12 Berliner Besonderheiten, die man nur als Tourist merkt

Zum Abschluss meiner Reiseeindrücke, hier noch die Sonderlichkeiten, die mir als Touristin in Berlin aufgefallen sind.

Eins
In Berlin gibt man sich keine Küsschen. Man begrüsst sich, indem man sich herzlich umarmt und die Schultern aneinander drückt. Also zumindest die Frauen, die ich begrüsst habe und die jeweils irritiert waren, wenn ich als Schweizerin drei (3!!!) Küsschen geben wollte. Nur so nebenbei: Berliner, geht nie nach Paris, da gibt man sich vier Küsschen (4!!!). Auch die Männer unter sich.

Zwei
Die Berliner Schnauze ist kein Gerücht. Es gibt sie. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass der Kellner im Café Schmück uns so angeraunzt hat die ganze Zeit. Endwinterwunders benutzten Teebeutel wollte er nicht vom Tisch abräumen. Als ich Endwinterwunder leise zuflüsterte: «Hä, was soll denn das?», starrte er mich missbilligend an («MamaOTR, 6, setzen») und faselte irgendetwas von bestimmten Laufwegen und Abläufen. Aha. Und als der Koch (er kam zumindest aus der Küche, also nennen wir ihn Koch) die Brötchen für das Frühstück brachte und wir nicht gleich reagierten, schnappte der: «Ich kann auch wieder gehen, wenn es euch nicht passt.» Okaiiiiiiiiiiii……..

Nur ein Einzelfall? Als ich beim Fernsehturm im Shop meine Goodies für Kind und Kegel bezahlen wollte, entdeckte ich auf der Auslage vor der Kasse noch Magnete, die ich begutachtete. Die Dame an der Kasse angesäuert: «Ach, jetzt schauen Sie DAS auch noch an!» (hier pampigen Gesichtsausdruck einfügen). Pah, und auch der Type an der Garderobe im Fernsehturm insistierte sehr sehr unfreundlich, dass wir bitte die Jacken NICHT abgeben können, weil wir NICHT ins (sau)teure Restaurant gehen wollten; nein, WIRKLICH NICHT.

Drei
Pünktlichkeit – zumindest nach Schweizer Verständnis – gehört wohl nicht zum Programm. Dank Andreas falscher Wegbeschreibung war ich ja 10 Minuten zu spät beim Frühstück mit den Berliner Bloggerinnen. Ich stand vor der Tür, atmete durch und dachte panisch: „Au weia, die werden mich jetzt alle anstarren, die unpünktliche Schweizerin, wie peinlich!“ Ich betrat das Café – drei Nasen und ein Näschen waren da: Susanne Mierau, die @Zweifachmama und Jessi von feiersun mit Motte. Sie sassen an einem rieeesigen Tisch, alleine. Wo waren denn alle? Nach mir trudelte irgendwann der Rest der Truppe ein, so dass der Tisch am Ende tatsächlich voll belegt war. Wie es ausschaut, gilt in Berlin also mindestens die akademische Viertelstunde.

Vier
Ampeln ticken in Berlin anders – zumindest für die Fussgänger. Sie ticken nämlich tatsächlich, es klingt nach einem Klick-Klack-Wirbel. So sollen die Blinden wissen, wann sie über die Strasse gehen dürfen. Naja, für mich klang es immer gleich. Klick-Klack-Klick-Klack. KLOCK?

Fünf
Über die Besonderheiten der U-Bahn habe ich hier schon berichtet.

Sechs
Die Urania-Weltzeituhr funktioniert tatsächlich! Wusste ich im ersten Moment nicht. Ich dachte ja, die sieht nur hübsch aus. Oh, bin ich blond?

Sieben
Bevor Endwinterwunder und ich am ersten Abend Andrea zum Abendessen trafen, hatte ich schon sooooo Hunger. Endwinterwunder meinte pragmatisch (nachdem ich mehrfach dezent auf den Bärenhunger hingewiesen hatte), ich solle an einem Schnellimbiss in der U-Bahn-Station etwas essen. Da gab es VEGANE Sandwiches! Das scheint für euch ja Alltag zu sein, für mich ist das absolut exotisch. VEGAN! In der Schweiz flüstert man das eher, als dass man es isst. Ich nahm dann ein normales Club-Sandwich (vegan flüstere ich ja nur) und staunte nicht schlecht: Es gab zwei zum Preis von einem – um es einem Obdachlosen schenken zu können. Ich gab es dann Endwinterwunder, die auch hungrig war.

Acht
Es gibt nicht nur veganisches veganes Fastfood, es gibt auch mexikanisches mexikanes Fastfood! Im Alexa-Shoppingcenter wollte ich mit Andrea noch einen Tee trinken gehen. Als ich aber beim Mexikaner vorbeikam, konnte ich nicht widerstehen. ME-XI-KA-NI-SCH-ER-FAST-FOOD, HALLLLOOOO?!?!?! Ihr wisst gar nicht, wie toll ihr es habt. Wenn ich mich auskennen würde als Wirtin, würde ich jetzt in der Schweiz einen Fastfood-Mexikaner aufmachen, grosse Marktlücke. Que vivan las quesadillas!! Allerdings müsste ich dann mitten in der Nacht arbeiten. Lache mich grad selber schief.

Neun
Nachts kam ich jeweils nach Mitternacht im Hotel an. Einige Häuser nebenan wurde noch fleissig gearbeitet, Holz zersägt, poliert. Um Mitternacht! Da wäre in der Schweiz schon längstens die Polizei aufgetaucht.

Zehn
Als Touristen sind mir aufgefallen: extrem viele Spanier. Das merkt ihr nicht einmal (keine der von mir befragten Berlinerinnen konnte mir da Auskunft geben). Eine heimliche Invasion der Spanier, und der Quesadillas. Ausserdem hörte ich Russisch. Und Spanisch, Spanisch, Spanisch. Und Deutsch (Sächsisch??).

Elf
Faszinierend fand ich die Wurstverkäufer am Alex. Die haben einen ganzen Grill um den Bauch gebunden und verkaufen so direkt Würste vom Bauch äh vom Grill für 1,39 Euro das Stück. Muss das eine Hitze sein, und schwer zu tragen! Ein echter Knochenjob und bestimmt mies bezahlt. Meine Hochachtung dafür. Eine Wurst habe ich trotzdem nicht gekauft, wegen Bauch und so.



Das Beste kommt zum Schluss: Drölf
Es gibt offizielle Ladestationen für Smartphones, wie geil ist das denn!

Habe ich noch etwas Wichtiges vergessen? Was ist euch in Berlin noch so aufgefallen?

PS Nachtrag: Sneakers! Halb Berlin trägt Sneakers, obwohl es eiskalt draussen ist.

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7 thoughts on “12 Berliner Besonderheiten, die man nur als Tourist merkt

  1. Ich hätte noch ewig weiterlesen können, so gut geschrieben! Kannst du diesen "Reiseführer" bitte auch noch über andere Metropolen schreiben? darfst du Studienzwecken auch gerne nochmal nach Berlin reisen um nach drölf noch Teil 2 rauszubringen. Wusstest du, dass in Berlin die Currywurst erfunden wurde? Oder dass man im Sommer ein Getränk namens "Berliner Weiße" trinkt (die aber gar nicht weiß, sondern entweder rot oder grün ist)? es gibt noch viel zu entdecken 🙂 I'll wait for you <3

  2. Verrückt! Ich vertrete ja die Ansicht, die Berliner Schnauze gibt es nicht. Entweder habe ich selber so ne Schnauze, dass es mir nicht mehr auffällt, oder ich bin so verliebt in die Stadt, dass ich debil lächelnd herumlaufe und alle nur noch mitleidsvoll lächelnd vor mir stehen und nix mehr sagen. Irgendwie so. Aber ich werde immer angelächelt und nett behandelt. Sogar von hübschen Männern im Supermarkt!! 😀

  3. Sehr schön zusammen gefasst und immer wieder lustig zus sehen, wie "Touristen" die Hauptstadt so wahrnehmen 😉
    Ich als Fast-Berlinerin nehme das nur noch ganz selten wahr.

    Liebe Grüße
    Stephi

  4. Wie schön zu lesen, wie du Berlin erlebt hast. Und was den Berliner Charme angeht.. nun ja, ich schäme mich, aber ein bißchen habe ich dir das ja auch angedeihen lassen. So ist das halt mit uns. Raue Schale und so.
    Es klickt übrigens wirklich anders an den Ampeln. Ich werde das irgendwann mal für dich aufnehmen. Und dann darfst du raten.

    Liebe Grüße,

    Andrea

  5. Hihi.. das mit den Küsschen hat mich in Frankreich (oder wenn "unsere" Franzosen zum Gegenbesuch da waren) auch immer kurz irritiert.. witzig wirds dann noch, wenn mal als "Knutsch-Neuling" nen Moment zu langsam ist.. krchkrch..

    Den laufenden Grill kannste auch in Hannover bewundern, auch wenn das wohl mit das einzige dort ist 🙂 Wäre aber näher an mir dran 🙂

    LG Nicola

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