So leben wir die exklusive Mama-Tochter-Zeit

LadyGaga tut sich schwer damit, nicht mehr das einzige Kind in der Familie zu sein. Sie vergöttert ihren Bruder. Aber sie hängt sehr an mir und buhlt um meine Aufmerksamkeit. Sehr oft muss sie sich von uns anhören: «Du bist die Grosse, benimm Dich entsprechend.» Aber wem sag ich das, sie ist fünf!

Im Sommer haben wir einmal pro Woche Exklusivzeit miteinander verbracht, wenn Copperfield in der Kita war. Wir sind jeweils ins Kino oder ins Freibad – nur wir zwei Mädels. Ich habe das sehr genossen, und sie auch. Sie ist wirklich schon ein sehr vernünftiges Mädchen, auf das ich sehr stolz bin. Plötzlich will sie keine Bibi-Blocksberg- oder Sternenschweif-Geschichten mehr hören, sondern Hörspiele von Enid Blytons «5 Freunden». Bibi Blocksberg ist «was für kleine Mädchen». Mir gefällt diese Entwicklung sehr. Man kann diskutieren mit ihr.

Mit dem neuen Stundenplan hat sie jetzt jeweils donnerstags von 8.15 bis 11.50 und von 13.30 bis 15.10 Uhr Vorschule. Donnerstags ist aber neu Copperfield den ganzen Tag in der Kita. Das ergibt folgendes Szenario: Vormittags arbeite ich von 8 bis 11.30 Uhr im Homeoffice, dann koche ich, LadyGaga kommt um zwölf nachhause, wir essen zu zweit, sie geht um 13.10 Uhr wieder in die Vorschule und ich arbeite wieder im Homeoffice bis 15.15 Uhr.

Und dann ist sie da. Die exklusive Mama-Tochter-Zeit. Ab September wird sie donnerstags um 16 Uhr auf ihren Wunsch hin und zusammen mit einer Freundin jeweils ins Ballett gehen. Für mich bedeutet das, dass ich dann zwei kichernde Mädels herumkutschiere und für sie ganz alleine da bin. Eine neue Ära beginnt: Mama, der Taxidienst.

Momentan aber ist noch nicht September. Was tun wir also von 15.30 Uhr bis 18 Uhr, wenn ich Copperfield aus der Kita abhole? Vor zwei Wochen sind wir dann ins Freibad, sie war begeistert. Letzte Woche aber hat es geregnet am Donnerstag. Also schlug ich vor (ja, ich!!!): «Basteln?» Jubelgeschrei bei der Tochter. Eine gewisse Portion an Masochismus kann man mir definitiv nicht absprechen.

Ich öffnete den Schwarzen Schrank des Grauens:

«Ich habe einen Bastelschrank und ich werde ihn benutzen!»
«Ich habe einen Bastelschrank und ich werde ihn benutzen!»

Was könnten wir denn basteln? Ich überlegte und wuselte und fand dann etwas sehr Kreatives: XXXXX (hier besteht Zensur, denn es sind Weihnachtsgeschenke, und die Familie liest mit!!! Ich bin doch nicht doof und verrate das hier…)

Ich sammelte die Utensilien unter den leuchtenden Augen von LadyGaga zusammen und machte mich mit ihr ans Werk. Natürlich war es nichts Banales wie malen oder falten. Es war kompliziert. Aufwändig. LadyGaga arbeitete saute mit Hingabe. Ich hatte Angstschweiss auf der Stirn wegen des Steinbodens und war wohl äh etwas aufgebracht, als sie einmal nicht aufpasste. Sie schaute mich mit grossen Augen an, so dass mich das schlechte Gewissen packte. Wir arbeiteten weiter und ich gab mir Mühe loszulassen. Es klappte auch und machte sogar Spass, wenn ich den Boden ausser Acht liess. Atmen, MamaOTR, atmen.

Um 17.15 Uhr waren wir fertig, nun ging es darum, alles wieder aufzuräumen. LadyGaga war wie ein Flummi und rief: «Und was machen wir jeeeeeeeeetzt?»

WTF?! Eine kalte Dusche wäre nicht effektiver für mich gewesen. Nach dem Basteln ist vor dem Basteln. Es ist nie genug. Alles ist nie genug, und das frustriert mich gerade, auch wenn meine Tochter nichts dafür kann. Ich kann noch so viel exklusive Mama-Tochter-Zeit mit ihr verbringen, sie ist trotzdem eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder und wird mir morgen wieder Vorwürfe machen, dass ich ihn mehr liebe als sie. Ich kann noch so viel basteln, es muss immer noch mehr gemacht werden. Ich kann noch so viel im Haushalt arbeiten, der Dreck hört nicht auf, sondern vervielfacht sich mysteriöserweise. Ich bin ja gerade in meinem Projekt #MeTime gefangen und kann schon mal so viel verraten: Heute wird ein Reinigungsinstitut bei uns probeputzen. Denn wenn ich eines bin, dann das: lösungsorientiert.

Die exklusive Mama-Tochter-Zeit werde ich definitiv beibehalten, denn auch wenn LadyGaga mir gerne Vorwürfe macht, dass ich sie zu wenig liebe: Die Mama-Tochter-Zeit tut uns gut. Und irgendwann wird sie sich auch emotional auszahlen, davon bin ich überzeugt. Nur das mit dem Basteln lasse ich dann besser sein.

Habt ihr Mehrfacheltern auch jeweils exklusive Kinderzeit eingeführt? Wie funktioniert das bei euch? Ich bin gespannt auf euren Input!

PS mit Copperfield bin ich übrigens jeweils exklusiv zusammen, wenn LadyGaga in der Vorschule ist und er keine Kita hat. 

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

5 thoughts on “So leben wir die exklusive Mama-Tochter-Zeit

  1. Persönlich habe ich noch keine Erfahrungen mit exklusiver Kinderzeit – das zweite Kind kommt erst in ca 2 Wochen 🙂 Aber ich habe bei deinem Beitrag gleich an eine meiner besten Freundinnen denken müssen, die drei Kinder hat (inzwischen zwei in der Schule und eines noch im Kindergarten) und deren Umgang mit ihren Kindern ich sehr bewundere. Da beide Eltern berufstätig und die Kinder bis nachmittags in der Krippe bzw im Kindergarten waren, haben sie irgendwann abends eine "eigene Zeit" eingeführt. Zwischen Abendessen und Schlafengehen hatte jedes Kind die Möglichkeit, etwas eigenes mit Mama oder Papa zu machen. Dabei dürfte es selber entscheiden, mit wem und was es gerne machen wollte (und ob die Geschwister dabei sein dürfen). Vorlesen, spielen, basteln, bauen, malen, einfach reden….Der andere Partner hat sich in der Zwischenzeit um die anderen Kinder gekümmert. Das war natürlich nie lange, drei Stunden sind nach dem Abendessen bei drei Kindern einfach nicht drinnen, aber die Kinder fanden es super und ich hatte immer, wenn ich dort übernachtet habe, das Gefühl, dass sie es sehr zu schätzen wissen, diesen Moment am Tag zu haben, wo sie selber bestimmen dürfen und es ausschließlich um sie geht. Oft war es übrigens so, dass die anderen Geschwister sogar dabei sein dürften solange sie nicht stören 😉
    Und ging es beim Zähneputzen oder Schlafanzuganziehen trotz mehrfacher Ermahnungen hoch her, ging das irgendwann von der eigenen Zeit ab.
    Wie gesagt, ich hatte immer das Gefühl, dass dieses System ganz gut funktioniert und die Kinder damit auch sehr gut klar kamen – selber ausprobieren kann ich es erst in den nächsten Monaten und Jahren.
    Liebe Grüsse und Kopf hoch!!

  2. ohh zwei Wochen <333 Dann ist ja Endspurt pur! Alles Gute Dir! Deine Freundin scheint das sehr gut geregelt zu haben. Was ich im Text nicht geschrieben habe: Wenn Copperfield im Bett ist, ist meistens noch eine halbe bis Dreiviertel Stunde für LadyGaga reserviert, und sie kriegt immer eine Gute-Nacht-Geschichte. Wie das allerdings wird, wenn Copperfield dann abends auch seine "MeTime" einfordert, weiss ich noch nicht....
    LG mamaoTR

  3. Huhu,
    ein schöner Beitrag, der mich daran erinnert, dass ich viel mehr exklusiv mit meinem Großen machen sollte!
    Wir spielen gerne zusammen ein Computerspiel oder kleben Sticker in sein Anziehstickerbuch (das ist so toll!!!). Auch beliebt ist Playmobil / Lego spielen, ohne dass der Kleine dazwischenfunkt. Für die Kinder ist das sicher total wichtig, für mich als Mama eine Zerreißprobe.
    Vor allem das Wie: wie erkenne ich, wann mein Sohn Zeit mit mir allein braucht? Darüber muss ich mir mal Gedanken machen.
    Vielen Dank für die Anstöße!
    Viele Grüße
    Sarah

  4. Ooh wie ich dich verstehe. Ich bin auch mehrfachmamai, bzw zweifach (das reicht ja auch schon aus ?) und räuberhauptmann und Räubertöchter sind fünf Jahre auseinander. Wir haben auch ein exklusive mama-Sohn/Tochter bzw Papa-Tochter/Sohn Zeit eingeführt, weil wir eben auch dem "du hast x aber mehr lieb als mich" aus dem Weg gehen wollten… Pffff Pustekuchen. Aber das merkst du ja auch. Von Ordnung und Sauberkeit ist hier schon eine halbe Stunde nach dem Putzeinsatz keine Rede mehr und Büro und Mein Kreativbereich, sowie das elterliche Schlafzimmer versinken hier im kompletten Chaos- leider fehlen mir im Moment sowohl die eigene, als auch die finanzielle Kraft, das spontan zu ändern und mein Menne ist da (dank seines nebenberuflichen Studiums, was er Bitteschön jetzt auch durchziehen soll) auch nicht unbedingt eine große Hilfe. Irgendwo müssen halt Abstriche gemacht werden… Lieber Chaos, dafür glückliche Kinder 😉 und zumindest die kizi, Küche und Bad sind halbwegs ordentlich am Abend ;). Basteln funktioniert hier auch super, nur das Räubertochterlein meint, Farbe von stiften macht sich besser auf Haut und kleidung (bastle mit beiden Kindern zusammen, da sie noch nicht fremdgehest wird). Worüber der Sohn sich allerdings extremst freut, ist, wenn ich mich auf allen vieren im kizi befinde und mit ihm irgendwas mit Lego oder playmobil Spiele … Ooorgs… Das is irgendwie nicht mehr so meins, obwohl ich das als kind auch geliebt habe – nur hab ich halt nich so jungskrams gemacht, wovon er total besessen ist XD. Inzwischen hab ich den beiden ein tischtest genäht und dort spielen wir dann Räuber, lesen Geschichten drin, kuscheln und der Große hat sogar schon eine Nacht darin verbracht. Er fand es super in unserer Küche auf mehreren Fellen auf dem Boden zu schlafen XD. Ich denke auch, es zählt sich aus, dass ich mich bemühe, mit beiden zusammen und einzeln Zeit zu verbringen, zumal ich das als Kind echt vermisst habe… Fairerweise muss man sagen, dass ich nr 3 von 8 bin 😉 und meine Mutter sich auch nicht Klonen konnte. Ich wünsche dir und deiner Lady noch ganz viele schöne gemeinsame Stunden und freu mich schon auf den Septemberwochen schulstart meines Sohnes (und somit zumindest nicht mehr fulltime bespaßung für beide Kinder ). Liebe Grüße, clara

  5. Danke – wir freuen uns alle schon riesig, aber ich bereite mich seelisch schonmal auf mein Zombie-Aussehen der nächsten Monate vor…
    Und spätestens in der Pubertät wollen die Kinder wahrscheinlich nichts mehr mit den Eltern machen, insofern trifft wahrscheinlich auch hier das Mantra "ist alles nur eine Phase" zu 😉

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