Fotoshooting aus der Hölle

Demnächst erscheint im Magazin des Sonntagsblicks eine Reportage über mich und zwei andere Mütter. Ich bin wirklich sehr aufgeregt deswegen, denn das ist eine grosse Schweizer Zeitung.

Vor kurzem hatte sich nun die Fotografin angemeldet, die mich und die Kids für den Artikel shooten wollte. Bei uns zuhause. Wir verabredeten einen Mittwochnachmittag. Morgens war LadyGaga in der Vorschule, ich mit Copperfield alleine. Ich schminkte mich hübsch, zog mich mit Bedacht an. Fotoshooting, geil! Die Kinder mussten natürlich auch gut aussehen. Was sollten sie anziehen? Ich freute mich.

Dann war der Moment die Fotografin da. Ich erklärte der Frau, dass ich nicht wollte, dass man die Gesichter der Kinder sieht. Sie war einverstanden, sagte aber, dass die anderen Mütter ihre Kinder gezeigt hatten. Grummel.

(c) Fotolia
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Wir legten frohen Mutes mit dem Shooting los. Es ging darum, einen innigen Familienmoment aufzuzeigen, mit mir als Mutter im Mittelpunkt, da es in der Reportage ja auch um mich geht. Das haben nicht alle so gesehen. LadyGaga stürzte sich sofort auf die Linse, klimperte mit den Wimpern, raschelte mit ihrem Rock, drehte sich im Kreis und begann, Regieanweisungen an die Fotografin, an mich und an Copperfield zu geben. Äh…?!?!?!? Ich bremste sie. Vergeblich. Sie begann zu singen und holte ihren Fächer, um sich elegant vor der Kamera zu wiegen. Ich hatte derweil Copperfield auf dem Arm. And he was not amused. Er begann zu schreien. Und zwar Copperfieldesk: Wie. Am. Spiess.

Familienidylle und so.

Ich begann zu schwitzen. Ich wollte nicht, dass man Copperfields Gesicht auf den Bildern sah. Also versuchten wir alles Mögliche, um ihn irgendwie in Pose zu setzen. Er verweigerte jede Kooperation. Vermutlich, weil er meinen Stress spürte, aber versucht ihr mal, diesen Stress zu reduzieren, wenn die Fotografin einer bekannten Schweizer Zeitung bei euch im Kinderzimmer sitzt und ein Foto von der gutbürgerlichen Familie schiessen will! Börgs. LadyGaga tanzte einen afrikanischen Fruchtbarkeitstanz um mich herum, während mir der Schweiss aus den Poren tropfte und mein Kopf hochrot wurde. Und ich schwitze nie. «Sie retuschieren das aber, oder?», fragte ich nach. «Eigentlich nein. Das ist viel zu aufwändig.» Gnaaaa!!! «Haben Sie Kinder?», betrieb ich Konversation. «Nö», grinste die Frau. Dammit. LadyGaga war plötzlich beleidigt, weil ich sie anpampte, mit der Tanzerei aufzuhören, bevor es dank ihr regnen würde.

Der Rotz lief aus Copperfields Nase. Ich sagte verlegen, dass das bei den anderen Müttern sicher auch so gewesen war beim Shooting. Die Fotografin verneinte trocken. Das konnte ich dann doch nicht auf mir sitzen lassen. Wie alt denn die anderen Kinder waren, fragte ich beiläufig. «Jünger. Im Babyalter», grinste sie. HA! Verflucht. DAS wäre ein Kinderspiel gewesen. Wie kriege ich mit einer aufgedrehten aufdringlichen fast Sechsjährigen und nem trotzenden Kleinkind eine idyllische Familiensituation auf Kommando hin?

Sass meine Wimperntusche noch oder klebte sie schon?

Wir verrutschten Möbel, Lamellen, Vorhänge, Plüschtiere, Copperfield. Letzterer brüllte in jeglicher Situation. Nur einmal sass er ruhig und zufrieden bei mir. Ich heischte die Fotografin an, sofort abzudrücken. Aber da hatte sich schon LadyGaga wieder vor uns gestellt, um breit in die Kamera zu grinsen.

Nach fast zwei Stunden verzweifelten Versuchens, ein vernünftiges Bild hinzukriegen, gaben wir es auf. Wir Frauen scrollten die Bilder durch. Da war ein einziges, das gut war. Copperfield war frontal darauf zu sehen. «Wissen Sie was?», wimmerte ich. «Nehmen Sie das da. Egal, dass man sein Gesicht sieht. Nehmen Sie es. Bitte!!!!» Ich war zu diesem Zeitpunkt zu allem bereit.

Das Ergebnis gibt es bald zu bewundern – ich freue mich trotzdem riesig auf die Reportage. Aber Fotoshootings bitte nur noch ohne Kinder im selben Raum (wozu gibt es Photoshop?!). Oder mit viel Prosecco. Und im Übrigen sind wir eine echt idyllische Familie. Nur mal so.

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6 thoughts on “Fotoshooting aus der Hölle

  1. Oh Mann, da musstest du aber echt durch die Fotoshooting-Hölle!
    Aber ich freu mich schon sehr auf den Artikel und werde wohl zum ersten Mal nen Sonntags Blick kaufen 😉

  2. Hahahaha oh man, ich kann absolut nachempfinden, wie du dich gefühlt haben musst! Aber eines muss man dir lassen: du hast es unglaublich witzig und pointiert zusammengefasst. Wäre es ganz normal und unkompliziert abgelaufen, hättet ihr keine Erinnerung daran nach ein paar Jahren. So wird es immer eine erzählenswerte Story zu dem Zeitungsartikel geben – Komödie ist Tragödie plus Zeit! In diesem Sinne :p

  3. Oh, bitte sag dann, an welchem Sonntag, dann muss ich auch zum ersten Mal den Sonntagsblick kaufen! Tolle Geschichte zum Schmunzeln, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das für dich weniger lustig war…

  4. Verzeih mir, aber ich musste ordentlich schmunzeln. Du hattest bestimmt ein authentisches Shooting. Ob es bei den anderen wirklich so ruhig zuging, ist eh nicht wichtig 🙂 Wenn die Fotografin regelmäßig Kinder porträtieren würde, hätte sie dich mehr unterstützt. Das war einfach real life. Kopf hoch.

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