Instrument für eine Sechsjährige – ja oder nein?

LadyGaga kommt im August in die erste Klasse. Heute in vier Wochen ist ihr letzter Vorschultag. Schon länger habe ich überlegt, sie dann ein Instrument bei uns in der Dorf-Musikschule lernen zu lassen. Ich finde es gut, wenn Kinder Musik machen. Ich selbst habe von 12- bis 20-jährig Akkordeon gespielt, die letzten Jahre davon auf Konzertniveau.

Im März fand nun also eine Informationsveranstaltung statt, an der die Kinder an der Schule sämtliche Unterrichtsinstrumente ausprobieren und darauf spielen durften. LadyGaga gefiel die Blockflöte ganz gut. Sie probierte das Akkordeon aus, und der Lehrer war begeistert von ihrer Handhaltung. Ich hatte Sternchen in den Augen. Das beeindruckte die Lady aber gar nicht. Auch das Cello spielte sie eher desinteressiert. Keyboard fand sie ganz gut. Aber mir reichte das einfach nicht. Halbherzig mit einem Instrument anfangen? Das kann nicht gut gehen. Musik soll Freude bereiten! Und schliesslich muss man viel üben, da muss wenigstens ein bisschen Herzblut als Basis vorhanden sein.

Wir gingen durch alle Schulräume, wo die Musiklehrer mit ihren Instrumenten auf interessierte Kinder warteten. Bei den Blasinstrumenten fiel mir sofort die Klarinette ins Auge. So ein hübsches Instrument, welche Raffinesse! LadyGaga zog an meiner Hand, sie wollte weiter. «Darf ich mal probieren?», hörte ich mich fragen. Die Klarinettenlehrerin nickte. Ich hielt die schwarze Schönheit in Händen, setzte vorsichtig an und – es kam sofort ein wunderbarer Ton heraus. Die Lehrerin schaute mich verdutzt an: «Oh, das können nicht alle sofort!» Ich wurde verlegen und wiegelte ab. «Ach danke. Aber das geht ja nicht, ist ja eh nur für Kinder hier.» Sie schüttelte den Kopf. «Das ist nicht nur für Kinder, ich gebe auch Erwachsenenunterricht!» Ich nahm den Anmeldezettel in die Hand. LadyGaga wollte wieder zum Keyboard und zog mich weiter.

Am Ende spürte ich keine Begeisterung bei ihr, weder für die Blockflöte noch für das Keyboard. Da sie mit dem Schulstart sicher genug beschäftigt sein würde, legte ich den Plan, sie ein Musikinstrument lernen zu lassen, ad acta. Ganz oder gar nicht.

Aber der Zettel der Klarinettenlehrerin brannte in meiner Ablage.

Ihr ahnt, was jetzt kommt.

Anfang Mai hatte ich meine erste Klarinettenstunde. Es war Liebe auf den ersten Ton. Ich bin gestresst, total überarbeitet und manchmal auch extrem überfordert vom Alltag. Aber der Wunsch, zusätzlich zu allem wieder ein Instrument zu lernen, und zwar etwas komplett Neues, war omnipräsent in mir. Vielleicht ist es die Gier nach Lernen, die mich mein Leben lang begleitet. Vielleicht ist es der Wunsch nach mehr Kreativität, vielleicht aber auch nur mein Ausbruch aus dem Alltag. Sicher ist es aber der Gedanke: Wenn ich etwas will, dann mache ich das auch!

 

Mein Baby gehört zu mir. Aber wieso sind da zwei Klarinetten?
Mein Baby gehört zu mir. Aber wieso sind da zwei Klarinetten?

 

An dem Abend, als ich meine Leihklarinette mit nachhause brachte, durfte LadyGaga sich daran ausprobieren. Sie brachte sofort einen klaren, hellen Ton aus der Klarinette – und brach auf der Stelle in Tränen aus.

«Ich war so doof und wollte die Kralinette (!) nicht ausprobieren am Musiktag in der Schule. Ich wusste nicht, dass das soooo schön klingt! Und nun ist es zu spät und man kann mich jetzt nicht mehr für die Musikschule anmelden!» Sie war untröstlich.

Da war es. Das Feuer, das ich mir bei ihr gewünscht hatte. Ich rief noch am selben Abend die Klarinettenlehrerin an und fragte sie, ob sie auch schon Sechsjährige VOR der Einschulung unterrichtet. Und am nächsten Tag rief ich in der Musikschule an, um alles in die Wege zu leiten. Auch wenn der Anmeldeschluss verstrichen war, konnte ich sie noch sehr gut anmelden.

Und da ich LadyGagas Energie gleich in die Tat umsetzen wollte, hatte sie mittlerweile bereits ihre zweite Klarinettenstunde – noch VOR dem Schulstart. Sie kann bereits drei Töne spielen (g-f-e). Wir üben zusammen als Mama-Tochter-Gespann und motivieren uns gegenseitig. Eine schöne Konstellation! Und sinnvoll, da ich als Mama direkt helfen kann, wenn es mit einem Ton, einer Technik oder der Motivation nicht klappt. Ich bin momentan ihr Coach und so ganz nah bei ihr, kann sie direkt fördern und fordern, weil ich genau das gleiche erlebe wie sie. Bis LadyGaga eines Tages besser sein wird als ich.

Und ein erstes Groupie haben wir auch schon: Copperfield!

Der quietscht nämlich jedes Mal begeistert, wenn wir uns im Ton vergreifen. Öhm. Klarinette lernen ist nämlich echt kein Zuckerschlecken. Beim Akkordeon drücke ich auf eine Taste und der Ton kommt heraus. Bei einem Blasinstrument muss ich die richtige Blastechnik anwenden, damit auch der richtige Ton rauskommt. Tricky little bitch.

LadyGaga geht jetzt jede Woche zum Unterricht, ich alle zwei Wochen. Da ich schon Noten lesen kann, spiele ich bereits die ersten simplen Duette mit der Lehrerin zusammen – und platze fast vor Glückseligkeit dabei. Und spüre mich staunen.

Ganz plötzlich bin ich wieder zur Schülerin geworden. Das Kind in mir. Es liebt Musik.

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6 thoughts on “Instrument für eine Sechsjährige – ja oder nein?

  1. Bei mir ist es die Violine. Am 11. Juni haben meine Kinder und ich unseren ersten Auftritt. Ich kann noch so gestresst von der Arbeit sein, nach der Musikstunde , die so anstrengend ist, dass ich immer schweißgebadet bin, fühle ich mich wunderbar beschwingt.

  2. Einfach schön 🙂 Mein Großer hat nach der muskalischen Früherziehung mit der Gitarre begonnen (2. Halbjahr im ersten Schuljahr – ich fand es ganz nett und praktisch das er dann schon lesen konnte), der Kleine wollte erst Schlagzeug, hat sich dann aber doch für das Klavier entschieden – und ist nun nach der dritten Stunde quasi schon Profi und setzt sich unter den neidischen Blicken des Großen stolz ans Klavier zum üben. Der Große hätte gerne mitgemacht, es hätte auch das gleiche gekostet beide zum gemeinsamen Unterricht zu schicken, aber ich habe dem Rat einer Freundin vertraut, das der Kleine etwas für sich allein haben sollte. Mein Plan, mit ihm mitzulernen scheitert daran, das ich einfach hoffnungslos unbegabt bin – ich müsste mir die Noten mit Edding auf die Tasten schreiben… 😉
    Euch ganz viel Spass weiterhin!

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