Wir sind zwei Seiten einer Münze. Wobei meine Seite etwas betrunken ist.

Jedes Jahr um den 14. Februar herum erinnere ich mich daran, wie mein damaliger Freund mir 1999 zum Valentinstag eine Blumenvase schenkte. Ja, eine fucking Blumenvase! Und dazu auch noch eine potthässliche. Eine Markenvase zwar, Ritzenhoff, Orange, mit Picasso-ähnlichen Skizzen drauf. Aber hey: VASE?!?!?! WTF?!?!? Ich erinnere mich daran, wie ich die Geschenkeschachtel öffnete und die Vase ohne weiter darauf zu achten herausnahm, um zu schauen, welches tolle Geschenk sich denn darunter verbarg. Ihr ahnt es. Nada. Was für ein peinlicher Beziehungsmoment, für den ich mich heute schäme. Seither hab ich den Glauben an den Valentinstag verloren. Könnte aber auch sein, dass es in dem Jahr war, in dem selbiger Freund mir am Valentinstag eine Cola spendierte, weil das ja «mein Tag» sei.   

Ich erwarte keine Blumen mehr (und keine Vasen!!!) am 14. Februar. Ich erwarte rein gar nichts, weil es doch eigentlich auch bescheuert ist. Ein anderer Exfreund hat mir regelmässig Blumen geschenkt, fast wöchentlich. Es war irre romantisch. Gehalten hat die Beziehung trotzdem nicht. Schade um die schönen Blumen. Warum also auf Blumen von meinem Mann warten? Bullshit.

Dieses Jahr kommt am Valentinstag DER Film des Jahres ins Kino: «50 Shades of Grey». Ich gehe hier nicht näher auf die Buchvorlage von E. L. James ein. Nur so viel: Ich habe die Bücher über die SM-Beziehung zwischen Christian Grey und Anastacia Steele verschlungen, auch wenn E. L. James eine grauenhafte Schriftstellerin ist und die Lektoren echt abgestraft werden sollten. You hade one job! Aber der Plot ist sehr ansprechend bzw. trifft einen Nerv. Wir sehnen uns nach echtem Begehren, nach Abenteuer. Wer das verneint, lügt schlichtweg. In den letzten Jahren führte kein Weg an der Grey-Trilogie vorbei (Geheimtipp: Sylvia Days Crossfire-Quintologie ist um WELTEN besser!). Und dieses Jahr steht der Valentinstag in Verbindung mit eben jenem Sadomasofilmchen rund um Anastacia Steele und Christian Grey. Hier ist nichts #aufAugenhöhe, wie die aktuelle Blogparade von Chaos2 heisst. Kaum vorzustellen, dass Christian Grey am Ende eines harten Arbeitstages noch schnell den Müll rausbringt oder in weiser Voraussicht die schmutzige Wäsche im Haus zusammensucht, damit später zum Nachttarif gewaschen werden kann. Anastacia würde ihrem Christian auch nicht die Leviten lesen, dass er jetzt doch endlich mal den Klodeckel unten lassen soll. Unsere Genderklischees lassen das nicht zu. Es ist ein doofes Rollenmodell, ja. Und dennoch zieht es die Massen (die Frauen!) an. Wollen wir uns unterwerfen? Ist der Mann wirklich der Dominante?

Geht es um Dominanz?
Ich fand als Teenager ja «9½ Wochen» total sexy. Mickey Rourke, was für eine Mann! Ja, so einen Mann wollte ich, der mich verführt, mich begehrt, mich willenlos macht. Ich habe übrigens später Gender Studies studiert, verkehrte Welt. Den Film finde ich heute immerhin ätzend. Als ich nämlich, kurz bevor ich meinen Mann kennenlernte, tatsächlich an so ein Exemplar Mann geriet, war fertig lustig. Ich hatte zu spuren. In seiner Anwesenheit war ich nirgends mehr und versteckte mich nach Möglichkeit vor ihm und vor mir selbst. Auf Augenhöhe war da gar nichts mehr.

Mag sein, dass mein Mann nicht gleich springt, wenn ich eigentlich seine Hilfe mit den Kindern oder im Haushalt wünsche. Vielleicht hat er wirklich eine höhere Hemmschwelle, was Schmutz im Haushalt betrifft, wie der Blog Papa Online das definiert (ich verlinke hier nicht, weil ich den Text schlichtweg doof finde). Ich weiss es nicht. Und es ist mir auch egal. Wichtiger ist mir: Er verprügelt mich nicht. Er erniedrigt mich nicht. Wir sind gleichberechtigt IN ALLEN DINGEN. Er spielt keine Spielchen mit mir und ich nicht mit ihm. Wir sind auf Augenhöhe, weil wir alles Wichtige gemeinsam entscheiden. Ich bin vielleichte eher der Motor, der den Haushalt, die Familie am Laufen hält und auch mal Instruktionen gibt. Aber ohne die Liebe meines Mannes wären wir nirgends. Wer sonst würde um Mitternacht noch eine Wäsche anlassen? Also ICH ja nicht… (und Christian Grey auch nicht, jaja…). Wer sonst würde mich drei Tage an einen Kongress in Davos ziehen lassen, wo ich das Mojito trinkend blogge, während er sich um die Kinder kümmert? Wer sonst würde mich ohne mit der Wimper zu zucken nächste Woche zum Bloggertreffen nach Berlin gehen lassen (Girls just want to have fun)? Er sieht den Schmutz im Haus nicht so sehr wie ich, und das ist OK so. Weil wir zwei Seiten einer Münze sind.

Nein, ich möchte keine Blumen von meinem Mann am Valentinstag. Blumen wofür? Viel lieber möchte ich, dass wir zusammen ins Kino gehen, um 50 Shades of Grey zu sehen und uns dann eine tolle Nacht zu machen. Gnihihi. Ich liebe Dich! 

*geschrieben unter Alkoholeinfluss

PS Ernsthaft, eine Blumenvase?!?!?! Was war denn EUER schrägstes Valentinstagsgeschenk? 
 

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8 thoughts on “Wir sind zwei Seiten einer Münze. Wobei meine Seite etwas betrunken ist.

  1. Ein ganz toller Beitrag liebe Mama on the Rocks.

    Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen – in mehreren Punkten. Vor der Beziehung mit meinem Mann, hatte ich auch einen ganz anderen Typ Mensch— nix mit aufAugenhöhe. :/ Furchtbare Zeit war das.

    Ich finde es sehr schade, dass ich es zum Bloggertreffen nicht schaffe. 11.30 Uhr als Beginn funktioniert bei mir leider nicht…. 9 Uhr wäre schöner gewesen 😉

  2. "In den letzten Jahren führte kein Weg an der Grey-Trilogie vorbei"
    -> oh doch, meine Liebe. Das war sooooooooooooo grottenschlecht geschrieben und soooo fürchterlich übersetzt, dass ich es schon vor Ende der Leseprobe wieder vom Kindle gelöscht habe. Keine Chance, in die Geschichte reinzukommen, der miese Stil hat das gar nicht zugelassen. Schade um den vielleicht guten Plot. Aber ich ess' auch kein Menue mit Rotze als Deko, auch wenn das vielleicht noch so gut gekocht sein könnte – das Essen ist mir schon vorher gründlich verleidet.
    Crossfire werd' ich mir dann mal angüxeln.

  3. Habe sehr gelacht, eine Vase ^^ sehr geil! ach, und wieder eins mehr mit uns auf der gleichen wellenlänge: shades of grey. ich habe die bücher ebenfalls verschlungen und das, obwohl e.l.james wahrlich nicht den größten Wortschatz hat! ich werde wegen des Minis zwar nicht am Valentinstag ins Kino gehen, werde aber versuchen, meine Mama mal zu zwei std babysitten zu überreden, damit ich ihn mir irgendwann dieses Frühjahr doch noch ansehen kann. freue mich wie blöd darauf! crossfire hab ich den ersten band noch ungelesen hier zu liegen. Habe mich nicht rangetraut, weil ich dachte, nach SoG wird man sicher enttäuscht. aber wenn du das Gegenteil meinst, werde ich das Buch wohl doch demnächst mal anfangen 🙂 Ich drück dich virtuell und freu mich auf nächste Woche – girls just wanna have fun <3

  4. Du solltest öfters unter Alkoholeinfluss bloggen 🙂 Küsschen dafür!

    Mit scheußlichen Valentinsgeschenken kann ich leider gar nicht dienen. Ich erinnere mich kaum, überhaupt etwas zu diesem Tag bekommen zu haben; allerhöchstens Blumen eben

  5. Glaub mir, Crossfire ist UM WELTEN besser!!! Es ist das, was 50 Shades of Grey hätte sein können. Also wenn Du 50 Shades gut findest, wirst Du von Crossfire begeistert sein!! Bin gespannt, was Du dazu sagst 🙂

  6. Hab so gelacht bei Deinem Kommentar. Nein, ich esse wahrlich auch nichts mit Rotze auf dem Teller, hahaha ;-))) Ich habe die 50 Shades Bücher z.T. quer gelesen. Diese "innere Göttinnen-Stimme" fand ich ganz ganz furchtbar. Aber ich habe es auf Englisch gelesen. Versuch doch mal Crossfire, bin gespannt auf Deine Meinung.<3

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