Mama und Papa sind jetzt da, es wird alles gut

Als ich im Urlaub bei meinen Eltern war, ging es mir wie gesagt eines Tages richtig schlecht. Nach dem Mittagessen legten wir Erwachsenen uns zur Siesta hin, Copperfield schlief ebenfalls, LadyGaga spielte im Garten. Und schon als ich aufstand, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Aber ich hatte LadyGaga versprochen, nachher alleine mit ihr an den Strand zu gehen. Und das taten wir.

Am Strand hatte ich dann dieses komische Völlegefühl, mir war schlecht und ich lief auf Sparflamme. Und als wir eine Stunde später wieder nachhause gingen, wusste ich: Ich würde mich erbrechen müssen.

Dies ist nicht die detaillierte Geschichte meiner 24-Stunden-Kotzerei im Urlaub, keine Angst. Naja irgendwie schon. Aber eben auch nicht.

(c) Fotolia

Beim Mittagessen hatte ich noch mit meiner Mama gewitzelt, dass ich im Urlaub als Kind mal am Flughafen kurz vor dem Abflug hatte kotzen müssen. Meine Eltern kauften dann am Flughafen neue Kleider für mich. An mehr kann ich mich nicht erinnern. Wie stark meine Mama da wohl hatte sein müssen! Was für ein Chaos! Nicht auszudenken, wenn das mit LadyGaga oder Copperfield passieren würde. Und einmal habe ich im Urlaub auf einer kolumbianischen Insel (Weihnachten 1986, hachz) am Heiligabend gekotzt. Nachts. In das Waschbecken. Damit meine Mutter es später sehen konnte. Beweismittel und so. Muss die sich gefreut haben, damals. Über all das redeten  wir schmunzelnd. Unwissend, dass ich wenige Zeit später über der Schüssel hängen würde.

Als ich mich also im jetzigen Urlaub tatsächlich erbrach, lag/sass ich erschöpft und verschwitzt vor der Kloschüssel und rief – nach meiner Mama. «Ich habe mich erbrochen. Möchtest Du es sehen, oder soll ich es wegspülen?», unkte ich laut mit Galgenhumor. Besorgt kam meine Mama zu mir geeilt. Und wurde im selben Moment Herrin der Situation. Geschäftig und mit ruhiger Hand nahm sie ein Gesichtstuch, nässte es und legte es mir beruhigend auf die Stirn. Das. Tat. So. Gut.

Sie fragte mich mit lieber Stimme, wie es mir gehe. Sie fragte nicht, ob sie mir helfen könne. Die Frage war gar nicht nötig. Sie war einfach da, meine Mama. Wir redeten. Sie hörte zu. Ich schleppte mich zum Sofa, wo sie mich mit eilig geholten Decken zudeckte, weil ich Schüttelfrost hatte. Bei 35 Grad im Schatten. Sie lächelte beruhigend. Sie grinste, weil ich sie um etwas zu trinken bat. Sie war da. Das. Tat. So gut.

Mitten in der Nacht erbrach ich mich wieder. Das Klo grenzt an ihr Schlafzimmer. Innert kurzer Zeit stand sie bei mir, reichte mir ein nasses Tuch für die Stirn und redete sanft (und müde) mit mir, tröstete mich. Sie war da. Ich war nicht allein. Das. Tat. So. Gut.

Vor kurzem hatte ich ja schon einmal so eine doofe Magendarm-Sache in der Schweiz. Ebenfalls 24-Stunden-Knock-out. Zum Glück waren die Kinder just an diesem Tag in der Kita, so dass ich einfach nur krank sein durfte, ohne mich um jemand anderen kümmern zu müssen. Ich dachte, das sei Luxus. Aber Kotzen de Luxe habe ich erst jetzt im Urlaub erlebt – weil meine Mama für mich da war.

Mit meinem Mann habe ich die Regel: Wer krank ist, schaut für sich selber, der andere für die beiden Kids. Aber diesmal, in Südfrankreich, durfte ich für 24 Stunden einfach wieder Tochter sein. Mein Mann schaute für die Kinder und meine Mama – für mich. Sie hat sich um mich gesorgt, sich um mich gekümmert, und ich wusste, dass alles gut wird, weil meine Mama da war und auf mich aufpasste. Ich konnte loslassen.

So fühlen sich also unsere Kinder, wenn sie krank sind. Wenn sie Schmerzen haben. Wenn sie traurig sind.
Wenn eure Kinder euch brauchen, seid einfach für sie da. Auch wenn wir manchmal selber nicht weiter wissen, vielleicht sogar selber Angst haben, besorgt sind: Hört den Kindern zu, kümmert euch um sie, wenn sie krank sind. Bleibt ruhig und bestimmt. Seid da. Alleine unsere Anwesenheit, unser Kümmern, unsere behutsame Kraft und auch unsere Liebe helfen ihnen über manchen schweren Moment hinweg und spenden Trost. Mit den Eltern an der Seite dürfen unsere Kinder Kinder sein, die wissen: Mama und Papa sind jetzt da, es wird alles gut. Und. Das. Tut. So. Gut.

Ach Mami, wir sehen uns viel zu selten und die Ferien sind immer so schnell vorbei!

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4 thoughts on “Mama und Papa sind jetzt da, es wird alles gut

  1. Zum Heulen schön! Ich weiß genau was du meinst. Als wir auf Konzertreise waren letzten Sommer (ich im 6.monat mit kleinem F) kam am ersten Abend mein schwangerer Kreislauf mit der Wärme nicht klar, ich fing an zu zittern und mir war hundeelend übel. Meine Mama hat mich ausgezogen, unter die Dusche gestellt und kalt abgeduscht. Danach hat sie mich in ein Handtuch gewickelt, mich hingelegt und daneben gesessen. Genau wie du sagst: es. tat. so. gut. <3

  2. Mir sind die Tränen gekommen!

    Manchmal möchte ich auch wieder einfach nur Tochter sein. Mich pflegen lassen. Von der Mama.
    Letztens musste ich zur Wurzelbehandlung, hatte soooo doll angst davor, daß ich meine Mutter anrief und sie bat, mich zu begleiten. Hätte sie auch gerne gemacht, aber das Kind meiner Schwester kam leider dazwischen, deswegen konnte sie dann doch nicht bei mir sein. Aber sie war in Gedanken dabei!
    Das. tat. auch. so. gut.

    LG
    Martina

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