Den perfekten Moment für Kinder gibt es nicht

Als Kind war ich davon überzeugt, dass ich mit 25 verheiratet und Mutter sein würde. 25 war alt. Irgendwann (und irgendwie…) bin ich dann 25 geworden und fühlte mich so gar nicht alt. Ich war mitten im Studium, von einem potenziellen Ehemann weit und breit nichts zu sehen. Familie, das würde dann «irgendwann» nach dem Studium kommen. Zuerst wollte ich noch arbeiten. Aber ich hatte einen Plan: verheiratet, zwei Kinder. Mit 30.


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2005 habe ich meinen Mann kennengelernt. Ich war damals 28. Wir waren vom ersten Moment an auf einer Wellenlänge. Wir wollten die gleichen Dinge, hatten die gleichen Werte. Wir wussten, dass wir irgendwann heiraten wollten (uns?), Kinder kriegen, zwei am liebsten. Ein Mädchen und ein Junge. Das war der Plan.

Schwanger trotz Karriere
Wir heirateten im Mai 2008. Im Dezember 2008 gingen wir auf grosse Hochzeitsreise nach Südamerika, wo wir schwanger werden wollten – das war der Plan, denn mein Job zu der Zeit war so unglaublich laaaaaaangweilig. Ich wollte also ein Kind kriegen und zuhause bleiben. Nur: Planen lässt sich sowas nur schlecht. Ich wurde nämlich nicht schwanger. Nach dem Urlaub lief mir meine frühere Vorgesetzte über den Weg. Sie bot mir einen Job als Chefredaktorin an. Mein Ehrgeiz meldete sich. Chefredaktorin!!! Das war immer mein Ziel gewesen! Aber ich wollte doch schwanger werden?! Mein Mann und ich diskutierten viel, am Ende war klar: Wir können unsere Zukunft nicht um ein imaginäres Kind herum planen. Was wussten wir schon, ob ich tatsächlich schwanger werden konnte? Ob es direkt klappte? Sollte ich deswegen auf einen solchen Karrieresprung verzichten? Ich konnte das nicht und sagte zu. Zuhause weinte ich, als ich den Vertrag unterschrieb. Nicht vor Freude, sondern weil ich traurig war, dass das Thema Schwangerschaft jetzt erstmal auf Eis liegen würde.

Zwei Wochen später merkte ich, dass ich schwanger war. Ich konnte mein Glück kaum fassen und schwankte zwischen Euphorie und Hysterie. Ich hatte soeben den Vertrag als Chefredaktorin unterschrieben und würde in einem Monat die neue Stelle antreten. WTF?! Aber die Freude war gross, das war alles, was zählte.

Ich begann meinen neuen Job bei meinem vorherigen Arbeitgeber in Topposition und liess mir nichts anmerken. Bis Ende des vierten Monats. Meine Chefin fiel aus allen Wolken, aber sie akzeptierte es. Was hätte sie auch tun sollen? Ich war zu diesem Zeitpunkt 32.

Ich arbeitete bis zwei Wochen vor der Geburt 100%. LadyGaga kam im November 2009 zur Welt. Ich arbeitete direkt nach dem Mutterschutz wieder 80% (in der Schweiz gibt es keine Elternzeit), denn ich stand ja erst am Anfang meiner Karriere. Und ganz ehrlich, aus heutiger Sicht: Ich habe es für mich und für uns richtig gemacht.

Alles beginnt von vorn
2011 übernahm ich zusätzlich die fachliche Leitung über das gesamte Team. Eigentlich beschäftigten wir uns privat zu jener Zeit mit der Frage nach dem zweiten Kind. Aber ich sagte zu meinem Mann: Der Zeitpunkt stimmt nicht, man braucht mich im Büro. Ich kann das Team nicht im Stich lassen. Ende 2011 erhielt ich die Kündigung, sozusagen wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem neuen Chef. Ich war so wütend, ich hatte unsere Familienplanung nach hinten verschoben, aus Liebe zum Job. So nicht! Und BUMM! Innerhalb kürzester Zeit wurde ich wieder schwanger. Aber ich verlor das Baby im März 2012. Ich war zu dem Zeitpunkt arbeitslos. Und im Juni 2012 wurde ich wieder schwanger. Es ergab alles einen Sinn. Ich arbeitete nicht, also könnte ich mich dann um die Kinder kümmern. Und BUMM! Im August verlor ich auch dieses Baby. Über die Fehlgeburten habe ich bereits hier gebloggt.

Diese zweite Fehlgeburt hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich war am Ende des 3. Monats und musste eine Ausschabung vornehmen lassen. Und ich weiss ganz bestimmt, dass es ein Mädchen war, sie hatte bereits einen Namen. Ich war so fertig, dass ich nicht mehr sicher war, ob ich je wieder schwanger werden wollte.

2013 arbeitete ich wieder. Der Kinderwunsch aber wurde immer grösser, irgendwie fehlte einfach jemand in unserer Familie. Wir machten keinen Plan mehr, wogen nicht mehr das Für und Wider ab. Wir wussten einfach, dass da noch ein Baby zu uns wollte. Und dass wir das alles irgendwie geschaukelt kriegen würden, egal, an welcher Stelle der Karriereleiter ich dann gerade stehe. Im März 2014 kam unser geliebter Copperfield zur Welt. Seit Juli 2014 arbeite ich selbständig im Home office – eine glückliche Fügung. Ich konnte Kinder und Karriere unter einen Hut bringen.

Und wenn ich heute aus eigener Erfahrung ein Stückchen Weisheit weitertragen darf, dann vielleicht dieses: Den richtigen Zeitpunkt für ein Baby gibt es nicht. Der Zeitpunkt wird erst perfekt durch die Geburt eures Kindes.

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade #Planänderung von der lieben Kerstin von chaoshoch2.

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5 thoughts on “Den perfekten Moment für Kinder gibt es nicht

  1. Wie heißt es so schön: Leben ist das, was passiert während du damit beschäftigt bist, Pläne zu machen…besser kann man es nicht sagen…

  2. Es gibt niemals den richtigen Zeitpunkt – nur verschiedene Ansichten mit der Sehnsucht um zu gehen. Eine tolle ist und war es, sich mit ihr auseinander zu setzen und fest zu stellen: Hier ist nix komplett. Hier fehlt noch was, noch wer. Wann, ja das ist nun meine Challenge – auf das Wann warten….
    Aber hey, ich glaube wieder daran und daran bist Du nicht ganz unschuldig!!! Danke dafür!!!!!!! :-*

  3. "Wenn's kommt, kommt's, wenn nicht, dann halt nicht." Mit der Einstellung sind wir inzwischen auch zweifache Eltern geworden. Job? Wird schon. Wenn eins sicher ist, dann, dass das Leben seinen Weg schon finden wird. Danke für den Text.

  4. Normalerweise bin ich stille Leserin, aber dein Artikel spricht mir aus der Seele!

    Ich bin Mitte zwanzig und meine Kleine kam im August 2014 auf die Welt – ein absolutes Wunschkind! Wir haben zwei Jahre am Nachwuchs gebastelt, und sobald ich die Hoffnung aufgegeben hatte und wir uns auf die Adoptionsliste setzen ließen, wurde ich schwanger. Wir waren komplett aus dem Häuschen vor lauter Freude!
    Nur unser Umfeld konnte sich nicht so recht freuen – ich arbeitete, studierte nebenbei und mein Mann war am Sprung zur Selbstständigkeit. Und genau diesen Satz hatten wir als Mantra: den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht, unser Kind hat sich uns zu genau diesem Zeitpunkt als Eltern ausgesucht!

    Und wie froh wir waren, als sie endlich da war! Liebe Grüße

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