Rechts ranfahren

Ich fahre zur Arbeit, wie immer läuft dabei das Radio. Ihr kennt das, die Musik plätschert vor sich hin, man beachtet sie nicht, konzentriert sich auf den Verkehr. Aber manchmal, da erweckt irgendetwas am Text eines uns bisher unbekannten Liedes unsere Aufmerksamkeit und wir hören genauer hin.

Early morning
There′s a message on my phone
It’s my mother saying, «Darling, please come home»
I fear the worst
But how could you leave us all behind
There′s so much to say but there’s so little time
So how do I say goodbye
To someone who’s been with me for my whole damn life
You gave me my name and the colour of your eyes
I see your face when I look at mine
So how do I, how do I, how do I say goodbye?
When I couldn′t, you always saw the best in me
Right or wrong you were always on my side
But I′m scared of what life without you is like
And I saw the way she looked into your eyes
And I promise if you go, I will make sure she′s alright.

Ich fahre rechts ran. Und heule los.

Im Alltag hat die Trauer um meinen Papa keinen Platz. Ich verdränge sie. Ich verdränge nur wenig in meinem Leben, ich bin ein offenes Buch. Ich arbeite an meinen Defiziten und feiere meine Erfolge. Ich trage viel Verantwortung, beruflich wie privat. Ich kann das. Aber jedes Mal, wenn ich an diesen Sommer im Spital denke, an die letzten Tage meines Papas, dann schnürt es mir die Kehle zu und es schüttelt mich durch.

Musik hilft beim Trauern – Foto von Markus Spiske auf Unsplash

Ich bin froh, gibt es Künstler:innen, die es schaffen, das Wrack unserer Gefühle aus dem Meer des Vergessens zu heben. Für einen Moment fühle ich mich meinem Papa wieder näher. Er fehlt. Er fehlt einfach in allem. Ich habe seine Augen. Ich bin sein Vermächtnis, in allem, was ich tue.

Der Song heisst übrigens «How do I say goodbye» und ist von Dean Lewis. Er hat es für seinen Papa geschrieben, bei dem 2019 Krebs diagnostiziert wurde.

2 thoughts on “Rechts ranfahren

    1. Wenn wir nicht befreundet wären, wäre das definitiv ein Kandidat für eine Reply from Hell 😉
      Es sind 5 km, dafür hätte ich sicher 1 Stunde Marschroute. Davon abgesehen – anders als Du hasse ich gehen/laufen/wandern/Velo fahren. Auto it is!

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