Die Schweiz und ich – Gastbeitrag von Runzelfüßchen

Was ich angekündigt habe, trifft jetzt ein: Ich bin dann mal weg! Ich lasse meine tolle Leserschaft aber nicht im Trockenen stehen, sondern habe ein ganz besonderes Schmankerl vorbereitet. Zum ersten Mal in der Geschichte meines Blogs (hüstel) habe ich andere Blogger für einen Gastbeitrag angefragt. Und freue mich riesig darüber, dass alle spontan zugesagt haben, etwas zum Oberthema «Ich und die Schweiz» zu schreiben.

So oder ähnlich habe ich das Thema bei den Bloggerkollegen angeteasert: «Warst Du schon mal in der Schweiz? Was für Klischees kennst Du? Wie nimmst Du die Schweiz wahr? Gibt es irgendeine witzige Anekdote? Du bist komplett frei im Text, auch bezüglich Form. Es muss einfach irgendetwas mit der Schweiz zu tun haben.» Herausgekommen ist ein irrwitziges Sammelsurium, das genauso bunt und vielfältig ist, wie die Schweiz selbst.

Den Schweizer Reigen starten wir mit Andrea von Runzelfüßchen, die ich jüngst auf dem Blog vorstellen durfte. Sie ist Berlinerin durch und durch und hat tatsächlich einmal eine Reise in die ferne, ferne Schweiz gemacht. Begeben wir uns also mit ihr in die Luft und über die Alpen in ein kleines Land mit weissem Kreuz auf rotem Grund, wo bekanntlich alle Menschen «Heidi» singen. Da Andrea mittlerweile ja meine Freundin ist, hoffe ich schwer, dass sie mich mal besuchen kommt. Aber vielleicht lieber nicht mit dem Flugzeug.

***

Ich habe Flugangst. Das sollte ich vielleicht vorausschicken. Ich habe wirklich große Angst vor dem Fliegen und egal, was ihr sagt, es wird nicht besser. Egal, wie oft ich fliege (oft), egal wie kurz oder lang die Strecke ist. Ich habe Panik.

Und mit dieser Flugangst im Gepäck unternahm ich mal eine Reise in die Schweiz. Dort wohnt ein mir sehr lieber Mensch, den ich besuchen wollte. Und weil das mit der Bahn alles so umständlich war, nahm ich das Flugzeug. Einen Billigflieger noch dazu. Da der Herzensmensch in der Nähe von Bern wohnte und ein Auto hat, meinte er, ich solle einfach den billigsten Flieger nehmen, egal wo der hingeht. Anreise war also nach Genf, die Rückreise erfolgte über Basel. Und glaubt mir, hin war sehr viel schlimmer.

Bitte setzen Sie sich an den Notausgang

Ich stieg gemeinsam mit meiner Flugangst in dieses Flugzeug ein. Der mir ursprünglich zugewiesene Sitzplatz war irgendwas in Reihe 20. Nervös nahm ich Platz und wünschte mir, mal wieder, dass das Beamen schon erfunden worden wäre. Eine sehr freundliche Stewardess kam auf mich zu und meinte: «Wir würden Sie bitten, auf dem Sitz am Notausgang Platz zu nehmen. Es sind kaum Fluggäste an Board und der Notausstieg darf nicht unbesetzt bleiben.» Na bravo, dachte ich. Auf der Habenseite: mehr Beinfreiheit. Auf der anderen: Die rechnen da aus, wer wo sitzt? Bin ich zu schwer oder was?

Ich fügte mich also und nahm am Notausgang Platz. Nervlich war ich bereits in Genf. Die Türen wurden geschlossen, die Sicherheitshinweise nahmen ihren Lauf. Auf einmal kam Hektik in unsere kleine Reisegruppe. Der Grund: Ich saß da allein am Notausgang. Das ging aber nicht. Es wurde ein Aufruf gemacht, schließlich kam ein junger Typ und setzte sich zu mir.

Nur zu zweit am Notausgang

«Äh, wieso müssen wir denn hier zu zweit sitzen?», fragte ich mit schwitzigen Händen. Alles, was von der Norm abweicht, macht mich im Zusammenhang mit Fliegen gleich 100-mal nervöser. Und im Nachhinein, lasst euch das gesagt sein, hätte ich die Antwort lieber nicht gewusst. Die Stewardess war nämlich bemüht, ganz besonders ehrlich zu sein und sagte:

«Naja, im Fall eines Flugzeugabsturzes ist es nahezu ausgeschlossen, dass Sie da am Fenster überleben. Deswegen muss noch eine zweite Person neben Ihnen sitzen, die dann den Notausstieg öffnen kann!»

Na, äh, vielen Dank. Jetzt fliege ich doch besonders gern. Das Flugzeug erhob sich in die Lüfte, ich hatte mich inzwischen dem jungen Mann zu meiner Rechten anvertraut, der war bereit, mich aufzumuntern. Indem er mir verschiedene Absturzszenarien ausmalte. Wenn wir direkt nach dem Start abstürzen würden, dann hätte ich noch eine Chance aufs Überleben, mitten in den Bergen aber nicht mehr. So ging das eigentlich die gesamte Zeit.

Auf in die Schweiz – über die Berge

Der Flug dauerte nur kurz, alles in allem eine knappe Stunde. Die sich für mich natürlich sehr sehr viel länger anfühlte. Und, ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber kurz vor Genf fliegt das Flugzeug über lauter Berge, um dann irgendwo zwischen diesen Bergen zu landen. Und da herrschen nun äh… interessante Winde. Es wackelte und rüttelte und schüttelte und ich war bereits Willens, den Notausgang zu öffnen. Um quasi vor meinem Ableben dafür zu sorgen, dass alle anderen Flugreisenden das Flugzeug auf jeden Fall sicher verlassen können. Mein Sitznachbar hielt mich im letzten Moment davon ab und versprach, dass wir gleich in Genf landen würden.

Er behielt Recht, kurze Zeit später stand ich im Flughafen und wollte den Boden küssen. Der Herzensmensch holte mich ab, ich verbrachte eine tolle Woche dort und erklomm Berge mit Schnee, fuhr Seilbahn und aß jede Menge Käse und Schokolade (ich Klischee, ich). Mir graute vor dem Rückflug. Der Tag kam, ich habe vor Aufregung all meine gekaufte Schokolade am Gate vergessen. Ich trat diesen Flug also OHNE Nervennahrung an!

Kein weiterer Besuch in der Schweiz

Der Flug war aber sehr viel angenehmer (wenn man das so sagen kann). Ich saß irgendwo in der Mitte, weit weg vom Notausgang und auch allein in einer Reihe. Wir mussten nur über die Berge, aber nicht durch sie hindurchfliegen. Es wurde an Board Schokolade ausgeteilt und niemand sprach von Katastrophen. So muss das sein!

Ich bin übrigens bis zum heutigen Tag nie wieder in die Schweiz geflogen. Die Schokolade lasse ich mir von Séverine mitbringen (es wird mal wieder Zeit, meine Liebe… 🙂 ). Und Notausgänge meide ich trotz Beinfreiheit seitdem.***

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

2 thoughts on “Die Schweiz und ich – Gastbeitrag von Runzelfüßchen

  1. Haha, sehr cool. Als ich mit zwei Freundinnen in Amerika war, machten wir sehr viele Inlandsflüge. Beim ersten wurden wir beim Check in gefragt, ob wir am Notausgang sitzen wollen, und wir haben einfach "ja" gesagt.
    Im Flugzeug haben wir uns auch als erstes über die Beinfreiheit gefreut, bis die Stewardess gefragt hat, ob wir im Falle eines Absturzes in der Lage wären, die Ausgänge zu öffnen.
    Meine Freundinnen waren etwas geschockt, aber ich fand das sehr spannend. Allerdings hatte ich auch gerade erst sechs Monate auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet, und dort hat man regelmäßig alle zwei Wochen Seenotrettungsübungen machen müssen. Und so sehr unterscheiden sich Schiff und Flugzeug ja nicht 😀
    Seitdem habe ich bei sehr vielen Flügen am Notausgang gesessen, die Beinfreiheit macht so viel her 🙂

  2. Hi Andrea,

    das hört sich nach einem totalen Horrortrip an, aber dafür ist es eine echt gute Geschichte! Ich musste sehr lachen bei der Aussage der Stewardess. Und war gleichzeitig beim Lesen leicht geplättet ob der Offenheit. Naja, und das mit den Überlebenschancen habe ich auch nicht gewusst…ändert dann schon was für mich bei der Sitzwahl 🙂
    Deine Geschichte ist der Beweis für: Nicht jede Wahrheit ist dazu gedacht gesagt zu werden!
    LG,
    Gordana

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