Murphy’s law im Urlaub

«Über sieben Brücken musst du geh’n,
sieben dunkle Jahre übersteh’n,
siebenmal wirst du die Asche sein,
aber einmal auch der helle Schein.» (Peter Maffay)



Jeder vor uns kennt Murphy‘s law. Das Butterbrot fällt immer mit der Butterseite auf den Boden. Wenn etwas schief gehen soll, geht es schief. Und zwar so richtig. Auch im Urlaub in Südfrankreich waren wir nicht davor gefeit. Hier unsere sieben Brücke-Asche-Momente mit einem grandiosen Finale.

Brücke-Asche-Moment 1
Copperfield hat sich in diesem Urlaub plötzlich in den Kopf gesetzt, dass er nur möglichst lange möglichst schrill schreien muss, um seinen Willen durchzusetzen. Ich stehe seither jeweils kurz vor dem Tinnitus oder einem Hörsturz, sobald er mit seinem Organ ansetzt (bevorzugterweise auf meinem linken Arm sitzend und in mein Ohr brüllend). Ja, er brüllt immer noch.

Brücke-Asche-Moment 2
Ergo schrie Copperfield im Urlaub jedes Mal genau dann, wenn wir in einem Restaurant essen wollten. Wäre sonst ja nicht Murphy‘s law, denn ohne Publikum ist Schreien nicht lustig. Naja, mit Publikum ist es das auch nicht. Hinzu kommt hier das Problem des offenbar Pawlowschen Reflexes: «Oh, Mami und Papi wollen essen, ich schrei dann mal gleich los, sonst bemerken sie mich ja gar nicht.» (und ja, wir haben alles ausprobiert, um ihn zu beruhigen: Fläschchen geben, Mitessen lassen am Tisch, Sitzen im Kindersitz, Sitzen im Kinderwagen, Liegen im Kinderwagen, Schnuller rein, Schnuller raus, Brot geben, Wasser, Herumtragen, Wickeln… you name it!).

Brücke-Asche-Moment 3
Menschen mögen keine schreienden Kleinkinder. Auch nicht in Spanien, Frankreich und Italien. Folgendes ist mir im Urlaub aufgefallen:
Restaurant in Spanien (Nähe frz. Grenze): missbilligende Blicke der anderen Gäste. Ich wurde angeschaut, als wäre ich der Ursprung allen Übels. 
Restaurant in Frankreich (bei Nizza): Kellnerinnen trösten Copperfield und lenken ihn ab, scherzen mit uns Eltern und muntern uns auf.
Restaurant in Italien: Restaurantbesitzerin tadelt mich, weil LadyGaga den brüllenden Kleinen bespasst, während ich eilig meinen Lachs runterwürge, um danach den Pawlowschen Hund Copperfield möglichst schnell ruhigstellen zu können. Die Dame aber sagt sehr unfreundlich: «Da haben Sie aber Glück, dass Sie so eine tolle Tochter haben.»

Tja, stimmt wohl doch nicht, dass alle Spanier und Italiener Kinder liieeeeeeeeben.

Brücke-Asche-Moment 4
In Nizza wollten wir meinen Bruder und Familie treffen, die spontan zur gleichen Zeit ebenfalls ein paar Tage dort verbrachten. Alles easy? Wenn wir mit einem Smart unterwegs gewesen wären vielleicht. Mit unserem SUV kamen wir aber in kein einziges Parkhaus, und die Strassen von Nizza sind so überfüllt, dass der Titel «Über den Dächern von Nizza» eine ganz andere Bedeutung erhält. Die Autos fahren und parkieren kreuz und quer. Nach anderthalb Stunden (!!!) Parkplatzsuche wurden wir schliesslich fündig. Mit zwei Kindern im Heck – das muss man erstmal hinkriegen!

Brücke-Asche-Moment 5
LadyGaga war begeistert vom Campingplatz und liess das auch alle spüren – seit unserer Ankunft in Cagnes-sur-Mer redete sie ohne Punkt und Komma auf mich ein. «MamiweisstDuwaaaaaaaas?» Und dann kam wieder irgendwas an Information, das man sich zu einem grossen Ganzen zusammenbröseln musste. Mein Gehirn wurde somit zwangsläufig zu Matschpampe, ich schwör’s. Ein Ohr wurde zugebrüllt von einem Copperfield, der den Campingwagen nicht ausstehen konnte, das andere wurde regelrecht zugequatscht. Ich bin mir noch unschlüssig, was ich schlimmer fand.

Brücke-Asche-Moment 6
Stress verdichtet sich ja gerne. Zu einem fetten Klumpen. Ein Beispiel: Die Autofahrt nach Sanremo in Italien dauerte ungefähr eine Stunde. Eine Höllenfahrt! Die Autobahn ist auf dieser Strecke so eng und schlingt sich um die Bergketten. Es wird gefahren, als gäbe es kein Morgen mehr. Blinker? Gibt es nicht. HELP! Ich bohrte meine Finger in die Autoarmaturen und kreischte von Zeit zu Zeit. Oder stöhnte. Oder hielt die Augen zu. Meine Nerven! Die Autobahn-Maut bezahlt man jeweils an Kassen direkt auf der Strasse. Auf dieser Stecke waren das jeweils kleine Beträge von 1 Euro irgendwas bis 3 Euro irgendwas. Ich zählte also zitternd das Kleingeld ab. IMMER unterbrochen von einem «DuMamiiweisstDuwaaaaaassss?», das mich von hinten beschallte. Grrrrrrr.

Brücke-Asche-Moment 7
Ausflüge. Wer kommt denn überhaupt auf die beknackte Idee, mit zwei Kids Ausflüge machen zu wollen?! Wir waren unter anderem in Saint Paul de Vence, einem malerischen Städtchen in den Bergen bei Nizza, in dem früher viele berühmte Maler wie Chagall und Monnet gewohnt haben. Die ganze Stadt ist eine mittelalterliche Festung. Aber wenn Copperfield nicht gerade unruhig war oder schrie, maulte LadyGaga – obwohl es ihr eigentlich sehr gut gefiel, da die ganze Stadt eine Fussgängerzone ist, verwinkelt mit vielen kleinen Gassen, durch die sie rennen konnte.

Die Stadt ist absolut sehenswert, vor allem, wenn man sich für Kunst und Geschichte interessiert. Mein Mann und ich waren zum zweiten Mal dort. Ohne Kinder ist es aber deutlich angenehmer.

In Sanremo wollten wir flanieren – und waren ernüchtert. Irgendwie haben wir uns den Teil von Sanremo ausgesucht, der einfach nur ganz ganz furchtbar trist war. Eine Bruchbude ist von einem Grandhotel übrig, die Palmen sind abgesägt. Alles war alt und im Abbruch. Es gab nichts zum Flanieren, nur den kleinen, engen Strand. So hatte ich mir Sanremo nicht vorgestellt! Wir merkten dann aber, dass wir weiter in die Stadt hinein hätten fahren müssen. Aber mit unserem SUV hätten wir dort eh wieder keinen Parkplatz gefunden (wir waren gebrandmarkt durch Nizza…). Ausserdem war Copperfield wieder nicht in his best mood, wenn ihr wisst, was ich meine (siehe Brücke 1-3).

Einmal auch der helle Schein
Ja, wir hatten ihn, den hellen Schein. Am letzten Urlaubstag gingen wir noch nach Antibes in der Nähe von Nizza, wo es den grössten europäischen Meeres-Themenpark gibt, Marineland. Es gab Orkas, Delphine, Seelöwen, Haie, Schildkröten… Es war einfach toll! Copperfield schlief tatsächlich einmal in seinem Buggy (das ist sonst nicht so seins) und war ansonsten sehr an den Tieren interessiert. Die Orka- und Delphin-Show konnten wir tatsächlich mit LadyGaga relativentspannt geniessen, während Copperfield um uns herum krabbelte. Seht selbst:

Wenn ich euch also etwas empfehlen kann als Familienausflug an der Côte d’Azur, dann das: Marineland! Direkt daneben hat es übrigens einen riesigen Wasserrutschenpark und Minigolf. Und sieben Brücken soll es ja auch geben.

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