Wie unsere Kinder die Grenzen ausloten

LadyGaga schrammt sich aktuell gerade so durch den Familien-Alltag. Sie ist immer ein Spürchen zu frech, einen Tick zu vorlaut, wenn sie mit mir spricht. Sie äfft mich nach, ist patzig, altklug-besserwisserisch-penetrant, gerne beleidigt. Aber eben: es ist nur eine Spur zu viel, ein Amuse-bouche sozusagen. Gerade so viel, dass ich sie nicht ermahnen kann muss. Sonst würde ich nämlich die ganze Zeit nur noch schimpfen. Und irgendwie bin ich mir sehr sicher, dass sie das ganz ganz GANZ genau weiss. Sie lotet die Grenzen aus. Kinder sind ja so raffiniert.
Bis hierhin und nicht weiter – wann ist die Grenze wirklich erreicht? © Bild: Fotolia
Copperfield, seinerseits diplomierter Um-den-Finger-Wickler, entwickelt parallel dazu Allüren. Im Urlaub hat er begonnen zu brüllen, wenn es nicht nach seinem Gusto ging. Im Sinne der Öffentlichkeit und unserer Nerven weit weg von den heimatlichen Gefilden haben wir im Urlaub nachgegeben, so dass er natürlich flugs gelernt hat: Wenn ich brülle, kriege ich, was ich will. OMG! Kaum zuhause, haben wir die Regeln wieder gekehrt und ihn auch mal toben lassen vor Wut, damit er merkt, dass es eben doch nicht immer nach seinem Köpfchen geht. Er schreit wieder weniger bzw. ist wieder «normal». Allerdings hat das viele Gebrüll etwas mit meinen Ohren gemacht. Ich denke, ich habe eine Art Schmerzgedächtnis entwickelt: Sobald Copperfield doch wieder in einer bestimmten Tonlage und Lautstärke zu schreien beginnt, verschliesst sich alles in mir vor Ohrenschmerz und ich bin komplett erstarrt und handlungsunfähig. Wirklich! So geschehen diese Woche: Er ist hingefallen und hat danach geschrien vor Schmerz und Schock (logo). Ich konnte ihm nicht wirklich helfen und stand nur wie betäubt neben mir selber, obwohl ich ihn zum Trösten im Arm hatte. Das war echt merkwürdig. Kennt das jemand von euch? Geht das vorüber?
Copperfield versucht sich nun auch sonst mit allen Mitteln Gehör zu verschaffen. Vor allem wenn LadyGaga etwas macht, das ihm nicht passt, weint er sofort los. Aber nicht, ohne vorher abzuchecken, ob jemand von uns Erwachsenen ihm auch dabei zusieht – und auf ihn reagiert. Früher haben wir LadyGaga oft ermahnt, dass sie nicht so grob zu Copperfield sein soll, ihm keine Spielsachen aus den Händen reissen muss etc. Das hat er sich wohl gemerkt. Sie geht aber sehr gut mit ihm um, ist eine tolle grosse Schwester, die gerne mit ihrem kleinen Bruder spielt und sich bereits auch mit ihm gegen uns Eltern solidarisiert. Aber wie ich festgestellt habe: Sie ist auch zu gut zu ihm – weil wir das als Regel festgesetzt hatten («Er ist der Kleine, Du die Grosse – von Dir erwarten wir nun mal mehr»).
Tjaaaaaaa…….. Copperfield lotet jetzt kontinuierlich seine Grenzen als Nesthäkchen der Familie aus. Gestern sass er auf seinem kleinen Sofasessel, LadyGaga wollte zu ihm. Ich sass dabei. Der Kleine fing sofort an zu schreien wie am Spiess, weil er das nicht wollte. Er beugte sich zu seiner grossen Schwester und haute ihr vehement ins Gesicht. LadyGaga liess es stoisch über sich ergehen. Für einen kurzen Moment war ich perplex. Und habe dann unsere Regeln (in diesem Fall: «Er ist noch so klein, er meint das nicht so! Sei nicht böse auf ihn») sofort geändert:«NEIN Copperfield, das darfst Du nicht! Du darfst LadyGaga nicht hauen. Wir sind lieb zueinander. LadyGaga, wenn das wieder passiert, darfst Du ihm das auch sagen: „Wir hauen uns nicht. Ich möchte nicht, dass Du mich haust. Nein!“ Er ist jetzt alt genug, um das zu verstehen.»
 
Grenzen ausloten. Regeln anpassen. Ein ewiger Kreislauf. Wie ist das bei euch so?
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4 thoughts on “Wie unsere Kinder die Grenzen ausloten

  1. Wenn der eine nicht heult, dann bestimmt der andere…aalso irgendeine Phase hat immer einer unserer drei. Und ja sie wissen auch genau welche knöpfe sie drücken müssen um uns Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs zu bringen…und auch untereinander schauen sie wie weit sie gehen können, noch alles im Rahmen, aber oft einfach anstrengend; -)

    Liebe Grüße
    Stephi

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