erstes und zweites Kind kamem gleichzeitig (Zwillinge) – nun habe ich 5 Jahre später Kind 3 bekommen und kann nur sagen – ich bin tiefenentspannt 😀 Nach Zwillis haut einen nichts mehr um und ich bin heute mit drei Kindern deutlich entspannter als als damals mit zwei Babys gleichzeitig.

  10. Vielen Dank für deine tollen und herzerwärmenden Worte.
    Ich bin mit dem zweiten Kind schwanger und mache mir irre viel Gedanken. Unser Zeitmanagement war bisher schon streng geregelt. Mein Mann und ich haben beide im 3-Schichtsystem gearbeitet. Ich bin jetzt raus wegen Komplikationen. Zudem will der Hund Gassi und der Haushalt macht sich leider doch nicht von allein. Aber egal,was kommt, ich hoffe,ich kann wieder genauso toll stillen wie bei meinem Sohn und das es genauso gesund sein wird. Angst ist ,glaube ich, natürlich. Angst vor dem Unbekannten. Und wenn es hier nächstes Jahr aussieht wie Kraut und Rüben – solange die Kinder satt und versorgt sind – muss ich lernen,das es mir egal sein sollte 😉

  11. Wie schön geschrieben dein Artikel ist.
    Meine beiden Sind 4 Jahre auseinander. Auch ich hatte Ängste…wie nimmt die große es auf, kann ich beiden gerecht werden….und ich sage ja man kann das. Die große vergöttert
    Ihren knapp 7 Monate alten Bruder. Selbiges gilt aber auch für die große; betritt Sie den Raum strahlt Sohnemann übers ganze Gesicht…diese Momente kann man nicht in Worte fassen. Sie sind einfach wunderschön.
    Bei der großen habe ich auf alles geachtet…aber beim 2. Sieht man es echt lockerer….
    Ja es ist auch anstrengend aber man schafft alles irgendwie ��ich liebe meine 2 süßen ��
    LG Sabrina

  12. Leider kann ich dazu nichts sagen. Bin im August 2014 zum ersten Mal Mami geworden, nach dem wir 5 Jahre auf unsere Maus gewartet haben und eigentlich schon abgeschlossen haben. Da ich dieses Jahr schon 40 werde, wird unsere Maus wohl ein Einzelkind bleiben.
    Gewünscht hatte ich mir immer zwei, gerne eine Mädchen und einen Jungen.
    Aber so sind wir auch sehr glücklich und freuen uns über unser Weihnachtswunder 2014 🙂

  13. Liebe Mama OTR,
    ich hoffe, ich habe mit meiner Contra-2.Kind-Liste keinen verschreckt? Bin eben nun mal realistisch, aber ich denke, dass jedem diese Punkte klar sind und sich glücklicherweise trotzdem sehr viele für weitere Kinder entscheiden 🙂
    Viele Grüße aus London,
    Uta

  14. Ganz kurz vor knapp noch geschafft, darüber zu bloggen!
    Ich denke, bei uns wird vieles ähnlich werden wie bei euch, denn der Altersabstand kommt ja fast hin. Ich freue mich auf das Leben mit den zwei Mäusen und darauf, sie auf ihrem Weg in die Welt zu begleiten. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können 🙂
    Liebe Grüße

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