Ich blogge immer noch

Ihr seht es zwar nicht, aber ich arbeite zurzeit im Hintergrund des Blogs fleissig an einem Relaunch der Website. Dabei arbeite ich mich durch meine über 1000 Blogposts, um sie neu zu verschlagworten. Und je weiter ich in den Jahren zurückgehe, umso mehr komme ich ins Grübeln. Mit Jahrgang 2009 bin ich offensichtlich ein Blogger Urgestein. Naja zumindest bin ich definitiv keine Eintagsfliege…

Blog-Sterben

Vor allem in den Jahren 2015-2017 habe ich sehr viele Blogparaden initiiert oder an Blogparaden von anderen Bloggenden mitgemacht. Bei den Blogparaden geht es ja neben den interessanten Themen unter anderem auch darum, andere Blogs zu verlinken und somit gegenseitig back-links zu generieren, wodurch die Reichweite steigt. Wenn ich nun durch diese alten Beiträge von mir klicke, in denen ich zig teilnehmende Blogs verlinkt hatte, sehe ich: Die meisten dieser Blogs gibt es schon längst nicht mehr. Die Links führen alle ins Leere. Ich aber, ich war schon vorher da und bin es immer noch.

Mama on the rocks im Laufe der Zeit

Beim Überfliegen meiner Blogposts der vergangenen zehn Jahre sehe ich, wie sehr sich meine Art des Schreibens verändert hat. In den ersten Jahren habe ich vor allem über meine Tochter geschrieben. Was war sie doch für ein witziges Kleinkind, mit ihren Kindermund-Sprüchen kann man ein ganzes Buch füllen (und das werde ich auch!). Aber als sie in den Kindergarten kam, wurde das Schreiben für mich schwieriger, weil ich nicht mehr anonym war. Man kannte den Blog im Dorf, man kannte mich, man kannte meine Tochter. Zu Beginn des Kindergartens habe ich noch anekdotisch über den Alltag meines Kindes erzählt. Und dann wurde ich still. Mundtot. Ich wusste nicht mehr, wie ich kommunizieren kann auf dem Blog. Wenn ich nicht mehr über mein Kind schreibe, ist es dann noch ein Mamablog? Bin ich dann noch Mama on the rocks? Ich haderte mit dem Blog, mit meinem Namen. Sollte ich aufhören? Hatte mein Blog noch eine Existenzberechtigung?

Meine Schreibtisch-Deko ist nicht stylisch und auch nicht Instagram-tauglich hell-matt-rosa. Sie ist einfach wie sie ist ;-).

Aber ich bin natürlich mehr als die Summe meiner Kinder. Ich habe eine eigene Stimme. Mit der 40 kam neben der Vereinbarkeit das Thema Achtsamkeit in den Fokus meines Seins, und ich habe als Ü40 immer noch etwas zu sagen, auch über das Familienleben. Die alten Beiträge über den Kindergarten aber habe ich im Zuge meiner Aufräumarbeit fast ausnahmslos gelöscht. Sie sagen mehr über mein Kind aus als über mich, und das stimmt für mich nicht mehr.

Von der Working Mom zur Unternehmerin

Der Claim meines Blogs lautete jahrelang «Cool bleiben als Working Mom im Homeoffice». Mit der Aufräumaktion hinter dem Blog habe ich realisiert, dass ich keine Working Mom mehr bin. Ich bin Unternehmerin. Eine Working Mom ist für mich gefühlsmässig zum Begriff für eine Mutter geworden, die nebenbei auch noch arbeitet. Bei mir ist es so viel mehr. Habe ich mich früher dafür geschämt, so viel zu arbeiten, bin ich heute stolz auf meinen Erfolg. Der neue Claim lautet deshalb «Zwischen Kindern, Karriere und Kollaps».

Ich blogge nicht für Geld

In meiner bisher erfolgreichsten Bloggerzeit, nimmt man die Leserzahlen als Erfolgsquote, habe ich vier bis fünfmal pro Woche einen Artikel publiziert. Das steigert die Reichweite ungemein und google ist happy. Die Begriffe «Unternehmerin» und «professionelle Bloggerin» schliessen sich in meinem Fall aber leider aus. Bloggen läuft für mich nebenher, ich mache das nicht hauptberuflich. Je erfolgreicher ich im Beruf bin, umso weniger komme ich zum Bloggen. Das hat aber einen ganz tollen Benefit: Ich muss nicht (mehr) krampfhaft probieren, mit dem Blog Geld zu verdienen. Ich kann einfach schreiben, wenn ich etwas zu sagen habe. Ergibt sich eine spannende Kooperation, bin ich zwar gerne dabei – aus Überzeugung! Aber ich muss mich nicht mehr mit anderen Blogs vergleichen, die sich kommerzialisiert haben oder einfach mehr präsent sind als ich. Ich bin ich. Seit langem habe ich plötzlich wieder das Gefühl, dass meine Schreibe gut ist und der Blog tatsächlich eine Existenzberechtigung hat. Mein Blog ist über zehn Jahre alt, das soll mir erst mal jemand nachmachen. Blogger Urgestein, ha! Bloggerin Urgestein sollte es heissen.

Was wirklich zählt

Ich blogge seit 2009. Das Einzige, worauf es mir wirklich ankommt, seid ihr – meine Leser*innen. Allein mit meinen Beiträgen zum frühzeitigen Zahnverlust meines Sohnes (Unfall) oder zu meinen Fehlgeburten sowie zur Stilldepression habe ich so viele von euch auch über google erreicht. Und wenn ich jemanden mit meinen Tipps helfen oder auch einmal trösten kann, dann beflügelt mich das in meinem Alltag. I care! Ich schreibe nicht für Geld. Eure Kommentare, eure Mails zählen für mich. Danke, dass ihr mir die Treue haltet, wie eure vielen Kommentare kürzlich beim Artikel drei Frauen gezeigt haben. Das ist so schön! Das ist so viel wert, dass ihr euch in eurem stressigen Alltag und in der Flut des WWW trotzdem die Mühe macht, bei Mama on the rocks zu kommentieren! DANKE!

Ich werkle also aktuell weiter fröhlich im Hintergrund am Blog. Ihr wisst ja: the best is yet to come! Und ich habe noch viel zu erzählen.

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