Rabenschwärze (ca. 2001)

Zwei Raben hackten an mein Fenster. Mit voller Wucht schlugen sie an das Glas, das unter der Gewalt zu zerbersten drohte. Was wollten sie? Mein Herz pochte. Waren sie meinetwegen hier?

Der eine Rabe sah mich mit starren Augen an, krächzte in einer Sprache, die ich nicht verstehen wollte und doch verstand: Sie waren Boten des Todes, denn er war gegangen. Mein Liebster war auf Wanderschaft.

Das eine Fenster offen, das neben ihnen. Vor dem Schwarz die Scheibe, wir getrennt. Genau wie ich und meine Seele. Nicht für immer, bestimmt. Aber mein Liebster hatte mich verlassen in jener Nacht. Mein Schmerz reichte für die Ewigkeit.

Gross schwangen die Raben ihre Flügel vor meinen Fenstern auf. Schrien: „Lass uns herein, herein lass uns.“
Ich ging auf sie zu, vorsichtig und sachte. Durfte ich es wagen? Unsere Blicke waren miteinander verbunden, während meine Hände ins Leere griffen und nach der Klinke suchten.

Ich wollte sie nicht. Aber sie wollten mich. Und das wusste ich. Und das wussten sie. Aber er, er wusste es nicht. Mein Liebster war allein auf Wanderschaft, und nur die Raben würden ihn begleiten.

Ich schloss sie aus. Die Raben erhoben sich empört in die Lüfte, um ihn zu suchen. Mein Liebster war fortgegangen in jener Nacht, und ich hatte ihn nicht davon abhalten können. Er lief allein, über ihm die Nacht, und nur die Raben würden ihn begleiten. Mein Liebster ging auf Wanderschaft – für immer. Ich blute leise. Vielleicht hört es ja irgendwann auf.

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