Es gibt Schlimmeres

Mein Sohn schläft seit Tagen auf dem Boden und lebt aus dem Koffer. Und das kam so:

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Sehr geehrte Damen und Herren

Wir beziehen uns auf unsere Bestellung vom 21.11.2020, Kaufvertrag 123456. Heute sollte die Lieferung erfolgen (1 Schrank mit Korpus, 1 Bett mit Lattenrost und Matratze, 1 Nachttisch, 1 Lattenrost). Wir wohnen in einem Haus und haben bei der Bestellung in Ihrem Möbelhaus angegeben, dass die Möbel in den 1. Stock gebracht werden müssen. Bei der heutigen Lieferung ging nun aber alles schief!!!

– Der Schrank wurde fertig montiert geliefert. Es war den Monteuren jedoch nicht möglich, den montierten Schrank die enge Treppe hoch zu hieven. Bei den Versuchen wurde die Wand an mehreren Stellen beschädigt (Fotos anbei).
– Die Monteure wollten dann den Schrank demontieren. Dabei stellte sich heraus, dass wohl der Lagerist irrtümlicherweise das Bett-Kopfteil IM Schrank deponiert hatte. In der Folge brach die Mittelwand ab. Der Schrank ist ruiniert und wurde wieder mitgenommen.
– Die Monteure wollten dann das Bett zusammenstellen. ES FEHLTEN ABER DIE FÜSSE!! Also konnte das Bett nicht aufgestellt werden.
– Bei dem ganzen Chaos, das entstand, haben die Monteure noch ein für mich emotional sehr bedeutsames Kristall kaputt gemacht (Fotos anbei).

Wir machen Ihren Monteuren keinen Vorwurf, sie waren sehr erschöpft von der Schlepperei. Sicher kann Ihre Versicherung diesen Schaden beheben. Es ist uns aber unverständlich, warum der Schrank montiert geliefert wurde und die Bettbeine fehlen. Unser sechsjähriger Sohn schläft jetzt auf der Matratze auf dem Boden!!!
Bitte kümmern Sie sich darum, dass die Bettbeine umgehend nachgeliefert werden und das Bett montiert wird. Auch der Schrank muss schnellstmöglich hier stehen – unser Sohn lebt jetzt quasi aus dem Koffer.

MFG

S. Bonini

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Dieses Mail stammt von letztem Mittwoch.

Beschwerde eingereicht – trotzdem nix mit „act now“… – Photo by Markus Spiske on Unsplash

Am Donnerstag erhielten wir einen Anruf, dass in zehn Minuten der Monteur mit dem fehlenden Teil des Bettes zu uns käme. Wir warteten den ganzen Nachmittag – vergeblich (wer kennt es nicht…).

Am Freitag rief ich im Möbelhaus an. Ich liess es zehn Minuten klingeln, aber niemand nahm ab. Am Nachmittag schickte ich ein Remindermail. Null Reaktion.

Am Montag liess ich es wieder durchklingeln, und zwar auf allen Telefonnummern, die auf dem Bestellschein, auf der Website etc. aufgelistet waren. Nada. Nix. Auf der Website steht zwar, dass das Möbelhaus wegen der Coronamassnahmen geschlossen ist – aber warum wird seit Tagen kein Telefon bedient oder ein Beschwerde-Mail beantwortet??

Am Montag um 18 Uhr dann das Mail der Kundendienstleitung:

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Guten Abend Frau Bonini

Vielen Dank für ihre Nachricht. Herr XX wird Ihren Fall bearbeiten, weiss jetzt nicht ob er sich heute schon gemeldet hat, wenn nicht, wird er sich morgen telefonisch bei Ihnen melden.

Es tut mir leid, dass wir telefonisch so schlecht erreichbar sind im Moment.

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Heute Dienstag hat nun Herr XX angerufen und das Ganze kommt in die Gänge. Copperfield schläft ja auch erst seit einer Woche auf dem Boden…. Das fehlende Bett-Teil soll nun morgen oder Donnerstag (wer weiss das schon so genau…) geliefert werden. Der fehlende Schrank wird erst Ende März ersetzt werden können. Bis dahin lebt unser Sohn aus dem Koffer.

Und das Krasse ist: Ich finde das gar nicht mal so schlimm. Auch als der Schrank zerbrach, war ich nicht wütend, sondern hatte Mitleid mit den Monteuren. Ist das diese Achtsamkeit? Mein Leben ist aktuell so vollgefüllt mit anstrengenden Arbeiten, ich jongliere mit 10 Bällen gleichzeitig, dass ich bei so etwas nur noch müde lächeln kann. Keiner verletzt, alle gesund, alles gut. Was mich aber schon nervt, ist, dass die offizielle Beschwerde danach einfach tagelang verschleppt wurde und keiner zuständig war. Aber was weiss ich schon, wie die Corona-Situation beim Möbelhaus alles beeinflusst. Sind alle in Kurzarbeit, auch die Telefonist*innen? Musste die Belegschaft entlassen werden? Ich weiss es nicht, hoffe es nicht. Befürchte es aber. Also ommmme ich hier entspannt und auch dankbar für meine Lebenssituation, während Copperfield drüben in seinem Zimmer happy auf der Matratze auf dem Boden („das ist so cool!“) schläft. Es gibt echt Schlimmeres. Whiskey gefällig?

 

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